Wie im Zeitraffer hat sich in dieser Saison die Vegetation im Weinbau entwickelt. Bei hohen Temperaturen reifen die Trauben im Turbotempo. Manche Produzenten erwarten einen großen Jahrgang. Der Winzer Hans Rebholz aus Radolfzell-Liggeringen ist da vorsichtiger. Jahrhundertjahrgang? "Es ist verfrüht, so etwas zu sagen", meint er. Weinbau ist eine komplexe Angelegenheit. Da geht es um Standorte und Böden. Und ums Wetter. Hitze kann sich unterschiedlich auswirken. Rebholz ist besorgt angesichts der anhaltenden Hitze und Trockenheit in diesem Extrem-Sommer.

Bestürzende Trends

Für den Winzer, der an Standorten in Gaienhofen, Weiler und Bohlingen auf 5,5 Hektar Fläche Wein anbaut, sind die klimatischen Veränderungen greifbar: "Wir werden derzeit mit dem Klimawandel für den Bodensee bekannt gemacht." Er verweist auf bestürzende Trends: Die Durchschnittstemperaturen steigen, die Niederschläge erfolgen punktueller. Und ein ganz wichtiges Indiz dafür, dass die Dinge im Fluss sind: Die Ernte beginnt zunehmend früher. Laut Rebholz zeigen die Aufzeichnungen, dass die Weinbauern am Bodensee sich heute drei Wochen früher ans Werk machen als vor 30 Jahren. Für das Radolfzeller Weingut fällt der Startschuss Anfang September.

Hitze und Trockenheit setzen Kulturen zu

Doch was ist zu tun angesichts der Entwicklung? Die Bodensee-Stiftung, die Wirtschaftsunternehmen für eine umweltgerechte Entwicklung sensibilisieren möchte, befasst sich seit zwei Jahren in einem Projekt mit der Frage, wie Landwirte sich auf den Klimawandel einstellen können. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass außerordentliche Dürre- und Hitzeperioden wie beispielsweise im Jahr 2018 vielen landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland stark zusetzen. Schäden und Einbußen können die wirtschaftliche Existenz der Bauern bedrohen. Deshalb sollen sie sich fit machen für die sich verändernden Bedingungen.

Im Ackerbau geht es dabei zum Beispiel um vielseitige Fruchtfolgen, die das Risiko von Ertragsausfällen reduzieren. Und es geht um eine Bodenbedeckung (etwa durch Mulchmaterial), die die Bodenfruchtbarkeit erhöhen kann. Kern des Projekts ist aus Sicht der Bodensee-Stiftung die Entwicklung eines sogenannten Klimawandel-Checks, der derzeit auf 126 Pilotbetrieben in Europa angewendet wird. 30 davon sind in Baden-Württemberg angesiedelt, zwei im Landkreis Konstanz.

Bewässerungsanlagen und Hagelnetze

Der Rebholzsche Betrieb ist einer davon. Zugleich ist Rebholz der einzige Winzer, der sich an dem Projekt der Bodensee-Stiftung beteiligt. Von dem, was zu tun ist, hat der Liggeringer schon eine klare Vorstellung. Unter den Weinstöcken müsse man mehr mit Bodenbedeckung arbeiten, um das Wasserhaltervermögen zu erhöhen. Mittelfristig seien sicher Bewässerungsanlagen notwendig. Seitliche Hagelnetze in den Rebanlagen könnten die Trauben vor Hagelschäden schützen. Einrichtung und Betrieb von Bewässerungsanlagen in einem Umfeld, in dem zunächst einmal gar kein Wasser zur Verfügung steht, könnten beträchtliche Investitionen notwendig machen, weiß der Winzer. Und am Ende seien die Möglichkeiten, sich an die Veränderungen anzupassen, doch begrenzt.

Hans Rebholz hat Landwirtschaft studiert und auf beruflichen Stationen in Deutschland und der Schweiz wichtige Kenntnisse und Erfahrungen in Sachen Weinbau gewonnen. Ab 2002 baute er das eigene Weingut auf, das inzwischen gut etabliert ist. Der Klimawandel hält nun neue Herausforderungen für den Winzer bereit.