Überlingen Kreißsaal in Überlingen schließt vorübergehend: Versorgung in der Region aber sichergestellt

Das Überlinger Helios-Spital schließt demnächst wegen Personalmangels vorübergehend seinen Kreißsaal. Die Kliniken des Gesundheitsverbunds im Landkreis Konstanz können aber wohl ausreichend aushelfen. Das Personal an den Standorten Konstanz und Singen war im vergangenen Jahr bereits verstärkt worden.

Das Helios-Krankenhaus in Überlingen hat angekündigt, wegen Personalmangels den Kreißsaal ab 22. Mai für fünf bis sechs Wochen zu schließen. Sind in der Folge die Kliniken des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz darauf eingerichtet, möglicherweise mehr Entbindungen vorzunehmen, um den Ausfall des Angebots in der Nachbarschaft zu kompensieren?

"Wir tun das Möglichste, damit jede Schwangere, die zu uns kommt, optimal in einer unserer beiden Geburtskliniken versorgt wird. Wir gehen davon aus, dass unsere Kapazitäten dafür ausreichen", teilte dazu Peter Fischer mit, einer der beiden Geschäftsführer des Gesundheitsverbunds am westlichen Bodensee. Helios in Überlingen verzeichnet pro Monat 40 bis 50 Geburten.

Personal in Konstanz und Singen wurde im vergangenen Jahr verstärkt 

Nach Angaben von Andrea Jagode, der Sprecherin des Gesundheitsverbunds, hatte die Geschäftsführung des Helios-Spitals die Nachbarkliniken vorab über ein möglicherweise erhöhtes Patientenaufkommen für die Dauer der Schließung des Kreißsaals in Überlingen informiert. Sie verwies darauf, dass das Personal an den Standorten Konstanz und Singen im vergangenen Jahr verstärkt worden sei.

Vor allem mit Geburtshelferinnen aus Radolfzell. Der Kreißsaal am dortigen Krankenhaus war zum 31. März vergangenen Jahres geschlossen worden. Auch räumlich sieht sich der Gesundheitsverbund nach Angaben der Sprecherin gut aufgestellt. In der Singener Geburtshilfe stehen vier Kreißsäle zur Verfügung, am Standort Konstanz sind es drei. "Da Singen und Konstanz auch über ausgezeichnete Kinderkliniken verfügen, sich auch die Neugeborenen im Falle des Falles bestens versorgt", erläuterte Jagode.

Die Verbundsprecherin räumte indes auch ein, dass in in Einzelfällen in Singen Schwangere weggeschickt werden mussten. Dies habe allerdings nichts mit mangelnden Kapazitäten oder schlechter Planung zu tun. Vielmehr ergebe sich eine solche Ausnahmesituation, wenn eine Hebamme kurzfristig erkranke. "Bis ein Ersatz da ist, kann es sein, dass eine Frau an eine andere Geburtsklinik verwiesen wird", teilte Jagode mit. Das tue keiner gerne und das sei für die betroffene werdende Mutter nicht schön.

Mit Blick an den angekündigten Versorgungsengpass bei Helios in Überlingen bleibt festzuhalten: Panik wegen zu befürchtender Versorgungsengpässe besteht beim Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz also nicht, zumal die potenziellen Kundinnen des Helios-Spitals auch noch andere Krankenhäuser in der Region aufsuchen könnten, zum Beispiel in Tuttlingen oder Friedrichshafen.

Drei Geburtshelferinnen haben ihre Schwangerschaft gemeldet 

Der Versorgungsengpass in Überlingen ergibt sich, weil dort gleich drei Geburtshelferinnen ihre Schwangerschaft gemeldet haben. Dies habe ein sofortiges Beschäftigungsverbot zur Folge, wie die Klinikleitung in der vergangenen Woche mitteilte. Perspektivisch soll am Helios-Spital die Entbindungsstation nach der erzwungenen Auszeit aber eher ausgebaut werden. Denn die Zahl der Entbindungen sei rasant gestiegen. Zuwächse bei Geburten verzeichnen auch die Frauenkliniken in Konstanz und Singen (siehe Infokasten).

In der Vorwoche beschäftigte sich auch der Konstanzer Kreistag mit der Lage des Klinikverbunds, als dessen aufsichtsratsvorsitzender Landrat Frank Hämmerle fungiert. Es ging allerdings nicht um den Sachstand in der Geburtshilfe, sondern um die wirtschaftliche Gesamtsituation. Dabei verblasste die positive Nachricht über den festgestellten Konzernüberschuss von 3,1 Millionen Euro für das Jahr 2016 angesichts der Tatsache, dass mittel- bis langfristig Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe im Klinikbereich notwendig sind.

Die Zahlen

  • 1455 Geburten verzeichnete das Klinikum Singen 2017. Das sind 165 mehr als im Vorjahr. In den ersten vier Monaten 2018 waren es 521 Geburten. Im Klinikum Konstanz stieg die Zahl der Entbindungen 2017 um 61 auf 894. Im laufenden Jahr waren es laut Gesundheitsverbund bis Ende April 276 Entbindungen.
  • Zugleich gingen dem Kliniksverbund mit der Schließung der Geburtshilfe in Radolfzell (31. März 2017) statistisch gesehen auch Geburten verloren. Minus in 2017 an diesem Standort: 437 Entbindungen.

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