Konstanz Katamaran-Unfall: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Konstanz sieht im Falle des Katamaran-Unfalls auf dem Bodensee weiteren Ermittlungsbedarf. Noch fehle die Aussage des beteiligten Seglers, so hieß es. Bei Bedarf soll ein Gutachter den Unfallhergang rekonstruieren.

Wer hatte Schuld am Schiffsunfall, bei dem am 12. August vor Hagnau der Katamaran Constanze mit einem Segelboot kollidierte? Die Klärung der Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Zwar hat die Polizei ihre Ermittlungen zu dem Fall abgeschlossen, aber nun liegt der Ball bei der Staatsanwaltschaft in Konstanz. Und der zuständige Mann für Schifffahrtsangelegenheiten dort sieht noch weiteren Untersuchungsbedarf. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Mathy, informierte, fehlen für die Beurteilung des Falls noch wichtige Aussagen zum Unfallhergang.

So liegt noch keine Stellungnahme des betroffenen Seglers vor. Der Mann wurde mit seiner Begleiterin nach dem Zusammenprall aus dem Wasser an Bord des Katamarans gehievt. Das knapp zehn Meter lange Segelschiff brach derweil auseinander und versank in kurzer Zeit im See.

Nach Angaben von Mathy behält sich die Staatsanwaltschaft des Weiteren vor, noch ein Rekonstruktionsgutachten in Auftrag zu geben. Dafür werden die von der Katamaran-Fahrt aufgezeichneten GPS-Daten ausgewertet. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft ließ keinen Zweifel daran, dass unter diesen Voraussetzungen nicht mit raschen Ergebnissen zu rechnen sei. Zunächst müsse ein Gutachter beauftragt werden, und der müsse auch Zeit haben. Unterdessen hat sich auch das Umweltdezernat des Konstanzer Landratsamts mit dem Unfall beschäftigt.

Den Anstoß dafür gab ein Schreiben des Bodensee-Segler-Verbands, in dem gefordert wird, dass bis zur Klärung der Zusammenhänge ein Sicherheitsstandard wieder hergestellt werden müsse, der bei der ersten Erteilung der wasserrechtlichen Konzeption für den Katamaran-Betrieb vorgeschrieben war, dann bei der Konzessionserneuerung aber gelockert worden sei.

Hier ist der Grüne Ball gesetzt: Das Zeichen am Aufbau des Katamarans signalisiert die Vorfahrt des Verkehrsmittels. Vorfahrt gegenüber Freizeitschiffen hat der Katamaran aber nur im Hafenbereich und nicht auf dem See.
Hier ist der Grüne Ball gesetzt: Das Zeichen am Aufbau des Katamarans signalisiert die Vorfahrt des Verkehrsmittels. Vorfahrt gegenüber Freizeitschiffen hat der Katamaran aber nur im Hafenbereich und nicht auf dem See. | Bild: Oliver Hanser (Archivbild)

So fordert der Segler-Verband im Interesse der Sicherheit der Segler zum Beispiel, dass sich außer dem Kapitän stets eine zweite Person mit nautischen Kenntnissen auf der Brücke des Katamarans aufhalten müsse. Das für die Erlaubnis des Fährbetriebs zuständige Konstanzer Landratsamt sieht sich indes noch nicht in der Lage, den Fall zu beurteilen. „Wir müssen zuerst wissen, wie ist der Unfall überhaupt passiert“, sagte Christine Harter, die stellvertretende Leiterin des Kreisamts für Baurecht und Umwelt auf Anfrage dieser Zeitung. In der emotional geführten Debatte um das Schiffsunglück seien Seriosität und Augenmaß nötig.

Entsprechend formal blieb die Antwort des Landratsamts an den Präsidenten des Segler-Verbands, Theo Naef aus Egnach. Man nehme die Sache sehr ernst und werde mögliche Konsequenzen prüfen, so die Behörde. Dafür sei aber zuerst die genaue Aufklärung von Unfallhergang und -ursache notwendig. Man habe Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft beantragt.

Segler-Präsident Naef reagierte enttäuscht. „Im Grunde genommen ist das Landratsamt in keiner Weise auf unsere Forderungen eingegangen“, sagte er. Am Mittwochabend beriet der Vorstand des Seglerverbands über das Thema.

Rechte und Pflichten

Die Zulassung für den Betrieb der Katamaran-Fähre zwischen Konstanz und Friedrichshafen enthält eine Vielzahl von Bestimmungen. Es geht um Fahrtrouten, den Einsatz der Schiffe, Betriebsvorschriften und sicherheitsrelevante Fragen.

Das Landratsamt Konstanz hat im Jahr 2000 erstmals die Zulassung für den Fährebetrieb erteilt. Rechtliche Einsprüche des Bodensee-Segler-Verbands und der Bodensee-Fischer verzögerten aber das Projekt. Im Zuge der Auseinandersetzung machte die Reederei nach Angaben des Landratsamts das Zugeständnis, dass die Vorfahrtsberechtigung des Katamarans nur im Hafenbereich gelten sollte und nicht auf offener Strecke auf dem See.

Erst im Jahr 2005 konnte der Katamaran den Betrieb aufnehmen. Segler-Verbandspräsident Theo Naef zur aktuellen Sicherheitsdiskussion: "Ich stelle fest, viele Leute sprechen über den Unfall und erinnern sich daran, wie sich der Verband gegen den Katamaran-Betrieb gewehrt hat."

 

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