Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) befindet sich in einem rasanten Wandel. In Zeiten der Digitalisierung sollen die Nutzer zunehmend von modernen Fahrgastinformationssystemen profitieren, sie sollen an Haltestellen zum Beispiel auf Anzeigetafeln über Verspätungen informiert werden und Tickets jederzeit per Smartphone kaufen können. Am Ende wird der öffentliche Nahverkehr mit Bus und Bahn zu einem Mobilitätsverbund, der die Elektromobilität ebenso einschließt wie das Verkehrmittel Fahrrad. Ein wenig von diesem Geist der Zukunft dürfte sich in einer Ausschreibung wiederfinden, die das Konstanzer Landratsamt derzeit vorbereitet. Es geht um die Auftragsvergabe für den Betrieb des Regionalbusverkehrs im Landkreis Konstanz. Noch ist das Verkehrsunternehmen Südbadenbus (SBG), eine Gesellschaft der Deutschen Bahn, der Vertragspartner des Landkreises. Doch dieser Vertrag läuft Ende 2019 aus.

In den Vertragsbedingungen für eine europaweite Ausschreibung macht der Landkreis detaillierte Vorgaben zu Qualitätsstandards für Fahrzeuge und Personal, für die Haltestellen und die Informationssysteme. Beim Fahrplankonzept soll das Angebot für die Nutzer noch einmal um 1,3 Millionen zusätzliche Fahrplankilometer erweitert werden. Der europaweite Wettbewerb um den Regionalbusverkehr am westlichen Bodensee würde nur dann entfallen, wenn der derzeitige Vertragspartner signalisierte, er könne den Beförderungsauftrag so wirtschaftlich betreiben, dass er ohne finanzielle Zuschüsse auskäme. Doch damit rechnet Ralf Bendl nicht. Der Leiter des Amts für Nahverkehr und Straßen hofft auf eine Wettbewerbssituation unter möglichst vielen Anbietern. "Wettbewerb ist gut", sagt Bendl.

Nicht nur die Ausschreibung des Regionalbusverkehrs ist Thema in der Kreistagssitzung am nächsten Montag (14 Uhr, Landratsamt Konstanz), sondern auch die Entwicklung im Verkehrsverbund Hegau-Bodensee (VHS), der Tarifgemeinschaft für Schienen- und Busverkehr. Auf dem Tisch liegt der Antrag auf eine Ticketpreiserhöhung. Kunden sollen im nächsten Jahr durchschnittlich 1,65 Prozent mehr für die Fahrkarte bezahlen. Begründet wird die Preiserhöhung unter anderem mit Kostensteigerungen bei Personal, Strom und Treibstoff. Der VHB rechnet in diesem Jahr wieder mit steigenden Fahrgastzahlen. 2016 war die Zahl erstmals seit Gründung des VHB im Jahr 1996 gesunken. Und zwar um 60 000 Nutzer auf 18,77 Millionen Fahrgäste. Ralf Bendl schreibt den Rückgang den Bauaktivitäten der Deutschen Bahn zu. Die Sanierungsarbeiten an Gleisanlagen zwischen Konstanz und Singen hatten zu längeren Streckensperrungen geführt. Seehas-Kunden mussten über Wochen mit Bussen fahren. "Die Bahn hat uns Fahrgäste gekostet", sagt Bendl.