Wie geht es weiter mit dem Ausbau erneuerbarer Energien im Allgemeinen und am westlichen Bodensee im Besonderen? Im Natur- und Landschaftsraum Hegau und Bodensee kommt der Ausbau der Windkraft nicht weiter voran. Und das Potenzial der Verstromung von Biomasse gelte als weitgehend ausgeschöpft, wie Gerd Burkert analysiert. Aus Sicht des Geschäftsführers der Konstanzer Kreisenergieagentur bleibt nur eine erfolgversprechende Entwicklungschance: Es müssen mehr Photovoltaikanlagen aufs Dach: Strom aus Sonnenenergie. Gemeinsam mit der Energieagentur des Landkreises Lörrach und der Bodenseestiftung haben die Konstanzer eine Netzwerk­initiative zum Ausbau der Photovoltaik (PV) an Hochrhein und Bodensee gestartet. Das baden-württembergische Umweltministerium hat zugesagt, entsprechende Aktivitäten für einen Zeitraum von drei Jahren zu fördern.

Zielgruppe Unternehmen und Wohneigentümer-Gemeinschaften

"Wir brauchen viel mehr Flächen für Photovoltaikanlagen auf Dächern und an Gebäudefassaden. Und wir brauchen große Freiflächen", appelliert Gerd Burkert. Er verweist auf Berechnungen des Fraunhofer-Instituts. Demnach sind in Baden-Württemberg zusätzlich zum Bestand etwa eine Milliarde Quadratmeter Photovoltaik-Fläche nötig, um bis zum Jahr 2050 ein Drittel der Endenergie aus Sonnenstrom zu erzeugen. Zielgruppe der Initiative sind für den Geschäftsführer der Kreisenergieagentur Unternehmen und Wohneigentümergemeinschaften. Wenn große Dächer auf Firmenarealen und auch Gebäudefassaden mit dem PV-Mosaik gefüllt würden, profitiere von der Ökostrom-Produktion zugleich die Elektromobilität. Auch bei großen Wohngebäuden sei der Einsatz lohnend.

Positive Effekte des Umstiegs auf Ökostrom

Als beispielhaft gilt aus Sicht der Energieagentur das Großhandelsunternehmen Okle in Singen, das bereits seit 2014 eine große Solarstromanlage nutzt. Heute stellt sich Geschäftsführer Hans-Philipp Okle als Botschafter für das PV-Netzwerk-Hochrhein-Bodensee zur Verfügung. In einem Beitrag für die Kreisenergieagentur sagt er: "Mit unserer Mitarbeiterin Frau Sonne und der installierten Photovoltaik-Anlage sind wir höchst zufrieden. Wir erzielen die bestmögliche Verbrauchsquote von benötigter und erzielbarer Strommenge, denn Eigenverbrauch macht Rendite." Okle ist natürlich auch der positive Umwelteffekt des Umstiegs auf Ökostrom wichtig. Die Kreisenergieagentur will im Rahmen ihrer Kampagne informieren und zu Investitionen in den Sonnenstrom motivieren.

Die Potenziale und die Politik

  • Zahlen und Flächen: 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen – das ist das politische Energieziel bis zum Jahr 2050. Soll in Baden-Württemberg ein Drittel dieser Energie aus Photovoltaik-Anlagen kommen, wird landesweit eine PV-Fläche von etwa einer Milliarde Quadratmeter benötigt. Das hat das Fraunhofer Institut errechnet. Im Kreis Konstanz sind nach Angaben der Kreisenergieagentur derzeit PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 131 797 Kilowatt installiert. Diese Solarstromanlagen nehmen eine Fläche von 1 317 970 Quadratmetern ein. Das Solarflächenpotenzial beziffert die Energieagentur allein bei Dachflächen auf über 5 Millionen Quadratmeter. Die Möglichkeiten seien erst zu 25 Prozent ausgeschöpft.
  • Die Kontroverse: Während das Land den Ausbau der Solarstromnetze propagiert, steuert die Bundesregierung eine Reduzierung der Einspeisevergütung für größere PV-Anlagen an. Das Solar Cluster BW spricht von einem fatalen Signal. Die wirtschaftliche Attraktivität größerer Dachflächen in Gewerbegebieten und auf Mehrfamilienhäusern werde leiden.