Die Zeit läuft: In der Nacht zum Samstag beginnen umfangreiche Gleisbaumaßnahmen zwischen Radolfzell und Konstanz. Die Folgen für Bahn-Kunden sind ernst. Die schwerwiegendste Einschränkung: Der Streckenabschnitt Radolfzell-Allensbach wird 24 Tage komplett gesperrt.

Gerade an dieser Maßnahme entzündet sich Kritik. Muss diese Vollsperrung wirklich sein? Wäre es nicht besser gewesen, diese Arbeiten in die Sommerferien zu legen, statt zu einem Zeitpunkt damit zu starten, wenn tausende Berufspendler und Schüler auf die Bahn angewiesen sind?

Drei Wochen kein Zugverkehr zwischen Radolfzell und Allensbach

Kritisch äußert sich da zum Beispiel Helmut Kennerknecht, der als Kreistagsmitglied Bahnexperte der CDU-Fraktion ist. Kennerknecht hält zwar grundsätzlich die Investitionen der Deutschen Bahn (DB) ins Streckennetz am westlichen Bodensee für notwendig und absolut richtig. Aber: "Was ich nicht verstehen kann, ist, dass bei einer zweigleisigen Strecke eine Vollsperrung über so lange Zeit erforderlich ist", stellt der Kommunalpolitiker fest, der in seinem früheren Amt als Bürgermeister in Allensbach lange mit der DB um Verbesserungen an Gleisübergängen und Station gerungen hat.

Warum könne nicht auf einem Gleis gearbeitet und auf dem anderen gefahren werden, fragt er. Der Ansatz der Bauherren müsste sein, aus der Sicht des Kunden zu denken und die Totalsperrung zu vermeiden oder zu minimieren.

Volle drei Wochen kein Zugverkehr zwischen Radolfzell und Allensbach? "Für die Bahnkunden ist das eine Zumutung", sagt Stefan Buhl, der baden-württembergische Landesvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn. Mit großer Schelte an die Adresse der Deutschen Bahn hält er sich dennoch zurück. Es sei von außen schwer zu beurteilen, ob die Baustellenplaner da einiges hätten anders machen können und müssen. Möglicherweise würden die Arbeiten viel länger dauern, wenn die DB auf die Vollsperrung verzichtet hätte.

Wie die Bahn die Vollsperrung begründet

Unterdessen rechtfertig Roland Kortz die Bauplanung der Deutschen Bahn. "Natürlich versuchen wir, Baustellen-Aktivitäten in verkehrsschwache Zeiten zu legen", sagt der Sprecher der DB-Regionalzentrale in Stuttgart. Im Fall der Gleiserneuerung zwischen Radolfzell und Konstanz sei das nicht gelungen, weil die benötigten großen Maschinen in der fraglichen Zeit nicht zur Verfügung gestanden hätten. Für die Arbeiten kommt ein mehrere hundert Meter langer Gleisumbauzug zum Einsatz. Der DB-Sprecher wirbt um Verständnis: "Baustellenplanung ist eine knifflige Sache."

Die Vollsperrung ist laut Kortz auch der besonderen Situation im Gemeindegebiet von Allensbach geschuldet. Wenn man ein Gleis für den Verkehr offen lassen wolle, müsse das Baugleis durch einen Schutzzaun abgeschirmt werden. Dies sei bei Allensbach aber wegen der beengten Verhältnisse nicht möglich. Alternativ bleibe nur die akustische Warnanlage. Das sei indes den Anwohnern nicht zuzumuten: "Da stünden die Allensbacher senkrecht in den Betten."

Mit Spannung harrt man beim Verkehrsverbund Hegau-Bodensee (VHB) der Dinge, die da auf die Bahnkunden zukommen. Nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Rüster haben bisher von rund 6600 Jahreskarten-Inhabern nur etwa 150 Kunden das ÖPNV-Ticket für die Dauer der Vollsperrung abbestellt. "Nun hoffen wir, dass der Ersatzverkehr auch gut läuft, das ist wichtig", so Rüster.