Konstanz Kampf gegen Borkenkäfer im Mainau-Erlebniswald: Netze sollen Bäume schützen

Im Erlebniswald der Mainau werden Fichtenstämme mit engmaschigen Netzen verhüllt. Was auf den ersten Blick wie eine Kunstaktion anmutet, ist in Wirklichkeit ein Einsatz zum Schutz der Nadelbäume vor dem Angriff der Borkenkäfer.

Nein, das ist keine Verhüllungsaktion mit künstlerischem Anspruch. Hier geht es um das nackte Überleben. Und zwar um das Überleben der Fichten im Erlebniswald der Insel Mainau nahe dem Ausflugsplatz St. Katharina. Fichtenbestände in den Waldgebieten am Bodensee und im Hinterland sind in diesem Frühjahr besonders stark vom Borkenkäfer bedroht. Die Baumschädlinge, die zum Beispiel Buchdrucker oder Kupferstecher heißen, bohren sich in die Rinde der Stämme, legen dort ihre Eier ab und ernähren sich vom Bastgewebe. Der Baum stirbt in der Regel ab. Doch wie lässt sich verhindern, dass Borkenkäfer die durch die lange Trockenheit gestressten Fichten angreifen? Im Forstrevier der Mainau wird derzeit für eine kleine Zahl von stattlichen Fichten im Erlebniswald für die Kletterer eine außergewöhnliche Schutzidee realisiert. Die Baumstämme werden sorgsam in sogenannte Erdflohnetze eingepackt.

Die Verhüllung von Fichtenstämmen im Kletterbereich des Erlebnisparks ist eine aufwendige und teure Schutzmethode, wie Theo Straub einräumt. Nach Einschätzung des Forstrevierleiters der Insel Mainau kann sich der Einsatz dennoch lohnen. Denn die Rechnung geht so: Wenn die für den Kletterbetrieb unter anderem mit Plattformen ausgerüsteten Fichten vom Borkenkäfer befallen werden, müssen sie gefällt werden. Dann müssten die Erlebniswaldbetreiber neue Kletterrouten finden und die Anlage umbauen. Und das mitten in der Saison. Möglicherweise müsste die Anlage für den Umbau sogar vorübergehend geschlossen werden.

Derzeit sehr gefürchtet: der Borkenkäfer. Hier krabbelt ein Exemplar des Baumschädlings auf der Rinde einer Fichte.
Derzeit sehr gefürchtet: der Borkenkäfer. Hier krabbelt ein Exemplar des Baumschädlings auf der Rinde einer Fichte. | Bild: Matthias Hiekel, dpa

Mit Blick auf die Verhüllungsaktion sagt Theo Straub: "Der Aufwand ist enorm". Und damit ist das Konzept wohl nicht für eine breite Anwendung in Fichtenbeständen geeignet. Auf der Suche nach Möglichkeiten, den Klettergarten der Mainau gegen die Käferangriffe zu wappnen, hatte Straub die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg kontaktiert. Der Ulmer Hersteller des Texilstoffs liefert das Material rollenweise in passender Breite. Im Wald werden die Netze auf die passende Länge geschnitten. Kletterer des Erlebniswald-Betriebs packen dann die Baumstämme ein. Das braucht seine Zeit. Acht Fichtenstämme sollen geschützt werden.

Eine Alternative zu den Erdflohnetzen sieht Revierleiter Straub nicht. Chemikalieneinsatz gegen Schädlinge sei seit Jahrzehnten tabu. Vor der Gefahr des Borkenkäferbefalls warnt auch das Konstanzer Kreisforstamt. Der unterm Strich zu milde Winter hat die Entwicklung der Schädlinge begünstigt.

Käferalarm inden Wäldern

  • Der Borkenkäfer ist nach Angaben der gemeinnützigen Stiftung Unternehmen Wald einer der gefährlichsten Schädlinge in der Forstwirtschaft. Es gibt unterschiedliche Borkenkäferarten, die unterschiedliche Baumarten befallen, wobei Buchdrucker und Kupferstecher die Fichte befallen. Sie bohren sich in die Rinde der Bäume und legen dort ihre Eier ab. Typisches Kennzeichen sind später die Fraßgänge auf der Innenseite der Rinde. Borkenkäfer kommen auf beträchtliche Vermehrungsraten. Laut Kreisforstamt legt ein Weibchen des Buchdruckers im Verlauf der Vegetationsperiode 100 bis 150 Eier ab. Rechnet man Verluste mit ein, so kann ein Käferweibchen unter günstigen Bedingungen in Jahren mit drei Jungkäfergenerationen und zwei Geschwisterbruten mehr als 100 000 Nachkommen erzeugen.
  • Die Bedingungen: Weil der Winter eher mild war, sei der Borkenkäfer-Bestand in diesem Frühjahr bereits relativ hoch, informiert Kreisforstamtsleiterin Anja Peck. Die weitere Entwicklung der Schädlinge hänge nun vom Witterungsverlauf ab. Sobald die Temperaturen tagsüber auf mindestens 16 Grad steigen und der Boden sich erwärmt, schwärmen Jungkäfer aus und suchen sich Brutbäume.
  • Die Vorsichtsmaßnahmen: "Es besteht kein Grund zur Panik, aber es ist Zeit zu handeln", sagt die Forstamtsleiterin. Handeln müssen die Waldbesitzer. Sie sind zu Wachsamkeit und Kontrollen aufgerufen. Das Kreisforstamt hat an private Waldbesitzer appelliert, Sturmholz rasch aufzuarbeiten und aus dem Wald abzutransportieren. In umgefallenen oder gebrochenen Fichtenstämmen findet der Borkenkäfer ideale Brutbedingungen. Das Forstamt schätzt, dass über die Wintermonate rund 3000 Festmeter Sturmholz angefallen sind.
  • Die Bäume im Stress: Mainau-Forstrevierleiter Theo Straub verweist auf die Folgen der Trockenheit in den Wintermonaten. Wegen des Niederschlagsdefizits habe sich kein Grundwasser bilden können. Straub spricht von wüstenähnlichen Verhältnissen. Wenn Bäume wie die Fichte infolge der Wetterbedingungen in Stress gerieten, seien sie auch anfälliger für den Borkenkäferbefall, erklärt Straub.

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