Plötzlich und unerwartet ist am Montagvormittag der weithin bekannte Fasnachts-Star, Mundart-Dichter und Autor Alfred Heizmann gestorben. Die Narrengesellschaft Niederburg, der er seit 1980 angehörte, hat er ebenso geprägt wie die Konstanzer Fasnachts-Szene insgesamt. Geprägt und Werte vermittelt hat er, der 1949 in Wurmlingen geboren wurde, Theologie studierte, seit den 1970er Jahren in Konstanz, respektive auf der Insel Reichenau lebte, nicht nur mehr als 30 Jahre lang als katholischer Religionslehrer an der Berufsschule, sondern auch im Alltag.

Fassungslos und erschüttert sind alle Familienmitglieder, Freunde und Weggefährten  ob des unerwarteten Todes. „Es zieht mir ein Stück weit den Boden unter den Füßen weg“, sagt der junge Niederburg-Präsident Mario Böhler. „Ich bin wirklich traurig“, denn er hat Alfred Heizmann als großväterlichen Freund, ehrlichen und zugleich stets auch kritisch hinterfragenden Ratgeber und einen Menschen, der ihn bestärkte, mehr als geschätzt. „Als katholischer Religionslehrer hatte er ein Grundverständnis, den anderen mit seinen Eigenheiten anzunehmen, denn der liebe Gott hat ihn ja genauso geschaffen“, formuliert Mario Böhler. Alfred Heizmann war naturverbunden. „Bio hat er schon gelebt, als es diesen Begriff des biologischen Anbaus noch gar nicht gab“, so Böhler.    Vor allem aber Heizmanns Gabe, Werte zu vermitteln und sich für andere Menschen einzusetzen, beispielsweise in der Flüchtlingsarbeit, hebt Mario Böhler hervor.

Alfred Heizmann: Mahner für Toleranz

Auch das war Alfred Heizmann: Engagierter Kämpfer für Integration und Flüchtlingsarbeit. Hier ist er bei einem Treffen der Flüchtlingshilfe Reichenau als Zweiter von links mit Veronika Fischer, Matthias Middendorf und Kerstin Mädler zu sehen. Archivbild: Thomas Zoch
Auch das war Alfred Heizmann: Engagierter Kämpfer für Integration und Flüchtlingsarbeit. Hier ist er bei einem Treffen der Flüchtlingshilfe Reichenau als Zweiter von links mit Veronika Fischer, Matthias Middendorf und Kerstin Mädler zu sehen. | Bild: Thomas Zoch

Alfred Heizmann war ein Fasnachter der alten Schule. Er verstand es, die Klaviatur der humoristischen Spielarten perfekt zu beherrschen, wurde ob seiner geschliffenen Verse bewundert und fand stets die passenden Worte. Als Büttenredner hielt er den Menschen den Spiegel vor, allerdings ohne zu verletzen. Und: Seine Reden hatten Substanz, nicht zuletzt dann, wenn er die leisen Töne anstimmte, auf das Unrecht in der Welt hinwies und zu Toleranz und friedlichem Miteinander mahnte. Dass Alfred Heizmann Theologie studiert und mehr als 30 Jahre lang als katholischer Religionslehrer junge Menschen an den Glauben heranführte, war nicht nur in seinen Büttenreden spürbar, sondern in jeder Begegnung: Alfred Heizmann lebte seinen Glauben, ungekünstelt, auf ehrliche Weise.

„Vor ein paar Tagen haben wir uns getroffen und er hat mir seine Rede für den 11.11. vorgetragen“, erzählt Heinz Maser, Ehrenpräsident der Niederburg und Weggefährte von Alfred Heizmann. „Unfassbar. Es ist furchtbar, dass dieser großartige Mensch uns mit nur 68 Jahren verlassen hat. Ich habe es noch nicht verkraftet“, sagt Maser.

Alfred Heizmann war das "Gesicht der Niederburg"

Ehrenrat der Narrengesellschaft Niederburg (hier bei der Fasnachtseröffnung 2014) und ein echter "Solitär", wie ihn sein Weggefährte Gerd Maser bezeichnet: Alfred Heizmann
Ehrenrat der Narrengesellschaft Niederburg (hier bei der Fasnachtseröffnung 2014) und ein echter "Solitär", wie ihn sein Weggefährte Heinz Maser bezeichnet: Alfred Heizmann | Bild: Jörg-Peter Rau

Am 11.11.1980 wurde er in den 13-Rat ernannt, trat zum ersten Mal auf der Bühne im Sankt Johann auf und begeisterte das Publikum mit seinen Bauernregeln. „Nach wenigen Minuten war es wie ein Paukenschlag. Mit seiner Spielfreude hat er die Zuschauer für sich eingenommen“, erinnert sich Maser. „Als mein Vize hat er beinahe zehn  Jahre lang gemeinsam mit uns Ziele entwickelt, um die Narrengesellschaft voranzubringen. Im Jahr 2005 ist er ausgeschieden, wurde Ehrenrat, allerdings als einziger mit Sitz und Stimme“, so Maser über Heizmann, der Zeit seines Lebens mit den höchsten Würden, die in Narrenkreisen vergeben werden, ausgezeichnet wurde. „Er war ein Solitär“, sagt Heinz Maser über seinen Weggefährten. „Mit ihm konnte man über Gott und die Welt philosophieren, denn er war intelligent und belesen, war ein sensibler, nachdenklicher, liebenswerter und liebenswürdiger Mensch mit Charakter und Rückgrat, der mit Herz und Sympathie auf andere zugegangen ist.“         

„Für uns ist es ein harter Schlag und ein herber Verlust“, stellt Mario Böhler fest. Gleich zur närrischen  Tagesordnung kann und will kein Niederbürgler übergehen, denn ihnen ist es „ums Niederbürglerherz so wind und weh“. Deshalb verschiebt die Narrengesellschaft den eigentlich für den 11. November 2017 vorgesehenen Fasnachtsauftakt auf den 6. Januar 2018.  

Die Trauerfeier für Alfred Heizmann findet am Dienstag, 7. November, um 14 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul in Niederzell auf der Insel Reichenau statt. 

Alfred Heizmann: Fasnachts-Urgestein, Religionslehrer, Mensch

Mit dem plötzlichen Tod von Alfred Heizmann am vergangenen Montag hat die Stadt Konstanz, die Insel Reichenau als sein Zuhause und die gesamte Bodenseeregion eine ihrer prägenden Figuren verloren. Nicht nur wegen seiner Bedeutung für die Fasnacht, sondern weit darüber hinaus:

  • Der Zugezogene: Alfred Heizmann wurde 1949 in Wurmlingen im Landkreis Tuttlingen geboren, genau zwei Tage vor dem Beginn der schwäbisch-alemannischen Fasnet am 4. Januar. Nach Konstanz kam er 1974 nach seinem Theologie-Studium als katholischer Religionslehrer und als junger Mann an die Wessenbergschule. Sechs Jahre später zog er auf die Insel Reichenau. Dort arbeitete er auch als Autor und Mundartdichter.
     
  • Der Lehrer und Theologe: Seine Schüler schätzten Alfred Heizmann als Religionslehrer, der sich nicht in Frömmelei verlor, sondern aufrichtig seine Stimme erhob, um Werte wie Toleranz, Nächstenliebe und Gleichbehandlung zu vermitteln. Dazu gehörte auch, sich für die Rechte von Arbeitnehmern einzusetzen. Lange Jahre war Heizmann Vorsitzender der Mitarbeitervertretung für Religionslehrer im Dienst der Erzdiözese Freiburg.
     
  • Das Fasnachts-Urgestein: Alfred Heizmann prägte die Konstanzer (Fernseh)-Fasnacht wie kaum jemand vor oder mit ihm. Er galt als das Gesicht der Liveübertragungen aus dem Konstanzer Konzil im Südwestdeutschen Rundfunk (SWR), später wirkte er auch in weiteren Fasnachtssendungen aus der Bodenseeregion mit. Für die Narrengesellschaft Niederburg war er zwischen 1980 und 2005 Mitglied des Narrenrats, später wurde er Ehrenrat.
     
  • Der Mahner: Heizmann ließ sich den Mund nicht verbieten. Ein jüngeres Beispiel: Mitten in der Flüchtlingsdebatte sagte er 2016 in der Bütt': "Seit der Kölner Silvesternacht gibt's jetzt ein Generalverdacht. Solche Gedanken sind im Kopf so überflüssig wie ein Kropf. Schießt die Pegida auf den Mond, damit sich Raumfahrt wieder lohnt." Es war eine der wenigen Ausnahmen, in denen Alfred Heizmann politisch wurde. Sie brachte ihm wütende Nachrichten aus dem ganzen Land ein. Auch weil ihm das Kümmern um Flüchtlinge eine Herzensangelegenheit war. Heizmann unterstützte unter anderem die Initiative "83: Konstanz integriert". Auf die Protestpost reagierte er auf die ihm eigene Art und dichtete beim Fasnachtsauftakt 2016: "In Dresden geht der Dackel mit der Fackel auf den Wackel."

Sehen Sie nachfolgend den Auftritt von Alfred Heizmann bei der Fernsehfasnacht im Konzil 2017