Konstanz Landkreis Konstanz lädt Flüchtlingshelfer zu internationaler Konferenz ein

Ohne Ehrenamtliche geht es in der Flüchtlingsbetreuung nicht, wenn die Integration gelingen soll. Das Konstanzer Landratsamt bietet jetzt ein Forum zum Erfahrungsaustausch. Dabei kommen Vertreter von Helferkreisen und Initiativen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen.

Manchmal braucht es nur einige Fragen, um zu zeigen, wie groß die Herausforderung ist. In diesem Falle könnte eine Frage lauten: Wie funktioniert moderner Sprachunterricht? Eine Zweite: Wie erkenne ich, ob ein Mensch traumatisiert ist? Eine Dritte: Was kann ich noch für einen Flüchtling tun, wenn dessen Asylantrag abgelehnt worden ist? Nach Angaben des Landratsamts engagieren sich derzeit rund 500 Männer und Frauen im Kreisgebiet ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Sprache, Arbeit, Wohnen, Bildung, Kultur und Freizeit: 40 Helferkreise und Initiativen bemühen sich, die Integration der Zuwanderer voranzutreiben.

Für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe hat Anja Kurz, Ehrenamtsbeauftragte im Kreisamt für Migration und Integration, jetzt eine Konferenz organisiert. Die Teilnehmer sollen sich bei dem Treffen am 25. November im Radolfzeller Milchwerk inhaltlich austauschen, weiterbilden und vernetzen können. Sie sollen am Ende viele Anregungen und jede Menge Zuversicht mitnehmen. Dabei hat die erste Regionalkonferenz für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe am Bodensee internationalen Charakter. Denn nicht nur aus angrenzenden deutschen Landkreisen, sondern auch aus der Schweiz und aus Österreich werden Teilnehmer erwartet. Die Integrationsbeauftragte der Stadt Kreuzlingen ist sogar als Workshop-Leiterin präsent. Ihr Thema: Wie kann die Kommunikation mit Geflüchteten aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus gelingen? Einblicke in das schweizerische Modell der Flüchtlingsbetreuung sind garantiert.

"Wir wollen betonen, welche Bedeutung das Ehrenamt für die Integration hat." - Anja Kurz, Ehrenamtsbeauftragte.
"Wir wollen betonen, welche Bedeutung das Ehrenamt für die Integration hat." - Anja Kurz, Ehrenamtsbeauftragte. | Bild: AKU

Mit der Konferenz wollen die Veranstalter ein Signal setzen. "Wir wollen betonen, welche Bedeutung das Ehrenamt für die Integration hat", sagt Anja Kurz. Sie weiß, dass Integration ein langer Prozess ist. Da brauchen auch die ehrenamtlichen Helfer einen langen Atem. Das Amt für Integration wolle die Helfer in diesem Prozess unterstützen und zugleich Strukturen schaffen, die es ermöglichen, die Arbeit langfristig zu leisten. Nachhaltigkeit zu schaffen sei die große Herausforderung. Kurz lobt das Modell der individuellen Patenschaften, bei dem Ehrenamtliche sich zu zuverlässigen Begleitern von Flüchtlingen machen und Alltagsprobleme lösen helfen. Nach Einschätzung von Kurz ist die Zahl der ehrenamtlichen Helfer zuletzt zurückgegangen.

Für Kreissozialdezernent Axel Goßner ist dies kein unerwartetes Phänomen. Er verweist auf andere Bereiche ehrenamtlicher Arbeit: "Die Menschen engagieren sich zunehmend eher projektbezogen als dauerhaft." Goßner verhehlt nicht, dass für ihn die Wohnungsnot ein Schlüsselthema in der Integrationsdebatte ist. Viele Flüchtlinge könnten aus den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises ausziehen, wenn es in den Städten und Gemeinden verfügbaren Wohnraum gäbe.
 

Hier kommen Helfer ins Gespräch

  • Die Veranstaltung: Die Regionalkonferenz am Samstag, 25. November, 9.30 bis 16 Uhr, im Milchwerk Radolfzell richtet sich an Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe. Für den Impulsvortrag konnten die Veranstalter Misun Han-Broich gewinnen. Die Lehrbeauftragte im Studiengang Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Berlin hat über das Thema Ehrenamt und Integration geforscht und promoviert. Sie gibt in einer Mitteilung des Landratsamts folgende Einschätzung ab: "Die Ehrenamtlichen leisten auf der persönlichen Beziehungsebene und durch die Art ihrer Kontakte einen eigenständigen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge." Zum weiteren Programm zählen unter anderem der Austausch über wichtige Fragen der Integrationsförderung sowie die Präsentation von Beispielen vorbildlicher Projekte.
  • Die Anmeldung: Interessierte können sich bei der Ehrenamtsbeauftragten Anja Kurz informieren und zur Regionalkonferenz anmelden:Telefon (0 75 31) 800 11 98;Email: anja.kurz@LRAKN.de
  • Die Zahlen: Rund 4000 Flüchtlinge leben nach Angaben der Verwaltung derzeit im Landkreis Konstanz. Davon sind rund 1900 Personen in kreiseigenen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Etwa 900 der Bewohner könnten aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen, wenn die Kommunen freie Wohnungen zur Verfügung stellen könnten. Laut Landratsamt sind kreisweit etwa 500 Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe engagiert.

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