Die Windkraftpläne des Kantons Thurgau in Sichtweite des Untersees stoßen beim Landkreis Konstanz auf deutliche Ablehnung. Das zeigt eine Stellungnahme des Landratsamts, die am Montag bekannt wurde und die der Thurgauer Kantonsverwaltung in Frauenfeld zugeleitet wird.

Insbesondere richtet sich die Konstanzer Ablehnung gegen den von Schweizer Seite ins Spiel gebrachten Windkraftstandort Salen-Reutenen auf dem Thurgauer Höhenrücken oberhalb von Steckborn und Salenstein. Das vorgeschlagene Areal in einer Höhenlage von knapp 700 Metern über dem Meeresspiegel liegt acht bis zehn Kilometer von Allensbach entfernt, nur vier Kilometer sogar von der Insel Reichenau und von Gaienhofen. Und die Nähe zur Reichenau ist aus Sicht des Landratsamts ein ganz gravierendes Problem.

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Denn die hohen Windräder mit ihrer deutlich wahrnehmbaren Fernwirkung auf die Umgebung führen zu einer erheblichen Beeinträchtigung der äußeren Gesamterscheinung des Unesco-Weltkulturerbes Insel Reichenau, befürchtet das zuständige Umweltdezernat des Landratsamts. "Insbesondere besteht die Besorgnis, dass die Insel Reichenau hierdurch ihren Status als Unesco-Weltkulturerbe verlieren könnte", heißt es in der Stellungnahme. Die besonderen Kulturdenkmale auf der Insel, zum Beispiel die drei historischen Kirchen, aber auch die geschützten Gesamtanlagen dürften durch die Windräder in Sichtweite "eine erhebliche Beeinträchtigung erfahren", befürchtet man im Landratsamt.

Auch der Tourismus könnte leiden

Von einem Großteil des deutschen Untersee-Ufers seien die sieben am Standort Salen-Reutenen geplanten Windräder sichtbar. Hier bringt das Landratsamt auch touristische Interessen ins Spiel. Die Landschaft des Untersees habe eine wichtige Erholungsfunktion für die Menschen und sei im besonderen Maße touristisch geprägt. Somit seien noch einmal deutlich mehr Menschen durch die Landschaftsbildveränderung mit den bis zu 200 Meter hohen Windturbinen betroffen.

Auf vier DIN A4-Seiten bündelt das Umweltdezernat die Argumente des Landkreises Konstanz. Von sieben potenziellen Standorten für Windkraftanlagen, die der Thurgau zur Diskussion stellt, befänden sich vier in unmittelbarer Nähe des Landkreises Konstanz. Auf zwei sollte nach Lesart des Landkreises Konstanz ganz verzichtet werden: Dies ist neben Salen-Reutenen auch der in 2,5 Kilometer Entfernung von Büsingen gelegene Standort Cholfirst.

Weitere Verfahrensschritte folgen

Landrat Frank Hämmerle verwies darauf, dass im Thurgauer Planungsverfahren weitere Verfahrensschritte folgen, in denen die deutsche Seite ihre Bedenken einbringen könne. Er will sich dafür einsetzen, dass bei dieser Windkraftplanung eine Umweltverträglichkeitsprüfung im grenzüberschreitenden Rahmen (Espoo-Verfahren) angewendet werde. Bei einer solchen Vorgehensweise könnten die Schweizer und die deutsche Seite gemeinsam Kriterien festlegen, die dann geprüft würden. In der Abwägung wäre dann etwa die Frage, ob durch den Bau der Windräder das Weltkulturerbe Insel Reichenau verspielt werden könnte. Mit Blick auf die Interessen der deutschen Kommunen sagte Hämmerle: ""Ich würde auch den Gemeinden empfehlen, eine Stellungnahme abzugeben."