Kreis Konstanz – Wenn Menschen krank sind, gehen sie zum Arzt. Wenn es Pflanzen nicht gut geht, brauchen auch sie Hilfe. Die muss aber nicht zwingend in Form einer Chemiekeule über sie gegossen werden. Genau wie beim Menschen helfen den grünen Lebewesen auch natürliche Produkte. Die Konstanzer Firma Bioplant Naturverfahren stellt homöopathische Pflanzenstärkungsmittel her, basierend auf natürlichen Mineralien und Spurenelementen, die verdünnt und geschüttelt werden. "Mit diesen Stärkungsmitteln wachsen die Pflanzen besser, werden weniger mit Schädlingen befallen, der Einsatz von Düngemitteln kann um etwa 20 Prozent reduziert werden und die Pflanzen sind resistenter gegen Stress", zählt Bioplant-Geschäftsführer Rolf Würthle auf.

Stress bei Grünzeug? "Das kann Staunässe sein, Trockenheit, Umweltgifte oder zu viel Salz im Boden", erklärt Maria Borlinghaus, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Konstanzer Firma. Sie machte die Versuchspflanzen bewusst krank, um anschließend die Wirkung der homöopathischen Mittel zu testen. Die Ergebnisse waren positiv, doch damit gaben die Mitarbeiter sich nicht zufrieden. "Wir wollten genauer wissen, wie die Stärkungsmittel wirken, denn immer wieder sagen Menschen, die Homöopathie tauge nichts", begründet Rolf Würthle. Schon sein Vater, ein Drogist und Pharmakaufmann, setzte sich für natürliche Hilfe bei kranken Bäumen ein. "Ende der 70er-Jahre entwickelte er Pflanzenstärkungsmittel im Kampf gegen das Waldsterben", erzählt der Geschäftsführer. Daraus entstand 1984 Bioplant. Nun will Rolf Würthle den Effekten seiner Erzeugnisse auf den Grund gehen.

Ein Schlüsselbegriff sind dabei die Endophyten. Diese Pilze oder Bakterien wachsen unauffällig im Inneren der Wirtspflanzen und können je nach Menge positive oder negative Auswirkungen auf deren Gesundheit haben. Die einzelnen Mechanismen sind noch weitgehend unbekannt.

Da das kleine Unternehmen Bioplant weitergehende Forschung nicht allein bewerkstelligen konnte, benötigte es Hilfe von außen. Michael Statnik, Projektleiter Kommunikation beim Bodensee-Netzwerk Biolago, stellte den Kontakt zu Michael Ernst vom Konstanzer Büro für Biologisch-Ökologische Beratung her. "Ich habe meine Dissertation zu endophytischen Pilzen bei Schilf geschrieben und stand Bioplant zwei Jahre lang zur Seite", sagt Ernst. Bis erste Tests stattfinden konnten, waren aufwendige Vorarbeiten nötig: "Ich habe zunächst eine lange Literaturrecherche betrieben und geschaut, bei welchen Pflanzen welche Endophyten nachgewiesen wurden", erzählt Michael Ernst. "Dann habe ich aus rund 20 Pflanzen die geeigneten für Bioplant ausgewählt und Arbeitsanleitungen für Laborversuche erstellt." Rund ein Jahr lang testeten die Mitarbeiter an Gurken, Tomaten und Getreide. Und noch immer behandelt Maria Borlinghaus in einem größeren Experiment Tomatenpflanzen mit Stärkungsmitteln in verschiedenen Konzentrationen und mit Endophyten, eine Kontrollgruppe bleibt sich selbst überlassen. Vieles im Zusammenspiel zwischen Homöopathie, Pflanzen und ihrer Begleitflora ist zwar noch nicht erforscht. Trotzdem oder gerade deshalb blickt Michael Ernst staunend auf die Kraft der Natur: "Die Endophyten machen unter einem Prozent einer Pflanze aus, aber durch bestimmte Prozesse können sie enormen Einfluss auf die Stärkung ihrer Gesundheit haben", sagt der Wissenschaftler.

Die Pflanzenpflege und das Netzwerk

  • Mittel aus der Natur: Konrad Würthle entwickelte einen homöopathischen Komplex, der gesunde Pflanzen stärkt und kranken bei der Erholung hilft. Im Jahr 2000 übernahm sein Sohn Rolf sein Unternehmen Bioplant, das heute acht Mitarbeiter hat. Sein Mittel Biplantol hat nach eigenen Angaben viele Effekte: Es fördert die Nährstoff- und Wasseraufnahme der Pflanzen, optimiert die Bodenstruktur, die Pflanzen sind weniger anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlingen und wachsen besser. Durch regelmäßige Anwendung könne der Einsatz von Spritzmitteln um bis zu 90 Prozent verringert werden. Viele Hobbygärtner und professionelle Zierpflanzenproduzenten nutzen bereits die natürlichen Mittel. Würthle betont: „Sie sind weder Dünger noch Pflanzenschutz und sollten deshalb vorbeugend eingesetzt werden.“ Oder aber nach überstandener Krankheit zur Regeneration.
  • Viele Partner: Das Netzwerk Biolago verknüpft Unternehmen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, also rund um den Bodensee. Mitglied sind 86 Institutionen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften (Life Sciences), darunter alle acht Hochschulen der Region. Bioplant profitierte vom Netzwerk nicht nur durch die Vermittlung eines Wissenschaftlers. „Wir können auch auf sehr teure Geräte zurückgreifen, die andere Biolago-Mitglieder besitzen“, sagt Maria Borlinghaus.
Kirsten Schlüter