Hallenklettern in all seinen Facetten lockt zunehmend (junges) Publikum an. Das zeigt sich auch bei Wettbewerben im Kletterwerk Radolfzell, einer Sportstätte des Deutschen Alpenvereins. Der nächste Attraktivitätstest steht am 17. November bevor.

Im Jahr 2020 wird das Sportklettern erstmals Bestandteil des olympischen Wettbewerbs. Bei den Spielen in Tokyo werden sich Aktive in drei verschiedenen Disziplinen messen. Beim sogenannten Lead klettern die Sportler mit Seil in der Kunstwand und versuchen, eine Route möglichst sturzfrei zu absolvieren. Beim Speedklettern entscheidet die Geschwindigkeit über den Sieg und beim Bouldern klettern die Akteure ohne Seil und ungesichert bis zu einer verträglichen Höhe, aus der sie unbeschadet auf dicke Matten abspringen können.

Doch generell scheint der Wettkampfgedanke im Klettersport nicht so sehr verwurzelt wie in anderen Sportarten. "Beim Klettern definiert jeder selbst seine Ziele", erklärt Georg Fleischmann, der Betriebsleiter des Radolfzeller Kletterwerks. Gleichwohl finden in dem ehemaligen Industriegebäude, dass die Sektion Konstanz des Deutschen Alpenvereins im Jahr 2005 zu einer Kletterhalle umbauen ließ, seit mehreren Jahren ebenfalls Kletterwettkämpfe statt.

Wo sich Gegner helfen

"Das sind aber vor allem Spaßwettkämpfe", sagt Fleischmann. Ihm ist es wichtig, dass es locker und kollegial bei den Veranstaltungen im Kletterwerk zugeht. Das kann auch Nimo Frick bestätigen, der seit Jahren im Alpenverein aktiv ist und mittlerweile ebenfalls im Kletterwerk arbeitet. "Hier gibt man sich Tipps und hilft sich gegenseitig, um besser zu werden", berichtet er aus eigener Erfahrung. Dennoch sind Wettkämpfe bei den eigenen Mitgliedern und Gästen aus anderen Sektionen höchst beliebt.

Wer schummelt, der hat nicht verstanden

Am Samstag, 17. November, ist es wieder soweit. Dann findet zum vierten Mal die Werk-out Fun-Session im Kletterwerk statt, bei der sich bis zu 100 Teilnehmer in verschiedenen Kletterdisziplinen messen können. So streng und sportlich wie bei Olympia soll es aber auf keinen Fall in der Radolfzeller Kletterhalle zugehen. In der Qualifikationsrunde füllen die Teilnehmer sogar ihre Laufzettel eigenverantwortlich aus. Wer hier schummelt, ist selbst Schuld und hat das Prinzip nicht wirklich verstanden – soweit die Einschätzung der Veranstalter. Im Finale, das dann am späten Nachmittag stattfinden soll, wird dennoch echter Spitzenklettersport erwartet. "Da kann man sich jede Menge abschauen", sagt Kletterwerk-Betriebsleiter Fleischmann. Das ist laut seiner Auskunft auch ein echter Leckerbissen für Zuschauer, die selbstverständlich gerne am 17. November im Kletterwerk reinschauen können.

Mittlerweile bietet die Einrichtung jährlich vier verschiedene Klettercups an. Im Frühjahr den Kidscup, eine Serie von Kinderwettkämpfen des DAV-Landesverbands und seit diesem Sommer den Cup der Schulen, bei dem Teams verschiedener regionaler Lehranstalten gegeneinander antreten. Zudem veranstaltet das Kletterwerk jährlich zwei Spaßcups: Walls 'n Blocs, der Juniorcup, und die Werk-out Fun-Session, den großen Kletter- und Boulderwettkampf im Herbst, der jetzt bevorsteht. Das Programm beschert dem Alpenverein laut Fleischmann keinen finanziellen Gewinn. Im Gegenteil: Der hohe Aufwand, der betrieben werde, könne durch die Einnahmen nicht gedeckt werden.

Von 4000 auf 10 000 Mitglieder

Gleichwohl sieht Fleischmann die Veranstaltungen als Werbung für den Sport, den DAV und die Kletterhalle selbst. Letztere ist für die DAV-Sektion Konstanz längst zu einem Anziehungspunkt geworden. Während man vor dem Bau des Kletterwerks in der DAV-Sektion (die den Landkreis Konstanz abdeckt) rund 4000 Mitglieder zählte, sind es inzwischen etwa 10 000. Dabei hat sich die Mitgliederschar stark verjüngt. Zunehmend Familien, Kinder und Jugendliche sind gemeldet.