Konstanz – In Zeiten von Brexit, neuen Wegen der Migration und drängender Klimapolitik war das Wählen selten so wichtig wie in diesem Jahr. Das weiß auch der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen, der über seine sieben Listen für die Kommunalwahlen am 26. Mai abgestimmt und sein Wahlprogramm besprochen hat. Soziales und Integration sollen ganz oben auf der Agenda stehen.

Spitzenkandidaten im Raum Radolfzell und Konstanz

So plädieren die Spitzenkandidatin des Wahlkreises Radolfzell, Zekine Özdemir, und die Kandidatin für den Wahlkreis Konstanz, Allensbach und Reichenau, Christine Kreitmeier, für mehr soziale Verantwortung. Sie möchten sich daher einerseits gegen (Kinder-)Armut und Arbeitslosigkeit, andererseits für bessere Integration durch Bildung und Sprache stark machen. Dafür sei jedoch eine stärkere Unterstützung der wohltätigen Vereine und des Ehrenamts – zum Beispiel mittels einer Kreisbonuscard – unabdingbar. Des Weiteren fordert das Wahlprogramm einen sogenannten interkommunalen Aktionsplan. Dieser soll eine kommunenüberschreitende Zusammenarbeit in den Bemühungen für mehr bezahlbaren Wohnraum garantieren. "Es muss regional zusammengearbeitet werden. Diese Kirchturmpolitik kann so nicht weiter funktionieren", mahnt die Radolfzeller Kandidatin Waltraud Fuchs, die sich besonders eine nachhaltige Stadtentwicklung und eine umweltfreundlichere Mobilität im ÖPNV auf die Fahne geschrieben hat.

Spitzenkandidat im nördlichen Hegau

Auf den Schienen und in der Luft ist das auch Martin Schmeding, Spitzenkandidat des Wahlkreises Engen, Aach, Mühlhausen-Ehingen und Tengen, ein besonderes Anliegen. Als bekennender Bahnfahrer und Mitglied der Bürgerbewegung Finanzwende und Transparency Deutschland, ein Verein gegen deutschlandweite Korruption, interessiert ihn neben Finanzthemen vor allem eine Verbesserung des grenzüberschreitenden Bahnverkehrs – zum Beispiel durch einen internationalen Bodenseeverbund. Auch wolle er sich gegen weitere Lärmbelästigung durch Flugverkehr stark machen.

Spitzenkandidaten im südlichen Hegau

Mobilität könnte künftig auch für Schüler und Azubis günstiger werden. Rege diskutierten die 35 wahlberechtigten Teilnehmer über die im Programm vorgeschlagene Einführung eines kostenlosen oder zumindest umlagefinanzierten Schülertickets. Mehrheitlich stimmten sie dafür, dieses sogar zu einem Bürgerticket auszuweiten. "Wir sollten erreichen wollen, was technologisch machbar ist", betont der Chemiker Mario Hüttenhofer, der zweite Spitzenkandidat des Wahlkreises Singen, Steißlingen und Volkertshausen.

Seine Spitzenpartnerin und Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Singen-Stockach, Dorothea Wehinger, möchte sich mit ihrer Wahl in den Kreistag dagegen verstärkt für Kulturprojekte einsetzen. "Kultur hat über allem eine Berechtigung und muss überall mit rein, weil sie Menschen so viel schenkt.

Spitzenkandidaten auf der Höri und im westlichen Hegau

Das sollte ausgebaut und gestärkt werden", stimmt ihr Andrea Dix aus dem Wahlkreis Gaienhofen, Moos, Öhningen, Rielasingen-Worblingen zu, ihr liegt insbesondere die Denkmalpflege am Herzen.

Auch der Umweltschutz und das Ziel einer grüneren Infrastruktur kommen im Wahlprogramm, durch das die langjährige Mooser Gemeinderätin Anne Overlack führte, nicht zu kurz. Sie selbst kandidiert an erster Stelle für den Raum Gaienhofen, Moos, Öhningen, Rielasingen-Worblingen. Als Listenspitzenmann für ökologisch nachhaltige Landwirtschaft, das Vorantreiben des flächendeckenden Breitbandausbaus sowie dem Einsatz erneuerbarer Energien wählte der Bereich Gottmadingen, Büsingen, Gailingen und Hilzingen den Biologen Rainer Luick, der sich seit 20 Jahren in der Kommunalpolitik und im Kreistag für einen grünen Hegau einsetzt.

Spitzenkandidat im Raum Stockach

Ebenfalls Verantwortung für den ländlichen Raum übernehmen möchte Udo Engelhardt mit dem Versuch "das grüne Pflänzchen in Stockach hochzuhalten", wie er schmunzelnd für seinen Wahlkreis Stockach, Bodman-Ludwigshafen, Eigeltingen, Hohenfels, Mühlingen, Orsingen-Nenzingen erklärt. Mit Fokus auf die Ablachtalbahn schließt er sich weitgehend Luicks ressourcenschonenden Zielen an und möchte sich ergänzend durch sein Engagement für die Singener Tafel und den Verein Kinderchancen Singen gleich seiner Radolfzeller Grünen-Kollegin Özdemir für das Soziale einsetzen.