Wenn es um die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern in Zügen geht, gibt es in der erweiterten Bodenseeregion keine einheitliche Regelung.

Die Bestandsaufnahme von Ralf Bendl, Leiter des Amts für Nahverkehr und Straßen beim Landkreis Konstanz, sieht so aus: Auf der Gäubahn Singen-Stuttgart ist die Fahrradmitnahme unentgeltlich. Aber eine Reservierung ist nötig und sie ist kostenpflichtig. Auf der Schwarzwaldbahn ist der Radl-Transport auf dem Abschnitt Konstanz-Donaueschingen kostenpflichtig und ab Donaueschingen kostenfrei.

Und auf der Bodenseegürtelbahn (Radolfzell-Friedrichshafen) beziehungsweise der Hochrheinbahn (Ulm-Basel) dürfen Reisende in den Zügen das Fahrrad ohne Aufpreis mitnehmen. Im Landkreis Konstanz ist die Fahrradmitnahme auf der Seehäsle-Verbindung (Radolfzell-Stockach) kostenlos. Das alles gilt von Montag bis Freitag erst ab 9 Uhr.

Vertrag mit SBB GmbH verlängert

Wie gut, dass es nun perspektivisch betrachtet, eine positive Nachricht aus dem Landkreis Konstanz hinzukommt: Hier zahlen Reisende auf der Seehas-Strecke Konstanz-Engen noch für die Fahrradmitnahme, aber ab Dezember 2020 soll der Service unentgeltlich sein. Und zwar montags bis freitags ab 9 Uhr sowie am Wochenende durchgehend.

Die Regelung ist Bestandteil der Vertragsverlängerung über den Betrieb der S-Bahn-ähnlichen Seehas-Verbindung zwischen Konstanz und Engen, den das baden-württembergische Verkehrsministerium als Auftraggeber der Beförderungsleistung mit der Betriebsgesellschaft, der deutschen SBB GmbH, vereinbart hat. Die SBB GmbH ist hier seit 2005/2006 im Geschäft.

Betrieb bis 2027 in SBB-Regie

Ein Jahr hatte die SBB GmbH mit den Landesvertretern um eine Vertragsverlängerung verhandelt, Ende Juli wurde der Abschluss perfekt gemacht. Damit läuft der Seehas-Betrieb weitere acht Jahre (bis Dezember 2027) in SBB-Regie.

Die Vertragspartner kommentierten die Einigung überaus positiv. „Das ist eine Wertschätzung unserer Leistung und gibt auch Perspektiven für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte Patrick Altenburger, Geschäftsführer der Seehas-Betriebsgesellschaft, gegenüber dieser Zeitung. Verkehrsminister Winfried Hermann verlautete in einer Mitteilung: „Wir sind weiterhin mit der Leistung der SBB (. . .) sehr zufrieden“.

Landkreis zahlt 580 000 Euro

Genugtuung herrscht auch beim Landkreis Konstanz, der flankierend pro Jahr 580 000 Euro zuschießt, um Verkehrsleistungen zu sichern, die das Land nicht finanziert. Im Wesentlichen handelt es sich um die Garantie eines durchgehenden Halb-Stunden-Takts auf dem Streckenabschnitt Singen-Engen.

Dort ist die Fahrgastfrequenz zu bestimmten Tageszeiten nicht so hoch, wie es den Finanzierungsvorgaben des Stuttgarter Verkehrsministeriums entspricht. Landrat Zeno Danner machte deutlich, dass für den Landkreis die einheitliche Bedienung auf allen Strecken wichtig sei.

Platzangebot wird verdoppelt

Um die kostenlose Fahrradmitnahme auf der Seehas-Strecke umsetzen zu können und genügend Platz für den zu erwartenden steigenden Bedarf zu schaffen, muss ein Teil der Züge verlängert werden.

Dies sei aus technischen Gründen erst ab Dezember 2020 möglich, verlautete anlässlich der Vertragsverlängerung. Bis Ende 2020 will die SBB das Platzangebot verdoppeln. Der Seehas soll nur noch mit zwei aneinandergekoppelten Triebwagen fahren. Das bedeutet ein Plus von 83 000 Zugkilometern pro Jahr.

SBB saniert Seehas-Züge

Derzeit investiert die SBB in die Sanierung ihres etwa 15 Jahre alten Fahrzeugbestands. Zug um Zug werden die Triebwagen fit gemacht für die nächsten Einsatzjahre. In den Werkstätten der Schweizerischen Bundesbahnen in Bellinzona erhalten die Triebwagen unter anderem einen neuen Unterbodenschutz.

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Die Arbeiten werden dann im SBB-Reparaturzentrum in Zürich-Altstetten fortgesetzt. Dort werden der Lack der Seehas-Züge aufgefrischt und Schäden beseitigt. Laut Geschäftsführer Altenburger handelt es sich um eine millionenschwere Investition.