Kreis Konstanz Jetzt lehnen auch CDU-Politiker Felchen-Massenzucht ab

Die Pläne für Felchen-Netzgehege im Bodensee haben nur wenig Befürworter. Jetzt legen auch die hiesigen CDU-Bundestagsabgeordneten ihr Veto ein. Und die Wasserversorgung fürchtet um die Reinheit des Sees.

Dass Umweltschutzverbände auf Abstand gehen zu Plänen für eine Felchen-Massenzucht in Netzgehegen im Bodensee, ist schon seit Langem klar. Jetzt aber tun das auch zwei CDU-Politiker: Andreas Jung und Lothar Riebsamen, die Bundestagsabgeordneten für die Wahlkreise Konstanz und Bodenseekreis. Nach einem Besuch der Bodenseewasserversorgung in Überlingen, die Seewasser zu Leitungswasser aufbereitet, bezogen die beiden Christdemokraten in einer gemeinsamen Presseerklärung Stellung gegen Pläne für Aquakultur. Die Ironie an der Geschichte: Mit dem baden-württembergischen Agrarminister Peter Hauk war es ein CDU-Politiker gewesen, der den Befürwortern von Felchenzucht im Bodensee, der sogenannten Aquakultur, im vergangenen Jahr erst so richtig Auftrieb gegeben hatte.

Bei ihrem Besuch auf dem Gelände der Überlinger Bodenseewasserversorgung erklärten Vertreter des Betriebs ihren Standpunkt zum Thema Aquakulturen. Und was sie sagten, gab Jung und Riebsamen offenbar ziemlich zu denken. „Probleme sehe man insbesondere in einem Einsatz von Impfstoffen und in einer großen Menge auf engem Raum anfallenden Fischkot – in unmittelbarer Nähe der Wasserentnahmestelle“, heißt es in der Presseinfo von Jung und Riebsamen. Diese Bedenken nähmen sie sehr ernst, heißt es in der Presseinfo weiter – und es folgt dieses Fazit: „Die Reinheit des Wassers darf nicht durch kommerzielle Fischzucht gefährdet werden.“ Die Trinkwasser-Qualität habe Vorrang. „Deshalb haben wir Fracking verhindert – und für schädliche Auswirkungen von Aquakulturen gilt das genauso.“

In Langenargen hatten fünf Fischer die Gründung einer Genossenschaft angekündigt, die im Überlinger See große Netzgehege installieren wolle. Die Genossenschaftsmitglieder bekundeten, in Netzgehegen 500 bis 600 Tonnen pro Jahr erzeugen zu wollen. Dazu wären zehn bis zwölf Gehege mit einem Durchmesser und einer Tiefe von jeweils 20 bis 30 Metern notwendig. Gegner wie der Landesfischereiverband, der BUND und viele Fischer hatten sich in den vergangenen Monaten entschieden gegen derartige Pläne ausgesprochen. Anfang der Woche hatte sich zudem noch die Internationale Gewässerschutzkommission in die Phalanx der Kritiker von Aquakulturen eingereiht. Nun erneuerte die Bodenseestiftung ihre Kritik, auch Radolfzells Oberbürgermeister Martin Staab äußert Ablehnung (siehe nebenstehenden Text) – und eben auch Andreas Jung und Lothar Riebsamen.

Mit ihrer Position widersprechen Jung und Riebsamen ihrem Parteifreund Peter Hauk. Dieser hatte, kurz nachdem die neue schwarz-grüne Landesregierung sich gebildet hatte, erklärt, dass Fischzuchtanlagen ein Weg sein könnten, sinkende Fangquoten beim Bodensee-Felchen aufzufangen. Hauk verwies dabei auf Lachs-Zuchtanlagen in Norwegen. Jung erwartet aber „keine Verwerfungen“ mit Hauk: „Ich kenne ihn als jemanden, der für gute Argumente zugänglich ist“, sagte er gestern dem SÜDKURIER. Es gehe darum, gemeinsam mit den Fischern einen Weg zu finden. Dabei aber „glaube ich nicht, dass Aquakulturen die Lösung für unsere Fischer sind“.

Die Langenargener Genossenschaftsgründer hatten sich auf Hauk berufen und erklärt, dass Felchenzucht in Netzgehegen nicht mit üblicher Massentierhaltung an Land vergleichbar sei: Sie komme ohne Antibiotika aus, auch hätten die Felchen, die in der Natur eh in Schwärmen unterwegs seien, genügend Bewegungsspielraum. Befürworter von Aquakultur argumentieren auch, dass die Strömungsverhältnisse im Bereich der geplanten Netzgehege ein Ungleichgewicht von etwaigen Substanzen verhinderten. Kritiker von Aquakultur meinen hingegen, dass die punktuell hohe Konzentration von Impfstoffen, wenn diese denn eingesetzt würden, und Fischkot ein Problem werden könne. Zudem entstünden in Netzgehegen größere und fettere Fische, die die Wildfisch-Fänge von Fischern verdrängen würden.

Der Alternativvorschlag

Die CDU-Bundestagsabgeorndeten Andreas Jung und Lothar Riebsmaen bringen in ihrer Presseerklärung einen weiteren Vorschlag ins Spiel: ein Züchten von Felchen, so wie schon bei Forelle und Saibling üblich. Dies sei eine Alternative die man prüfen solle. Auch seien Fischbrutanlagen wie auf der Insel Reichenau und in Langenargen ein gutes Modell. Dabei werden an Land Fischeier gezüchtet und dann in den See ausgebracht.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Kreis Konstanz
Kreis Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Bodensee
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren