Einsteigen, aussteigen. Ankommen, und zwar am besten pünktlich. Das sind die Bedingungen, die regelmäßige Bahnnutzer vom Zugverkehr erwarten. Eine berechtigte Forderung zahlender Kunden – und keine Selbstverständlichkeit, wenn man die Realität betrachtet. Auf der Seehasstrecke, die die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) zwischen Konstanz und Engen betreibt, klappt das in der Regel ganz gut.

Deshalb will sich die Kreisverwaltung dem Land Baden-Württemberg gegenüber dafür aussprechen, den Vertrag mit der SBB über das Jahr 2020 hinaus zu verlängern, wie aus einer Sitzungsvorlage zu entnehmen ist. "Die Verwaltung bestätigt, dass der Seehas-Verkehr seit der Betriebsübernahme durch die SBB äußerst zufriedenstellend verläuft", heißt es in der Vorlage, "dies kann nicht von allen Schienenstrecken im Landkreis behauptet werden", so der Text weiter.

Darin steckt Lob – für den Seehas und die SBB, und ordentlich Kritik – an der Bahn, die die meisten anderen Strecken im Landkreis betreibt. Wie sehen das die Betreiber selbst? Und was sagen Kunden und der Fahrgastverband Pro Bahn, der mit konstruktiver Kritik die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region begleitet?

Wie Pro Bahn die verschiedenen Strecken beurteilt

Stefan Buhl, Landesvorsitzender von Pro Bahn, mahnt dazu, die einzelnen Strecken differenziert zu betrachten. Beispielsweise stehe auch die Schwarzwaldbahn, die zwischen Konstanz und Offenburg verkehrt, in ihrer Beurteilung ziemlich gut da. "Sie hat allerdings einen entspannten Fahrplan und ein recht einfaches Konzept."

Die meiste Kritik werde an der Bodenseegürtelbahn (Radolfzell – Friedrichshafen) und der Hochrheinstrecke (Basel – Ulm) geäußert: veraltete Züge, die oft überfüllt seien, häufige Verspätungen, schlecht klimatisierte Züge. Durch Überfüllung gebe es weitere Verspätungen. Bei beiden Strecken stimme die Infrastruktur nicht, der Werkstatt in Ulm gelinge es auch nicht überzeugend, die Züge zufriedenstellend zu warten.

Der Seehas wiederum "läuft im Prinzip problemlos", lobt auch Stefan Buhl, er sieht aber noch Verbesserungsmöglichkeiten: "Mit einem etwas ehrgeizigeren Fahrplan könnten die Fahrgäste den ein oder anderen Anschlusszug mehr erreichen", sagt er und meint mit dem ehrgeizigeren Fahrplan schlichtweg schnelleres Fahren. "Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Das Konzept beim Seehas ist stimmig."

Wie die SBB den Erfolg begründet

Die SBB selbst nimmt die positive Beurteilung gelassen zur Kenntnis und verweist auf Kundennähe und darauf, dass man auf ausufernde Bürokratie verzichte: "Als mittelständisches Unternehmen mit lokaler Verankerung und Sitz in Konstanz verfügen wir über kurze Entscheidungswege, sind hautnah am Geschehen", schreibt Franziska Heisler, Marketingleiterin bei der SBB auf Anfrage. Engagierte Mitarbeiter sorgten dafür, dass die Züge pünktlich und sauber unterwegs seien. Darüber hinaus wolle man laufende Vertragsverhandlungen nicht kommentieren.

Was die Deutsche Bahn dazu sagt

Die Deutsche Bahn wiederum nimmt auf genau diese Verhandlungen Bezug: "Wir gehen davon aus, dass auch bei der Neuvergabe der Leistungen des Seehas die Grundsätze des Vergaberechts Anwendung finden. Grundsätzlich begrüßen wir es, dass im Rahmen des Vergabeverfahrens die Qualität als Zuschlagskriterium Berücksichtigung finden soll", lässt das Unternehmen durch eine Sprecherin mitteilen. Zu den Kritikpunkten an den von ihr betriebenen Strecken wie Unpünktlichkeit und veraltetem Zugmaterial gibt es weder eine Erklärung noch einen Kommentar.

Was die Nutzer zum Seehas zu sagen haben

Die Passagiere, die am Wollmatinger Haltepunkt auf den Seehas warten, beurteilen das Verkehrsmittel nüchtern, doch mit Respekt: "Ab und zu hat der Zug Verspätung oder fällt aus und das erfährt man meist zu spät – aber insgesamt passt es", sagt Studentin Ines Schumacher, die regelmäßig von ihren Wohnort Singen an die Uni fährt.

Marc Schütz, 32, der ebenfalls zwischen Singen und Konstanz-Wollmatingen pendelt, ergänzt: "Ich fahre sehr viel mit der Bahn, früher bin ich zwischen Singen und Mannheim gependelt. Jedes zweite Mal war irgendetwas, eine Baustelle, Verspätung, zu kalt oder zu heiß im Zug. Ich habe den Eindruck, mit der SBB funktioniert es sehr viel besser." Beate Hamitou, die ihre Tochter in Schwennigen besucht und sonst eher auf kurzen Strecken Zug fährt, meint: "Ich nutze den Seehas gelegentlich, um in die Stadt oder nach Radolfzell zu fahren. Toll, dass es das Angebot gibt."

Die Bahn im Landkreis

  • Zur Strecke: Das Angebot der Seehas-Strecke liege im Abschnitt Engen – Singen mit 66 Zugpaaren pro Woche über dem Landesstandard, so die Kreisverwaltung. Gefordert sei der Halbstundentakt für Konstanz – Singen, für Singen – Engen gelte dies nur an Werktagen.
  • Zur Vergabe: Die Strecke wird vom Land ausgeschrieben. Seit 2006 leistet der Landkreis einen Zuschuss in Höhe von 800 000 Euro jährlich ans Land. Das Land will die Zusammenarbeit mit der SBB über 2020 hinaus fortführen, nun hat sich die Kreisverwaltung dafür ausgesprochen. Zudem wünscht der Kreis, an den Verhandlungen beteiligt zu werden und will das SBB-Konzept der kostenlosen Fahrrad-Mitnahme umsetzen. Der Kreistag entscheidet am Montag, ob er sich der Empfehlung anschließt.
  • Betreiber: Drei Bahnlinien im Kreis Konstanz werden von der Deutschen Bahn betrieben, die Hochrheinbahn (Ulm-Basel), die Bodenseegürtelbahn (Radolfzell – Friedrichshafen) und die Schwarzwaldbahn (Konstanz–Offenburg). Die Strecke Engen- Konstanz wird von der SBB betrieben, die Hohenzoller­ische Landesbahn (HZL) fährt zwischen Stockach und Radolfzell.