Wenn der Besucher nicht ins Museum kommen kann, kommt das Museum eben zum Besucher – nach diesem Prinzip verfahren in diesen Tagen viele Kultureinrichtungen im Kreis Konstanz. Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, mussten sämtliche Museen ihre Pforten schließen und arbeiten nun an kreativen Lösungen, um Kulturinteressierten trotzdem spannende Inhalte bieten zu können. Dabei entstehen verschiedenste Angebote wie Videos, Bildergalerien, Quizze und Gewinnspiele, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind bequem und sicher vom heimischen Sofa aus abrufbar.

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Die städtischen Museen in Konstanz

In Konstanz sind gleich vier städtische Museen betroffen: Neben dem Rosgartenmuseum und der Wessenberg-Galerie sind auch das Hus-Haus und das Bodensee-Naturmuseum geschlossen. Das bedeutet vor allem große finanzielle Verluste. „Die Schließung wirkt sich auf Besucherzahlen, Shopbetrieb und Museumscafé, auf Publikationen und Exkursionen und damit auf alle unsere Einnahmearten verheerend aus“, sagt Tobias Engelsing, Direktor der städtischen Museen in Konstanz. „Sie hat aber auch fatale Wirkungen auf laufende Ausstellungsplanungen und Verträge, die wir mit Leihgebern und Leihnehmern schließen wollten.“

Die Türen des sonst gut besuchten Rosgartenmuseums bleiben vorerst geschlossen.
Die Türen des sonst gut besuchten Rosgartenmuseums bleiben vorerst geschlossen. | Bild: Aurelia Scherrer

Doch trotz der Schließungen müssen die Konstanzer Museumsfans nicht ganz auf Kultur verzichten. Die städtischen Museen seien gerade dabei, regelmäßige Beitrage zur Kunst und Geschichte vorzubereiten, die sie dann in den sozialen Medien und auf der Museumshomepage teilen werden, verspricht Tobias Engelsing. „Wir experimentieren gerade noch mit Technik, Formaten und Inhalten, wollen aber in Kürze ‚auf Sendung‘ gehen. Dazu werden kleine Bildbetrachtungen, Geschichten, Gedenktage und kindgerechte Angebote gehören.“

Das Archäologische Landesmuseum in Konstanz

Auch das Archäologische Landesmuseum in Konstanz hat sich in der Krise etwas einfallen lassen: „Unsere Eingangstür ist zwar gerade verschlossen, dafür hat sich eine andere Tür geöffnet“, sagt Pressesprecherin Stephanie King. „Via Instagram (@alm_badenwuerttemberg) bringen wir unseren Besuchern das Museum nach Hause.“ Für die nächsten Wochen und Monate habe man schon einiges vorbereitet – zum Beispiel Blicke hinter die Kulissen des Museums und virtuelle Führungen durch die neue Playmobil- und andere Ausstellungen. Auch für die Kleinsten ist gesorgt: Sie können aktuell an einem Malwettbewerb teilnehmen, bei dem es nicht nur etwas zu lernen, sondern auch zu gewinnen gibt.

Das MAC Museum Art & Cars in Singen

In Singen trifft die Corona-Krise vor allem das private MAC Museum Art & Cars hart. „Uns sind auf einen Schlag sämtliche Einnahmen weggebrochen“, klagt das Stifterehepaar Gabriela Unbehaun-Maier und Hermann Maier. Eintritt, Gastronomie, Veranstaltungen – alles, womit das MAC sonst seine Umsätze erzielt, steht still. Deshalb mussten die festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen und mehrere Minijobber bereits entlassen werden. Doch Hermann Maier bleibt zuversichtlich: „Wir hoffen, dass bei den Menschen nach der Corona-Pandemie Nachholfbedarf besteht und sie der Kultur mit ihren Besuchen eine Chance zum Weitermachen geben.“ Bis dahin gibt es auf der Internetseite des Museums jede Menge Bilder zu entdecken. „Außerdem ist ein Film in Arbeit, der sowohl Autos und Kunst als auch die besondere Architektur des Museums behandeln wird“, erzählt Gabriela Unbehaun-Maier. Dieser soll in der kommenden Woche fertig werden und dann ebenfalls auf der Homepage zu sehen sein.

Das Stifterehepaar des MAC Museum Art & Cars in Singen, Hermann Maier und Gabriela Unbehaun-Maier, sorgen sich um die finanzielle Zukunft des Museums.
Das Stifterehepaar des MAC Museum Art & Cars in Singen, Hermann Maier und Gabriela Unbehaun-Maier, sorgen sich um die finanzielle Zukunft des Museums. | Bild: Sabine Tesche

Das Kunstmuseum in Singen

Im Kunstmuseum Singen musste wegen der Corona-Gefahr die Eröffnung der Jubiläumsausstellung ausfallen. Deshalb sollen Eindrücke der Ausstellung nun verstärkt auf der Internetseite des Museums und auf Facebook zu sehen sein, wie Mitarbeiterin Beatrice Dumitrescu mitteilt. Eine virtuelle Führung soll in Kürze folgen. Darüber hinaus bereite das museumspädagogische Team eine Reihe von Angeboten vor, die Kindern künstlerische Techniken an die Hand geben sollen, mit denen sie mit einfachen Mitteln von zu Hause aus ihre eigenen Kunstwerke schaffen und selbst zu kleinen Künstlern werden können.

Das Stadtmuseum Stockach

Das Stadtmuseum Stockach hat eine Möglichkeit gefunden, trotz der vorübergehenden Schließung Einblicke in die laufende Ausstellung „Stadt, Land, See – Stockach und die Region in Gemälden und Fotografien“ zu gewähren. Es sei schon seit Längerem auf der Plattform Museum Digital vertreten, sagt Museumsleiter Johannes Waldschütz. Außerdem werde er zweimal pro Woche Bilder auf der Webseite des Stadtmuseums veröffentlichen.

Diese Zeichnung der Stadt Stockach aus dem 18. Jahrhundert gehört zur laufenden Ausstellung des Stadtmuseums, die nun teilweise im Netz gezeigt wird.
Diese Zeichnung der Stadt Stockach aus dem 18. Jahrhundert gehört zur laufenden Ausstellung des Stadtmuseums, die nun teilweise im Netz gezeigt wird. | Bild: Stadtmuseum Stockach

Die Villa Bosch in Radolfzell

In Radolfzell ist die Villa Bosch ebenfalls geschlossen. Deshalb hat sich der Kunstverein Radolfzell dazu entschlossen, auf seiner Internetpräsenz einen virtuellen Rundgang durch die neue Ausstellung „Eigene Welten in Keramik und Glas“ anzubieten.

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CompuRama Radolfzell

Außerdem können sich CompuRama-Freunde auf Bilder, Informationen und ein Quiz rund um das Radio und seine Bedeutung für die Gesellschaft freuen. Da das Informatikmuseum in Liggeringen erst einmal nicht öffnen darf, sollen die zusätzlichen Inhalte bald im Internet zu sehen sein und Vorfreude auf die Ausstellung machen.

Das städtische Museum Engen

Das städtische Museum Engen nutzt die Online-Videoplattform Youtube, um Kunstliebhabern einen Teil der laufenden Sonderausstellung. Der etwa vierminütige Film trägt den Titel „Städtisches Museum Engen: Hölle & Paradies. Der Expressionismus um 1918“.

Das Jüdische Museum in Gailingen

Das Jüdische Museum Gailingen hat nach Angaben seines ehrenamtlichen Geschäftsführers Joachim Klose nur sehr begrenzte und finanzielle Ressourcen und kann deshalb kein zusätzliches digitales Angebot zur Verfügung stellen. Auf der Internetseite des Museums seien jedoch schon viele Informationen zu finden. „Daneben geben wir auf Facebook und Instagram Eindrücke in das Geschehen im Museum – momentan aus dem Home-Office durch unsere Wissenschaftliche Mitarbeiterin Sarah Schwab“, so Klose. Diese Kanäle werden man verstärkt nutzen, falls die coronabedingte Schließung länger dauert.

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