Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Holzvermarktungsstreit zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Bundeskartellamt sieht das Landwirtschaftsministerium seine Position gestärkt. Es bleibt bei den Anforderungen der Kartellwächter aus dem Jahr 2008, weitere Beschränkungen für die staatliche Waldwirtschaft beim Holzverkauf, die 2015 nachgeschoben wurden, sind durch das Urteil des BGH nun geblockt. Dennoch stehen die Kreisforstämter derzeit vor grundlegenden Veränderungen.

Neuer Staatsforstbetrieb geht an den Start

Denn das Land hat in der ein Jahrzehnt währenden Auseinandersetzung bereits auf die früheren Vorgaben des Kartellamts reagiert. So soll ein neuer Staatsforstbetrieb garantieren, dass die Dienstleistungen für staatliche Wälder und kommunale sowie kleine private Wälder voneinander getrennt werden. In der Vergangenheit hatten die staatlichen Forstämter den Holzverkauf für Kommunen und Private gleich miterledigt und dabei aus Sicht der Sägewerke zu hohe Preise erzielt.

Standortvorteil für Tuttlingen

Die Gründung des baden-württembergischen Staatsforstbetriebs hat für die Kreisforstämter Folgen. "Die praktische Konsequenz ist, dass wir die Forstverwaltung auf neue, sichere Füße stellen müssen", kommentierte Kreisforstamtsleiter Bernhard Hake die Lage. Im Landkreis Konstanz verliert das Forstamt die Zuständigkeit zur Betreuung von rund 5000 Hektar Staatswald. Das sind 19 Prozent der Waldfläche im Landkreis. 41 Prozent des Waldes gehört Kommunen, Kirchen und Stiftungen. 20 Prozent sind Eigentum großer Privatwaldbesitzer, die ihr Holz selbst vermarkten. Noch einmal die gleiche Fläche entfällt auf kleine Privatwaldbesitzer, die oft nur ein bis zwei Hektar bewirtschaften. Die Staatswald-Betreuung im Landkreises Konstanz soll nach Information von Hake mit derjenigen der Landkreise Tuttlingen und Rottweil fusionieren. Für die staatliche Forstverwaltung werde ein Standort "in der Mitte" gehandelt, möglichst autobahnnah. "In der Mitte" spräche eher für Tuttlingen.

Ein Forstamt für Städte und Gemeinden

Während der Auszug der staatlichen Forstdienstleister aus dem Kreisforstamt in Radolfzell sicher ist, sucht eine Arbeitsgruppe in Regie des Landratsamts eine neue Organisationsform für die Betreuung des Kommunalwaldes, das dann auch gegen kostendeckende Gebühren Serviceleistungen für Besitzer kleiner, privater Waldflächen anbieten könnte. Am Ende dürfte sich der bisherige Zuschnitt der Reviere ändern. Und auch die Forstmitarbeiter stehen vor Veränderungen.