Die Apfelernte am Bodensee ist bereits vor einigen Wochen angelaufen. Am Donnerstag eröffneten Vertreter der Obstregion Bodensee und der Marktgemeinschaft Bodenseeobst auch offiziell die Apfelsaison. Das Signal an die Verbraucher lautet: Es gibt wieder frisches Obst.

Die Qualität ist top

Die Saisoneröffnung des Vereins der Obstbauern am Bodensee, dem rund 800 Produzenten aus Baden-Württemberg und Bayern angehören, bietet mehr als nur einen Ausblick auf Erntemengen und Apfelqualität. Bei dem Treffen tauschen sich Branchenvertreter auch mit Politikern aus und erklären Volksvertretern und gegebenenfalls anwesenden Regierungsmitgliedern, wo der Schuh im Obstbau drückt. Erich Röhrenbach, Vorsitzender des Vereins Obstregion Bodensee und damit Sprecher der Produzenten, zeigte sich im sommerlichen Ambiente des für die Veranstaltung genutzten Strandbads in Ludwigshafen einerseits sehr zufrieden mit der diesjährigen Ernte. Die Größe der Äpfel sei zwar etwas reduziert, aber die Qualität sei top. Und er sagte: "Sie können sicher sein, dass wir genügend Äpfel haben, um unsere Abnehmer zufriedenzustellen."

Bewässerung in Hitzeperioden

Die Ernte kommt auf Touren: Hier pflückt am Donnerstag Erntehelferin Aleksandra Bednarska im Anbaugebiet bei Friedrichshafen-Ailingen Äpfel der Sorte Gala. Der Verbund der Obstbauregion Bodensee verspricht für diese Saison ausgezeichnete Qualität.
Die Ernte kommt auf Touren: Hier pflückt am Donnerstag Erntehelferin Aleksandra Bednarska im Anbaugebiet bei Friedrichshafen-Ailingen Äpfel der Sorte Gala. Der Verbund der Obstbauregion Bodensee verspricht für diese Saison ausgezeichnete Qualität. | Bild: Heuser, Christoph

Auf der anderen Seite kam Röhrenbach aber auf das Kernproblem zu sprechen. Denn die Apfelwelt ist nicht heil. "Wenn die Wetterbedingungen von 2018 die Regel werden, haben wir ein Problem", so Röhrenbach, der bei Immenstaad selbst einen Obstbaubetrieb bewirtschaftet. Im Zuge des Klimawandels werden gefährlicher Frost und Trockenheitsphasen zunehmen, befürchtet er nach den Erfahrungen dieses und des vorausgegangenen Jahres. 2017 hatten Spätfröste einen Großteil der Apfelblüten vernichtet. Damals half die Landesregierung mit Entschädigungszahlungen aus. Röhrenbach verwies auf hohe Investitionskosten für notwendige Frostberegnungsanlagen und Bewässerung in Hitzeperioden. Dafür wäre es gut, wenn die Obstbauern den Wasserspeicher Bodensee anzapfen könnten. Hier wünscht sich die Branche mehr Kooperationsbereitschaft der Behörden bei entsprechenden Genehmigungsanträgen.

Frostschutzberegnung und Tropfbewässerung

Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im CDU-geführten baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium, signalisierte Zustimmung, was die Ursachen von Extremwetterlagen angeht: "Den Klimawandel kann kein vernünftiger Mensch abstreiten, auch nicht jenseits des Atlantiks." Wetterbedingte Schäden in der Landwirtschaft könnten in Zukunft durchaus häufiger eintreten. Deshalb werde ein betriebliches Risikomanagement benötigt. Frostschutzberegnung und Tropfbewässerung seien sicher wichtig. Gurr-Hirsch sagte allerdings auch: "Der Umgang mit den Risiken ist Aufgabe des landwirtschaftlichen Unternehmers." Die Landesregierung biete zweckgebundene Unterstützung, wie zum Beispiel Frostschadenshilfe im vergangenen Jahr und Finanzhilfen nach Dürreschäden in 2018. Die Landwirte am Bodensee seien mit dem Qualitätsobst besonders gut aufgestellt, der Bodenseeraum sei mit die wichtigste Obstbauregion in Deutschland. Die Gelegenheit zur Lobbyarbeit nutzte Franz-Josef Müller, Präsident des Landesverbands für Erwerbsobstbau. Im Beisein auch des Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen (CDU) und des Landtagsabgeordneten Klaus Hoher (FDP) sagte Müller: "Ich wünsche mir eine Politik mit Biss für diejenigen, die unsere Kulturlandschaft erhalten."

 

Der Biss unserer Region

  • Die Zahlen: Nach Angaben von Geschäftsführer Egon Treyer rechnet die Marktgemeinschaft Bodenseeobst 2018 mit einem Ernteertrag von 260 000 Tonnen Äpfeln. Das sind 195 Prozent mehr als 2017, als Spätfröste während der Apfelblüte vielerorts große Schäden anrichteten. 2016 betrug der Ertrag 230 000 Tonnen. Treyer stuft die Tafeläpfel vom Bodensee in der Ess­qualität auf "höchstes Niveau" ein. Die Äpfel sind allerdings im Durchmesser drei bis vier Millimeter kleiner, was 12 bis 16 Prozent weniger Menge bedeutet. Aus dem Apfelverkauf am deutschen Bodensee ergibt sich bei durchschnittlicher Ernte laut Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee ein Umsatz von 250 Millionen Euro. Hinzu kommen andere Angebotszweige wie zum Beispiel die Saftproduktion.
  • Die Marke: Zum Saisonstart präsentierte die Marketing GmbH von Obst vom Bodensee einen neuen Werbeauftritt. Wurde das Obst vom Bodensee bisher als "in der Sonne gebadet" beworben, heißt es ab sofort: "Obst vom Bodensee: Der Biss unserer Region". Der Slogan lade ein, bei den Früchten herzhaft zuzubeißen, erläuterte Marketingchefin Manuela Heinrich. Und er stehe für das Besondere, das es nur am Bodensee gebe. Für eine Plakatserie seien keine Profimodels engagiert worden, sondern "Leute wie Sie und ich aus der Region". Mit der Kampagne wollen die Vermarkter auch jüngeres Publikum ansprechen.