Im Jahr 2017 sind 123 abgelehnte Asylbewerber aus dem Landkreis Konstanz in ihre Heimatländer abgeschoben worden. Das sind 52 Prozent mehr als im Vorjahr (2016: 86 Abschiebungen). Im ersten Quartal 2018 wurden 25 Personen aus dem Kreisgebiet abgeschoben. Über die Entwicklung informierte das federführende Regierungspräsidium Karlsruhe auf Anfrage dieser Zeitung. Bevorzugte Zielorte waren im Jahr 2016 Balkanstaaten, Afghanistan war nicht dabei, wie die Behörde weiter informierte. Die Balkanstaaten gelten seit 2015 als sichere Herkunftsländer. Auch im Jahr 2017 und in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres dürfte die Mehrzahl der Ausreisepflichtigen in Balkanländer zurückgeschickt worden sein, so hieß es. Eine detaillierte Auskunft war kurzfristig nicht möglich.

Unterdessen strahlen Unsicherheiten des Aufenthaltrechts auch auf die regionale Wirtschaft aus. Anfang April berichtete diese Zeitung über junge Asylbewerber aus Afrika. Die Auszubildenden bei einer Tuttlinger Baufirma kamen von einem auf den anderen Tag nicht mehr zur Arbeit, offenbar befürchteten sie, abgeschoben zu werden. Der Präsident der Handwerkskammer Konstanz (HWK), Gotthard Reiner, verweist in einer Stellungnahme auf eine Übereinkunft, wonach in der Ausbildung niemand von Abschiebung bedroht sein sollte.

Es führe immer wieder zu Verunsicherungen, wenn bei Anfragen der Wirtschaft keine klaren Aussagen seitens der Ausländerbehörden getroffen werden könnten. Flüchtlinge sind unabhängig vom Aufenthaltsstatus für das Handwerk inzwischen eine feste Größe. "Rund 200 geflüchtete Menschen absolvieren in unserem Kammerbezirk eine handwerkliche Ausbildung. Sie sind für viele Betriebe eine wichtige Stütze geworden und meist gut ins Team integriert", so der HWK-Präsident. Hier werde von vielen Handwerksunternehmern Großartiges geleistet. Sie begleiteten die Geflüchteten nicht nur bei der Arbeit, sondern auch durch ihren Alltag. Die Kammer biete zudem zusätzlichen Grundlagenunterricht für Flüchtlinge an.