Im Falle des Katamaran-Unfalls vom August vergangenen Jahres wird es keine Hauptverhandlung mehr geben. Wie die Staatsanwaltschaft Konstanz auf Anfrage dieser Zeitung informierte, hat der beschuldigte Schiffsführer des Katamarans den gegen ihn erhobenen Vorwurf und die verhängte Sanktion akzeptiert und keinen Einspruch eingelegt. Inzwischen sei die zweiwöchige Einspruchsfrist abgelaufen, so hieß es.

Bei dem Unfall am 12. August 2016 hatte das Fährschiff Katamaran Constanze vor Hagnau bei guten Sichtverhältnissen eine Segeljacht gerammt. Das Segelschiff war binnen kurzer Zeit gesunken. Die beiden Segler, ein Ehepaar aus Konstanz, wurden aus dem Wasser an Deck des Katamarans gehievt und so gerettet. Die Ermittlungsbehörden hatten die Verantwortung für den dramatischen Schiffsunfall dem Steuermann des Katamarans zugeordnet. Der hätte die vorfahrtsberechtige Segeljacht sehen müssen und den Zusammenprall verhindern können. Wegen fahrlässiger Gefährdung des Schiffsverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung erging ein Strafbefehl gegen den Mann. Wie nun bekannt ist, hat er die festgesetzte Geldstrafe von 3600 Euro akzeptiert.

Auch wenn die strafrechtliche Nachbereitung des Schiffsunfalls abgeschlossen ist, gehen die Diskussionen um mögliche Konsequenzen aus dem Ereignis weiter. So will der Bodensee-Segler-Verband (BSVb) auf Regeländerungen für den Katamaran-Betrieb hinwirken. "Für uns ist die Sache im Sinne der Sicherheit auf dem Wasser für unsere mehr als 22 000 Mitglieder damit nicht abgeschlossen", formulierte BSVb-Sprecher Hans Dieter Möhlhenrich. Nach wie vor sei nicht bekannt, wie die Schnellfähre den Segler übersehen konnte und was auf der Brücke geschah. Anscheinend seien ja beide Schiffsführer auf der Brücke gewesen, und auch wenn nur einer mit der verantwortlichen Führung betraut war, sei der Unfall unverständlich. Der Seglerverband werde auf jeden Fall das Gespräch suchen. Details zum weiteren Vorgehen nannte Verbandssprecher Möhlhenrich allerdings nicht.

Auch auf kommunalpolitischer Ebene wird das Thema diskutiert. Die Linke Liste Konstanz (LLK) sieht Regelungsbedarf. Die Linken vermuten, dass die bisherigen Auflagen nicht ausreichen, um solche Unfälle zu verhindern. Sie fordern eine Überprüfung der Bestimmungen für den Katamaran-Fährbetrieb zwischen Konstanz und Friedrichshafen "und zwar unter Einbeziehung aller vom Fährverkehr betroffenen Teilnehmer", wie Anke Schwede, Konstanzer Gemeinderätin der Linken, schreibt. In der Sitzung des Konstanzer Gemeinderats am Donnerstag brachte die Linke Liste einen entsprechenden Antrag ein. Die Zuständigkeit sehen die Linken als gegeben an. Die Stadt Konstanz sei über die Stadtwerke an der Katamaran-Reederei Friedrichshafen beteiligt.

Unfallverhütung ist das Ziel

  • Das will die Linke Liste: Nach Auffassung der Konstanzer Linken soll die Stadt Konstanz Position beziehen, ob die in der wasserrechtlichen Erlaubnis für den Fährbetrieb festgeschriebenen Sicherheitsauflagen überprüft und gegebenenfalls verschärft werden sollen. Eine Forderung wäre, dass der Steuerstand permanent mit zwei qualifizierten Schiffsführern besetzt sein soll. Bisher besteht die Vorgabe nur bei sogenanntem unsichtigen Wetter und bei Dunkelheit im Schnellfahrbereich. Zum Zeitpunkt des Schiffsunfalls waren die Sichtverhältnisse gut.
  • Das sagt das Landratsamt: Die Konstanzer Behörde ist für die wasserrechtliche Genehmigung des Katamaran-Betriebs zuständig. Nach der Bewertung der Ermittlungsergebnisse zum Schiffsunfall vom August 2016 hat das Landratsamt festgestellt, man sehe keinen Grund, die betrieblichen Regelungen zu verschärfen. Unfallursache sei menschliches Versagen des Katamaran-Schiffsführers gewesen. Das Umweltdezernat kommt zum Schluss: Zum Zeitpunkt des Unfalls habe die Reederei alle geltenden Auflagen und Bedingungen eingehalten.
  • Zum Fährbetrieb: Der Katamaran verkehrt im Stundentakt zwischen Konstanz und Friedrichshafen. Zur offiziellen Inbetriebnahme der schnellen Schiffslinie kam am 5. Juli 2005 der damalige Bundespräsident Horst Köhler an den Bodensee. Die Stadtwerke Konstanz und die Technischen Werke Friedrichshafen sind mit je 50 Prozent der Anteile Gesellschafter der Katamaran-Reederei, die über drei Schiffe verfügt. Im Jahr 2016 benutzten knapp 452 000 Fahrgäste die Fährverbindung, wie die Reederei vor einigen Tagen informierte. (fdo)