Sie wollen nicht nur gemeinsam feiern, weil sie ähnliche Ziele haben. Vor allem wollen sie ein Zeichen setzen: Den 1. Mai, den Tag der Arbeit, begehen deutsche und schweizerische Gewerkschafter demonstrativ grenzübergreifend mit einer gemeinsamen Maifeier. Für den 1. Mai, 9.45 Uhr, laden sie zum Treffen am Hauptzoll ein, um dann einen Marsch zur Veranstaltungshalle Dreispitz in Kreuzlingen zu machen. In dessen Saal wird um 11 Uhr die Maifeier eröffnet.

"Für rechtsextreme Hetze darf kein Platz sein"

Das gemeinsame Feiern soll eine politische Botschaft sein in Zeiten, in denen die AfD im Bundestag und im baden-württembergischen Landtag sitzt und die rechtspopulistische SVP im Thurgau sehr stark ist. „Wir leben in Zeiten, in denen Rechtspopulisten versuchen, Keile zu treiben zwischen Einheimische und Ausländer, zwischen Alt und Jung“, sagt Jens Liedtke, Regionssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Es gelte, ein Zeichen zu setzen für rechts- und sozialstaatliche Demokratie: „Für Rassismus und rechtsextreme Hetze darf kein Platz sein“, schreibt er in einer Presseerklärung des DGB.

Gewerkschafter kritisieren Wohnungsnot und Tarifflucht

Auch andere Themen „beschäftigen uns beide, zum Beispiel die Wohnungsnot“, erklärte Liedtke nun bei einem gemeinsamen Pressetermin der Veranstalter. Auch das Thema Tarifflucht sei beiderseits der Grenze ein wachsendes Problem. „Es ärgert uns hochgradig, dass es in Baden-Württemberg immer mehr Unternehmen gibt, die Tarifflucht begehen“, sagt Liedtke. „Sie sind Mitglieder in Arbeitgeberverbänden – aber dann ohne Tarifbindung, also mit dem o.T.-Modell.“ Die Forderung der Gewerkschafter: „Damit muss Schluss sein, qua Gesetz: Wer Mitglied im Arbeitgeberverband ist, muss in den Tarif rein.“ Auch Dino Lioi vom Gewerkschaftsbund Kreuzlingen meint: „In der Schweiz unterschreiben viele Unternehmen die Tarifverträge nicht mehr, vor allem in der Metallbranche.“ Auch für den Erhalt der Arbeitszeitgesetze wollen die Gewerkschafter am 1. Mai demonstrieren. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gebe es in gleichem Maße Bestrebungen, die Vorschriften auszuhöhlen.

Konstanzer Jusos mit im Boot

Redner bei der Maifeier werden sein: Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizer Gewerkschaftsbunds, Dominik Gaugler, beim DGB Baden-Württemberg Experte für den Öffentlichen Dienst, und Beat Schenk von den Jungsozialisten (Jusos) Thurgau. Auch die Konstanzer Jusos beteiligen sich an der Feier. „Wir rechnen mit etwa 300 bis 400 Besuchern“, sagt Lioi.

Traditionsreiche Maifeier auch in Singen

Auch in Singen gibt es am 1. Mai eine Maifeier. Sie dürfte noch größer ausfallen. Sie beginnt um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche. Von dort aus beginnt um 10.15 Uhr der Maiumzug zur Scheffelhalle. Hauptredner ist Christoph Ehlscheid, Sozialpolitik-Experte bei der IG Metall. Es treten das Blasorchester der Stadt Singen und weitere Bands und Artisten auf. Die Singener Maifeier ist als Familienfest mit Kinderprogramm konzipiert.