Im Landkreis Konstanz wurden im vergangenen Jahr 387 Personen unter Beteiligung der Feuerwehr gerettet. Für 44 Personen kam jedoch die Hilfe zu spät. „Das ist auch für Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr schwer zu verarbeiten“, erläuterte Carsten Sorg als Gastredner der Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbands Konstanz in der Höri-Halle Gaienhofen: Um mit den Belastungen umgehen zu können, habe der Landkreis ein Einsatzkräfte-Nachsorgeteam, das rund um die Uhr zur Verfügung stehe und sich um Feuerwehrangehörige kümmert, so der Kreisbrandmeister.

Die Versammlung stand ganz im Fokus der Unterstützung der Feuerwehren. Landrat Frank Hämmerle kündigte eine fünf Millionen Euro schwere Investition für den Bau einer Atemschutzstrecke mit Brandsimulationsanlage in Rielasingen-Worblingen an. In zwei Abrollbehälter (Container) für Gefahrengut und Führungsstab für den ganzen Landkreis werden 600 000 Euro investiert. Für die Infrastruktur der digitalen Alarmierung wurden im Haushalt 1,5 Millionen Euro angesetzt.

Feuerwehrzentrum soll Städte und Gemeinden entlasten

Nach dem Bau der Anlage werde es die Aufgabe der Kreispolitik sein, weitere Bausteine hin zu einem Feuerwehrservicezentrum zu beschließen, so der Landrat: „Wir müssen ein Konzept schaffen in enger Zusammenarbeit mit Feuerwehrleuten, wo wir der Politik beweisen müssen, dass ein solches Zentrum richtig und notwendig ist.“ Es soll zu einer Entlastung in den Städten und Gemeinden führen. Ein Feuerwehrzentrum sei dringend notwendig, um die Leistungsfähigkeit im Landkreis zu erhalten, betonte Carsten Sorg. Das Zentrum sei kein Wunsch, sondern tatsächlicher Bedarf, auch nach fachlicher Meinung der Aufsichtsbehörde des Feuerwehrwesens in seiner Person, so der Kreisbrandmeister. Ziel müsse sein, das Ehrenamt zu entlasten, so Sorg, es stoße zunehmend an seine Grenzen. Die Instandsetzung und Prüfung der Ausrüstung nehme ein immer größeres Ausmaß an. Sie fordere das Ehrenamt zeitlich und fachlich immer mehr. Die Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben durch Personal im Ehrenamt gebe es nur bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Zum Abschluss seiner Amtszeit als Landrat erhält Frank Hämmerle (Mitte) vom Kreisfeuerwehrverband eine Feuerschale. Weiter von links: Die stellvertretenden Kreisbrandmeister Uwe Hartmann, Hannes Oexl und Andreas Egger sowie Ehrenmitglied Dieter Quintus, Carsten Sorg (Kreisbrandmeister) und Stefan Kienzler (Vorsitzender des Verbandes).
Zum Abschluss seiner Amtszeit als Landrat erhält Frank Hämmerle (Mitte) vom Kreisfeuerwehrverband eine Feuerschale. Weiter von links: Die stellvertretenden Kreisbrandmeister Uwe Hartmann, Hannes Oexl und Andreas Egger sowie Ehrenmitglied Dieter Quintus, Carsten Sorg (Kreisbrandmeister) und Stefan Kienzler (Vorsitzender des Verbandes). | Bild: Georg Lange

Jedem Landkreis werden zwischen 500 000 und 600 000 Euro aus der Feuerschutzsteuer zugeteilt. Damit werden beispielsweise die Beschaffung von Fahrzeugen oder Neubauten von Feuerwehrhäusern in den Gemeinden unterstützt. Der Landkreis erhielt in den letzten beiden Jahren mehr als 1,9 Millionen Euro an Zuschüssen, so Sorg: Viele Feuerwehrhäuser seien jedoch in die Jahre gekommen und entsprächen in Dimension und Ausstattung nicht mehr Richtlinien – teilweise seien sie unfallträchtig. Es gebe Feuerwehrhäuser ohne sanitäre Anlagen, Dusch- und Unterrichtsraum. Sorg bittet die Vertreter der Politik, ihren Einfluss geltend zu machen: Ohne ein landesweites, eigens für Bau und Umbau von Feuerwehrhäusern bestimmtes Konjunkturprogramm könne er flächendeckend keine Zuschüsse gewährleisten.

Im Spannungsfeld von Ehrenamt und Professionalität

Oskar Schreiber ist Leiter des Führungs- und Einsatzstabes im Polizeipräsidium Konstanz und schätzt die ehrenamtliche Bewältigung der Einsätze als routiniert und professionell ein. Er sei sich bewusst, dass die Feuerwehrleute bei schwierigen Bränden und Verkehrsunfällen im Spannungsfeld zwischen Professionalität und Ehrenamt stehen. Auf der einen Seite gebe es die Erwartung der Bevölkerung, dass die Feuerwehr schnell und professionell mit der Polizei und anderen Organisationen ihre Aufgaben bewältigt. Auf der anderen stehe der Aspekt des Ehrenamts. Um dem Anspruch der Bevölkerung gerecht zu werden, opferten sie viele Stunden ihrer Freizeit, um sich zu qualifizieren. Bei der Zusammenarbeit hätten die Feuerwehrleute eine hohe Professionalität bewiesen. Dafür sei die Polizei von ganzem Herzen dankbar.

Feuerwehren sollen Angriffe und Beleidigungen der Polizei melden

Die Feuerwehr habe höchstes Lob und Anerkennung verdient, doch, so Schreiber, bleibe leider oft unbemerkt, dass auch Feuerwehr und Rettungsdienste mit Behinderungen, körperlichen Angriffen oder Beleidigungen konfrontiert werden. Oskar Schreiber forderte die Feuerwehren auf, solche Vorkommnisse konsequent zu melden, damit polizeiliche Maßnahmen eingeleitet werden können. Durch die Änderungen des regionalen Zuschnitts werde das Polizeipräsidium Konstanz künftig für die Landkreise Konstanz, Tuttlingen, Rottweil und den Schwarzwald-Baar-Kreis zuständig sein und ab 1. Januar den Betrieb aufnehmen. Für die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren werde es keine Veränderungen geben, so Schreiber: Notrufe werden auch künftig vom Konstanzer Lagezentrum bearbeitet.

Neuerungen bei Gerät und Struktur

  • Investitionen im Landkreis: Der Landkreis schafft Abrollbehälter (Container) für Gefahrengut und ABC-Einsätze an sowie für Führungsstäbe, hinzu kommt ein Kommandowagen für den Brand- und Katastrophenschutz. Der Kreis investiert in die Entwicklung der Infrastruktur digitaler Alarmierung. Kreisbrandmeister Carsten Sorg kündigte die Einführung einer landkreisweiten und einheitlichen Alarmierungs- und Ausrückordnung an, die Umstrukturierung des Referats Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt sowie die Anschaffung zweier Boote für die Ölwehr Bodensee mit den Standorten Konstanz und Radolfzell sowie den Anschluss der integrierten Leitstelle an das digitale Funknetz des Landes Baden-Württemberg. In den letzten beiden Jahren wurden 24 Fahrzeuge gefördert. Auch wurden vier Feuerwehrhäuser bezuschusst.
  • Unterstützung vom Land: 2019 wird das Land voraussichtlich rund 65 Millionen Euro für Ausbildung, technische Hilfen und die Ölwehr Bodensee ausgeben. Rund 38,4 Millionen Euro fließen an die Gemeinden in Baden-Württemberg, so Gastrednerin und Landtagsabgeordnete Nese Erikli (Grüne). Die Zuweisungen seien seit 2011 um 15 Millionen Euro gestiegen. 6500 Feuerwehrangehörige absolvieren jährlich Lehrgänge in der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal. Um für den Eintritt in die Feuerwehr stärker werben zu können, stellt das Land einen Infocontainer für Veranstaltungen zur Verfügung. Ihr Büro, so Nese Erikli, helfe bei der Vermittlung.