Der Konstanzer Kreisjugendring ist im Bemühen um politische Willensbildung vor der Bundestagswahl im September in einer Vorreiterrolle. Als erster Veranstalter hat die Interessenvertretung der Jugendverbände im Landkreis Konstanz eine Podiumsdiskussion mit Kandidaten angekündigt. Die Veranstaltung soll am 19. Juli in Radolfzell stattfinden.

Eingeladen wurden nach Angaben von Heike Eigenbrodt, der Bildungsreferentin des Kreisjugendrings, neben Andreas Jung (CDU), Tobias Volz (SPD), Martin Schmeding (Grüne), Tassilo Richter (FDP) und Simon Pschorr (Linke) auch der AfD-Bewerber Walter Schwaebsch. Die Einladung des Vertreters der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland sei aus Gleichstellungsgrundsätzen erfolgt, so erläuterte Eigenbrodt auf Anfrage. Auch in den vergangenen Jahren hatte der Kreisjugendring bereits mit Veranstaltungen zur Politik Signale gesetzt. So organisierte der Verband im Frühjahr 2016 eine Podiumsdiskussion mit den frisch gewählten Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Konstanz, um deren Positionen in der Jugendarbeit abzufragen. Auch damals war der Vertreter der AfD dabei.

Fünf der sechs Kandidaten haben ihre Teilnahme an dem Podiumsgespräch bereits fest zugesagt. Allein der AfD-Kandidat Walter Schwaebsch habe bisher noch nicht auf die Einladung reagiert, wie die Bildungsreferentin des Kreisjugendrings informierte. In der Podiumsdiskussion sollen laut Eigenbrodt Themen angesprochen werden, "die Jugendliche auch interessieren". Derzeit hole der Kreisjugendring beim Zielpublikum Meinungen ein. Sicher scheint, dass die Kandidaten Vorschläge präsentieren sollen, wie im Landkreis mehr Angebote für junge Menschen geschaffen werden können. Eigenbrodt geht aber auch davon aus, dass überregionale Themen eine Rolle spielen werden. Auch für Jugendliche sei von Interesse, welche Positionen die Bundestagskandidaten beispielsweise in der Asylpolitik oder bei Frauenrechten vertreten. Für die jungen Besucher soll bei der Veranstaltung die Möglichkeit bestehen, selbst Fragen an die Politiker zu stellen.

Der Kreisjugendring befindet sich derzeit personell in einer Umbruchphase. Die im April 2016 für zwei Jahre gewählte Vorsitzende Rebecca Lauer und ihr Stellvertreter Andreas Fink haben die Kommandobrücke aus familiären beziehungsweise beruflichen Gründen vorzeitig verlassen. Bei der Jahresversammlung des Kreisjugendrings vor wenigen Wochen fanden sich keine Bewerber für die Führungsposten. Die getroffene Übereinkunft sieht vor, dass Finanzverwalter Manuel Walter vorübergehend kommissarisch die Geschäfte führt und dabei von zwei wechselnden Personen aus dem erweiterten Vorstand unterstützt wird. Walter sprach gegenüber dieser Zeitung von einer "nicht sehr guten Situation". Spätestens bei der nächsten regulären Jahresversammlung im Mai 2018 sollen die wichtigen Vorstandsposten wieder besetzt werden.

Noch vor den Sommerferien will der Kreisjugendring das neue Fortbildungsprogramm präsentieren. Nach Angaben der Bildungsbeauftragten geht es darin unter anderem um Geld: nämlich um Hilfestellung bei Finanzierungsanträgen in der Jugendarbeit.


Veranstalter und Termin

  • Der Kreisjugendring vertritt die Interessen der Jugendverbände im Landkreis Konstanz. 19 Organisationen sind Mitglied in der Vereinigung. Dazu zählen Jugendorganisationen der politischen Parteien, der Gewerkschaften und der Umweltverbände ebenso wie konfessionelle Jugendverbände, soziale Verbände und die Gewerkschaftsjugend.
  • Die Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl findet am Mittwoch, 19. Juli, in Radolfzell statt. Veranstaltungsbeginn im Jugendkulturzentrum Bokle ist um 19 Uhr.