Weniger Migration, mehr Straftaten – das ist die Bilanz der Bundespolizeiinspektion Konstanz für das Jahr 2018. Waren es im Jahr 2017 noch 1048 registrierte Fälle unerlaubter Einreise, sank diese Zahl im vergangenen Jahr auf 866. "Wir spüren derzeit die Migrationspolitik in Italien", hält Inspektionsleiter Tobias Lehmann beim Pressegespräch zur aktuellen Kriminalitätsstatistik fest.

Verstärkte Fernbus-Kontrollen

"Verkehrsmittel Nummer eins" bei der illegalen Einreise aus dem Süden seien die Fernbusse wie etwa die Verbindung von Mailand nach Konstanz, die es ab rund 20 Euro gibt. Mailand ist die Hauptdrehscheibe der Flüchtlingsbewegung in Norditalien.

Aktuell kontrollierten die Bundespolizisten täglich die relevanten Verbindungen.

Bild: Bundespolizei

"Kaum ein Fernbus, der nicht irgendeinen Treffer mit sich bringt", so Lehmann. Bei den Überprüfungen wurden im vergangenen Jahr auch 62 Urkundenfälschungen – also etwa gefälschte Pässe – festgestellt.

Auch politisch motivierte Extremisten auf dem Weg nach Nordrhein-Westfallen hätten versucht, mit dem Fernbus über die Grenze zu kommen, so Lehmann.

Immer wieder entdeckten die Beamten auch Waffen oder Drogen in den Gepäckstücken, die dann keinem Reisenden zugeordnet werden können. Das Unternehmen Flixbus hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, Videokameras im Gepäckraum zu installieren.

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Kontrolle an den deutschen Bahnhöfen

Neben den Grenzkontrollen überwacht die Bundespolizei auch die Bahnhöfe in der Region.

Insgesamt bewerte er diese als sicher, so Lehmann. Vor allem am Bahnhof Konstanz gebe es "eine erfreuliche Entwicklung". Einen erhöhten Bedarf an Überwachung gebe es dagegen in Friedrichshafen. Dort gebe es regelmäßig auftretende Intensivtäter. Auch den Bahnhof Sigmaringen werde verstärkt kontrolliert, ebenso der Bahnhof Ravensburg.

Schon seit längerem gehen Beamte von diesseits und jenseits der deutsch-schweizerischen Grenze gemeinsam auf Streife

128 Straftaten und Fahndungstreffer verzeichnete die gemeinsam operative Dienstgruppe (GOD) im Jahr 2018 allein auf deutschem Hoheitsgebiet.

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Nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Luft arbeiten die Beamten zusammen. Mehrmals pro Monat steigen im Grenzraum zwischen Deutschland und der Schweiz Helikopter in den Himmel.

Bild: Bundespolizei

Das Ziel: Einsatzkräfte zu Verkehrskontrollen fliegen. Schmuggler, Verkehrssünder oder illegale Einwanderer sollen so möglichst überrascht werden.

Die Bilanz 2018: 620 Feststellungen. "Ein sehr erfolgreiches Einsatzinstrument", hält Lehmann fest – und sagt, dass er die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Jahr 2019 ausbauen wolle. "Spannend" werde dann auch, wie sich eine Neuerung im schweizerischen Kreuzlingen auf die unerlaubte Einreise nach Deutschland auswirke. Denn im März wird das bisherige Empfangs- und Verfahrenszentrum Kreuzlingen zu einem Ausschaffungszentrum umgewandelt. Dort warten Flüchtlinge dann also nicht mehr auf einen Asylbescheid – sondern auch die Abschiebung.

Gute Sicherheitslage

204 Dienstposten hat die Bundespolizei derzeit. Laut Lehmann will sie ihre Aktivitäten steigern, nachdem die Bundesregierung eine Aufstocken der Polizeikräfte beschlossen hat. So sollen beispielsweise in diesem Jahr eigene Räumlichkeiten am Friedrichshafener Flughafen angemietet und neue Räume in Singen bezogen werden.

Insgesamt, so Lehmann, bewerte die Bundespolizei den Bodenseeraum als sicher. Auch, wenn die subjektive Wahrnehmung manchmal eine andere sei – "Die Zahlenlage zeigt anderes".