Eine gute und eine schlechte Neuigkeit gibt es beim Ausbau der B 33 zwischen Konstanz und Allensbach. Die Gute: Die Abschnitte A und B, vom früheren Ausbauende westlich von Allensbach bis fast zum Allensbacher Anschluss Mitte, sind nun komplett fertiggestellt und vierspurig befahrbar. Insgesamt sind das 3,4 Kilometer neue Straße, etwa die Hälfte davon hatte die Neubauleitung Singen schon vor einem Jahr für den Verkehr freigegeben. Die schlechte Nachricht: Das Bundesverkehrsministerium hat die Baukostenberechnung fortgeschrieben und kommt nun auf horrende 408 Millionen Euro für den kompletten Ausbau der knapp elf Kilometer langen Trasse.

Die Holzgassenbrücke führt über die B33. Dort können Radfahrer die B33 bei Allensbach gefahrlos überqueren.
Die Holzgassenbrücke führt über die B33. Dort können Radfahrer die B33 bei Allensbach gefahrlos überqueren. | Bild: Zoch, Thomas

Warum der Bau so viel teurer geworden ist

Diese aktuelle Summe nannte Steffen Bilger, Staatssekretär im Bundesministerium, im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Vor einem Jahr beim Spatenstich für den Tunnel bei der Waldsiedlung hatten er und andere Politiker noch von 240 Millionen Euro geredet, wobei damals schon klar war, dass diese Zahl überholt war. Als Hauptgründe für die nun berechnete Summe nannte Bilger, dass der Baupreisindex enorm gestiegen sei. Weitere Bodenuntersuchungen hätten gezeigt, dass der Baugrund sehr schwierig sei. Laut Neubauleitung ist dieser bei Hegne am schlechtesten, wo ab 2022 ein Tunnel geplant ist.

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Bei der offiziellen Freigabe des B 33-Teilstücks bei Allensbach nach gut vier Jahren Bauzeit am gestrigen Freitag, überwog dennoch die Feierlaune unter den Politikern aus Bund, Land und der Region sowie Vertretern der Neubauleitung und von Institutionen wie dem Kloster Hegne und der Schmieder-Klinik. Zumal die Fertigstellung ursprünglich erst im Oktober 2020 geplant war. Immerhin für diesen Abschnitt habe man mit 27 Millionen Euro im Kostenrahmen bleiben können, erklärte Neubauleiterin Yvonne Guduscheit. Trotz der stark gestiegenen Kosten sagte Bilger in seinem Grußwort: „Die Mittel stehen aus heutiger Sicht auch in der Zukunft zur Verfügung. Das ist gut angelegtes Geld. Es ist ein Tag der Freude.“ Der zunehmende Verkehr und die damit verbundene Belastung habe diese Baumaßnahme unverzichtbar gemacht. Mobilität sei wichtig, um Wohlstand zu erhalten. Und mit dem Ausbau werde auch etwas für mehr Verkehrssicherheit getan.

Trassen entlasten Ortschaften

Landesverkehrsminister Winfried Hermann sagte, es sei wichtig, den Verkehr auf solchen Trassen zu bündeln, um Ortschaften zu entlasten. Doch zugleich sei es wichtig, bei einem solch „massiven Eingriff in die Landschaft“ für einen ökologischen Ausgleich zu sorgen. Dies geschehe hier und sei im Straßenbau mittlerweile selbstverständlich. Zur Verkehrspolitik gehöre aber auch der Ausbau der Bahn.

Zur Freigabe der B 33-Abschnitte A und B bei Allensbach waren Politiker aus Bund, Land und Region sowie Vertreter der Neubauleitung, des Regierungspräsidiums und von Institutionen wie Kloster Hegne und Schmieder-Klinik gekommen.
Zur Freigabe der B 33-Abschnitte A und B bei Allensbach waren Politiker aus Bund, Land und Region sowie Vertreter der Neubauleitung, des Regierungspräsidiums und von Institutionen wie Kloster Hegne und Schmieder-Klinik gekommen. | Bild: Zoch, Thomas

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer meinte zum B 33-Ausbau: „Wir können wahrhaftig von einem Jahrhundertprojekt sprechen.“ Sie nannte die Fertigstellung dieses Abschnitts in „Rekordzeit“ einen Meilenstein. Abgeordnete wie Andreas Jung sowie Kommunalpolitiker wie Alt-Landrat Frank Hämmerle und Allensbachs Alt-Bürgermeister Helmut Kennerknecht hätten zusammen mit anderen parteiübergreifend jahrelang für diesen Ausbau gekämpft. Dass der Bau immer so schnell gehe wie bei diesem Abschnitt, könne man nicht erwarten, aber: „Es geht nahtlos weiter“, sagt Schäfer. Für den Umbau des Allensbacher Verkehrsknoten Mitte sei bereits der erste Arbeitsauftrag vergeben.

Eine Baustelle beendet, wo anders geht es weiter

Andreas Jung meinte zur erfreulich kurzen Bauzeit: „Das verstehen wir als Ansporn. Wer A und B sagt, muss auch C und D sagen“, sprach er die geplanten Tunnelabschnitte bei Allensbach und Hegne an. Ziel sollte es sein, den kompletten Ausbau früher als 2027 abzuschließen. Auch der Allensbacher Bürgermeister Stefan Friedrich äußerte die Hoffnung, dass der Lückenschluss schon im November 2026 vollzogen sei. Er dürfe jetzt die Ernte einfahren, wofür andere gesät hätten. Aber Friedrich betonte auch: „Wir haben noch was vor uns.“ Man sollte jetzt den positiven Schwung mitnehmen. Wobei die Allensbacher Bevölkerung in den kommenden Jahren einiges an Belastungen werde ertragen müssen: „Jetzt kommen die Eingriffe immer näher.“

Die Grünen-Abgeordnete Nese Erikli lobte ebenfalls die verkürzte Bauzeit, betonte aber auch die Bedeutung des Bahnausbaus. Landrat Zeno Danner dankte auch im Namen der Stadt Konstanz allen, die für den Ausbau gekämpft und diesen ermöglicht haben. „Die B 33 ist eine ganz wichtige Verkehrsachse für unseren Landkreis.“

Auch Ordensschwester freut sich über Fertigstellung

Helmut Kennerknecht sagte auf Nachfrage: „Es ist ein vorläufiger versöhnlicher Schlusspunkt unter eine lange und intensive Planungsphase.“ Frank Hämmerle erklärte: „Ich bin dankbar, dass es so geworden ist, wie wir es uns gewünscht haben.“ Dagmar Schmieder meinte: „Wir brauchen jetzt das letzte Verbindungsstück dringlicher denn je.“ Die Provinzoberin Schwester Maria Paola Zinniel vom Kloster Hegne sagte: „Ich freue mich jedes Mal, wenn eine Eröffnung, ein Spatenstich ist, weil es dann immer näher an Hegne kommt.“

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