Nein, von Guerilla-Methoden im Wahlkampf ist in Volker Kauders Rede nichts zu hören. Diese moderne Art der Wahlkampfmethoden ist nicht sein Ding. Der Vorsitzende des CDU/CSU-Fraktion im Bundestag bevorzugt das klassische Säbelwetzen mit dem politischen Gegner. Das zeigte Kauders Rede vor den Mitgliedern der Jungen Union des Bezirks Südbaden im voll besetzten Saal des Bürgerhauses Adler-Post in Stockach am Samstag. Der Vortrag stand unter der Überschrift „Kämpfen für Stabilität und Generationengerechtigkeit“.

Obwohl der Bundestagswahlkampf erst richtig beginnt, scheint Kauder schon in Form zu sein. Er sprach in seiner 90-minütigen Rede so ziemlich alle Politikfelder an, die es in einem Wahlkampf zu beackern gilt. Beim Thema Türkei fordert er europäische Einstimmigkeit und verlangt mehr Aktivität seitens des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel. In Fahrt kam Kauder, wenn er von Bundeskanzlerin Merkel sprach. „Sie ist die einzige, die Deutschland in diesen schwierigen Zeiten führen kann. In Tagen wie diesen“, hier spielte er auf einen Song der Toten Hosen an, den er einmal in einer Bundestagsrede zitierte, „braucht es eine Kanzlerin, die mit Ruhe und Gelassenheit an die Probleme herangeht“, eine Passage, die seitens der Anwesenden mit starkem Beifall bedacht wurde. Die CDU sei eine pragmatische Partei, die für die Opposition nicht geeignet sei, dafür eigneten sich die ideologischen Parteien wie SPD und Grüne besser.

Sie wollen für die CDU Akzente setzen (v. l. ): JU-Kreisvorsitzender Levin Eisenmann, CDU-Bezirksvorstandsmitglied Kordula Kovac, der Stockacher JU-Vorsitzende Simon Mai, Volker Kauder, Chef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, JU-Bezirksvorsitzender Yannick Bury, Martin Numberger, stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union und Bundestagsabgeordneter Andreas Jung.
Sie wollen für die CDU Akzente setzen (v. l. ): JU-Kreisvorsitzender Levin Eisenmann, CDU-Bezirksvorstandsmitglied Kordula Kovac, der Stockacher JU-Vorsitzende Simon Mai, Volker Kauder, Chef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, JU-Bezirksvorsitzender Yannick Bury, Martin Numberger, stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union und Bundestagsabgeordneter Andreas Jung. | Bild: Antje Rehling

Kauder forderte seine Zuhörer von der CDU-Jugendorganisation auf, im Wahlkampf nicht die Leute zu belehren, sondern sie aufzufordern, ihre Chancen und Gelegenheiten wahrzunehmen und zu nutzen. Er schloss er seine Rede mit dem Satz: „Angela Merkel und die Union sind die Garanten dafür, dass es in diesem Land weiter aufwärts geht.“ In einer Fragerunde ging es dann um bezahlbaren Wohnraum, um das Thema Bildung und das Gesundheitswesen. „Wir müssen in der Bildungspolitik mehr dafür tun, dass junge Leute eine Berufsausbildung machen und ihr Heil nicht nur in Abitur und Studium sehen“, sagte Kauder.

CDU-Bundestagsabgeordneter Andreas Jung ging in seiner Rede besonders auf das deutsch-französische Verhältnis ein. „Wir haben mit der Wahl Macrons unverschämtes Glück“, so Jung. Mit jedem anderen Wahlausgang in Frankreich wäre laut Jung Europa baden gegangen, denn die Alternativen wären die extremen Rechten oder extremen Linken gewesen, die beide Europa ablehnen. Macron habe die dringende Notwendigkeit von Reformen erkannt, um dem Radikalismus den Boden zu entziehen. „Dabei müssen wir Macron unterstützen, denn wenn Frankreich – wie England bereits – wegbricht, fehlt uns der wichtigste Partner beim Voranbringen der europäischen Idee.“

Plaudern mit Hauptredner Volker Kauder (rechts): Stockachs CDU-Ortsvorsitzender Werner Gaiser, Altbürgermeister Franz Ziwey, CDU-Bezirksvorsitzender Andreas Jung (v. l.).
Plaudern mit Hauptredner Volker Kauder (rechts): Stockachs CDU-Ortsvorsitzender Werner Gaiser, Altbürgermeister Franz Ziwey, CDU-Bezirksvorsitzender Andreas Jung (v. l.). | Bild: Antje Rehling

Der Bezirksverband der Jungen Union verabschiedete bei seinem Treffen in Stockach einen Leitantrag. Der Titel: „Südbaden 2030 – unser Programm für einen modernen Bezirk.“ Vier Handlungsfelder stehen im Mittelpunkt. Schwerpunkte werden gesetzt bei Digitalisierung, Bildung und Wirtschaft. Einen breiten Raum nimmt das Kapitel Innere Sicherheit und Integration ein, in welchem die JU den Vorschlag der Bundesregierung unterstützt, wonach Handys auch gegen den Willen der Betroffenen direkt durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ausgelesen werden können, um die Identität von Migranten zu klären.

Der Stockacher JU-Ortsvorsitzende Simon Mai stellte die Kampagne der JU zur Bundestagswahl vor. Er erklärte auch, wie das sogenannte Guerilla-Marketing funktionieren kann. Das Konzept gehe auf den Marketing-Experten Jay C. Levinson zurück. Ziel sei es, mit sehr geringem Ressourceneinsatz große Wirkung zu erzielen. Dazu gehört laut Mai zum Beispiel: Mit Sprühkreide werden prägnante Slogans auf Gehwege und Plätze gesprüht. Oder: Ein Wahlkämpfer, der mit einem mobilen Beamer ausgerüstet ist, projiziert am Abend Wahlwerbung an Hauswände .

 

Zehn Kreisverbände, 1700 Mitglieder

  • Der Bezirksverband der Jungen Union Südbaden besteht aus zehn Kreisverbänden und hat derzeit nach eigenen Angaben etwa 1700 Mitglieder. Der Kreisverband Konstanz, dessen Vorsitzender Levin Eisenmann ist, besteht aus fünf Ortsverbänden. „Wir haben den diesjährigen Bezirkstag nach Stockach gelegt, weil Stockach ein sehr aktiver Verband ist und sich das Bürgerhaus Adler-Post als idealer Tagungsort angeboten hat“, erklärt Yannick Bury, JU-Bezirksvorsitzender aus Emmendingen.
  • Der JU-Ortsverband Stockach der Junge Union war Gastgeber des Bezirkstags. Der Ortsverband wurde in den 1950er Jahren von Hans-Günther Beurer, Benno Fischer und Hubert Lang gegründet. Nach längerer Unterbrechung der Aktivitäten erfolgte 1969 die Neugründung. Gründungsmitglieder waren Hubert Steinmann, der heutige Vorsitzende des Krankenhausfördervereins, Heinz Martin, langjähriges Mitglied der Kolpingfamilie, sowie Karl-Heinz Böker, der zum Vorsitzenden gewählt wurde. Hubert Steinmann erinnert sich noch sehr genau an eine "Riesen Veranstaltung" im Jahr 1972. Damals hatte die JU eine Diskussion mit vier Medaillengewinnern der Olympiade in München organisiert. Dabei waren die Leichtathletinnen Heide Rosendahl, Heidi Schüller, Ingrid Mickler-Becker und der Ringer Adolf Seeger.