Der Bodensee – ein Reiseziel mit unterschiedlichsten Angeboten von der Hegauer Vulkanlandschaft bis zu den Alpenausläufern. Kein Wunder, dass es der Tourismuswirtschaft so schwerfällt, die Kräfte zu bündeln und die internationale Urlaubsregion gemeinsam zu vermarkten. Nicht einmal auf deutscher Seite gelingt es, das Marketing unter einen Hut zu bringen. Jetzt gibt es den ersten aussichtsreichen Anlauf seit langer Zeit – und noch bevor der Verein am Donnerstag symbolträchtig auf dem Hohentwiel aus der Taufe gehoben wird, geht es vor allem um: Psychologie.

Genau damit hatte Eric Thiel, der umtriebige Geschäftsführer der neuen und starken Gesellschaft Marketing und Tourismus Konstanz (MTK), gerechnet. Er gilt als die treibende Kraft hinter der künftigen Organisation mit dem noch etwas sperrigen Namen "Regio Konstanz Bodensee Hegau", von Konstanz aus soll der gemeinsame Auftritt der so unterschiedlichen Urlaubsziele koordiniert werden. Aber: Konstanz bestimmt nicht die Richtung, betont Thiel. Seine Devise lautet: "Schluss mit der Kleinstaaterei, wir wollen an einem gemeinsamen Seil in eine gemeinsame Richtung ziehen."

Oberbürgermeister Uli Burchardt spricht von "Vertrauen", das die neue Organisation verdient habe, die Stadt Konstanz will das auch mit dem eher symbolischen Jahres-Beitrag von gerade einmal 5000 Euro zeigen. Und Thiels Arbeitgeber MTK will dann auch eher Dienstleister sein für alle Partner rundum. Die Idee überzeugte. Inzwischen haben alle Trägergemeinden ihre Bereitschaft zugesichert. Erstmals will der Landkreis Konstanz die Werbung um Feriengäste gemeinsam angehen. Fast alle Kreisgemeinden sind an Bord, nur Stockach und Bodman-Ludwigshafen fühlen sich aufgrund ihrer Nähe zum Überlinger See der Obersee-Marketinggemeinschaft DBT verbunden.

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Dennoch – von Konstanz bis Tengen, von Allensbach bis Zoznegg soll die künftige Werbegemeinschaft die Region vermarkten. Dabei setzen die Hegau-Gemeinden auf das Prinzip Hoffnung: "Wir als eine Gemeinde, die vom Tourismus wenig profitiert, haben die Erwartung, dass das Grundangebot in der großen Organisation weiter funktioniert", erklärt Gottmadingens Bürgermeister Michael Klinger. Es gehe auch um die Solidarität mit den Kommunen, für die Tourismus ein wesentlicherer Wirtschaftsfaktor ist. Er spricht dem Team des Vereins Hegau-Tourismus, der in den vergangenen Jahren die Vulkanlandschaft als Reiseziel beworben hat, ein großes Lob aus: "Singen hat seine Aufgabe als Ziehmutter des Hegaus wahrgenommen."

Das Lob an den jetzt im großen Verband aufgehenden kleinen Verein Hegau-Tourismus unterstreicht auch Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler: "Es wurde gute Arbeit geleistet, die steigenden Übernachtungszahlen zeigen dies." Doch jetzt sei es Zeit, die Kräfte zu bündeln. "Marketing braucht geballte Kraft", sagt er und hofft auf Synergieeffekte durch den Zusammenschluss der Tourismus-Zentralen von Konstanz, am Untersee und im Hegau. "Es geht doch um die Vermarktung einer Raumschaft nach außen hin", so Häusler.

Jörg Unger, Geschäftsführer von Hegau-Tourismus in Singen, verweist darauf, dass der Verein Hegau-Tourismus künftig sein Aufgabenfeld neu organisieren muss. "Es geht darum, die Kernthemen sinnvoll aufzuteilen", so Unger. Doch er weiß auch, dass der bisherige Verein zwar offiziell bestehen bleibt, ohne finanzielle Mittel künftig aber kaum noch Schlagkraft entwickeln kann. Die Mitgliedsbeiträge fließen ab kommendem Jahr in die neue Organisation. "Es geht darum, die Kräfte zu bündeln." Rupert Metzler, Bürgermeister von Hilzingen, sieht in der künftigen Zusammenarbeit den zwingend notwendigen ersten Schritt. "Der Bodensee ist das große Thema", lautet seine Erkenntnis. Nun gehe es darum, die kleine Pflanze Tourismus gemeinsam zu hegen und zu pflegen. Ziel müsse sein, mehr Touristen in den Hegau zu locken, argumentiert Tengens Bürgermeister Marian Schreier, der gemeinsam mit Singens OB die Hegauer Interessen im Vereinsvorstand vertreten soll.

"Wenn die Tourismusvereine von Untersee und Konstanz alleine zusammengehen, wird der Hegau abgehängt", begründet Ralf Baumert, Bürgermeister von Rielasingen-Worblingen, die Kooperation. Jetzt gehe es darum, darauf zu achten, dass dabei keiner hinten runter falle. "Wir agieren auf Augenhöhe", betont auch der Steißlinger Bürgermeister Artur Ostermaier. Die Seeanrainer sind seiner Ansicht nach auf den Hegau angewiesen, da die Zahl der Feriengäste, die neben dem Wasser auch Natur erleben wollen, ansteige. Gemeinsam entstehe mehr Effizienz. "Und so stärken wir dem Hegau den Rücken", zeigt er sich überzeugt.

Wie viel von dem neuen Schwung, den die Gründung auf dem Hohentwiel transportieren soll, in die tägliche Arbeit fließen kann, muss sich erst noch zeigen. Das weiß auch Eric Thiel, aber er glaubt fest an die Chance. Und er hat auch ein Beispiel. Das Thema Cluburlaub, Resort oder Feriendorf werde immer wieder an Konstanz herangetragen – doch auf Konstanzer Gebiet gibt es für so etwas schlicht keinen Platz. Wie schön wäre es, sinniert der Konstanzer Marketing-Mann, wenn künftig eine geeinte Stimme des Tourismus zu einer solchen Anfrage nicht Nein sagen müsste, sondern eine Chance ergreifen könnte. Das sei es, wofür er sich als künftiger Geschäftsführer des neuen Verbands einsetzen wolle – auf 400-Euro-Basis, wie Thiel betont.

Geld und Gesellschafter

  • Die Vorstellung: Zur Präsentation werden Landrat Frank Hämmerle, die Oberbürgermeister Uli Burchardt, Bernd Häusler, Martin Staab und viele weitere Bürgermeister aus der Region erwartet. Ziel sei, so formulieren es die Beteiligten, ein Tourismusmarketing mit klaren Strukturen, gemeinsamem Budget, klarer Aufgabenteilung und gemeinsamer Strategie zu positionieren.
  • Die Finanzen: Mit rund 715 000 Euro Jahresbudget wird kalkuliert. Etwa 210 000 Euro soll über Sponsoring und Zusatzaufträge erwirtschaftet werden. Der Kreis finanziert 250 000 Euro, Fördermittel werden mit rund 50 000 Euro kalkuliert, 90 000 Euro kommen von Hegau-Tourismus, 120 000 Euro vom Unterseeverband Bodensee-West-Tourismus.