Breite Türen für Rollstuhlfahrer, Rampen, Treppenlifte, Duschen ohne Einstiegshöhe – in Dinge wie diese müssten Hotels und Pensionen kräftig investieren, um die Bodensee-Region für Urlaube und Arbeitsbesuche von Menschen mit Handicap noch besser zu rüsten. Da dürfte oft eine Menge Geld zusammenkommen, „und ich weiß, man kann nicht alles verlangen“, sagt Oswald Ammon. Aber vielleicht müsse man das auch gar nicht, meint der Behindertenbeauftragte des Kreises Konstanz. Denn für die Hotellerie, meint Ammon, würden sich solche Investitionen rentieren und gar überlebenswichtig sein. Die Gesellschaft werde älter – „und da ist so etwas zunehmend gefragt“, sagt Ammon.

Dies ist eines der Ergebnisse einer Premiere, die es im Radolfzeller Milchwerk gab: Der Kreis Konstanz hatte Behindertenvertreter aus allen Bodensee-Anrainerländern sowie Selbsthilfegruppen, Vereine, Politiker und Verwaltungsleute zur ersten „Internationalen Bodensee-Tagung zur Inklusion von Menschen mit Behinderung“ eingeladen. Das Ziel: Gemeinsam erreichen, dass die Seeregion behindertengerechter wird.

Behindertengerechte Ausstattungen „werden zum Wirtschaftsfaktor“, ist sich auch Matthias Berg sicher. Der vielfache Paralympics-Sieger, bekannt zudem als Co-Kommentator des ZDF bei den Paralympics, war als einer der Hauptredner eingeladen. „Was hat sich seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention verändert?“, war sein Thema. Außerdem gehörte die hocheloquente Multibegabung – der Contergan-gehandicapte Berg ist studierter Musiker, studierter Jurist, ehemaliger Weltklasse-Leichtathlet, Weltrekordhalter und zudem begnadeter Redner – zur Arbeitsgruppe „Barrierefreier Tourismus und grenzüberschreitende Mobilität“. Der Esslinger hegt große Hoffnungen, dass sich in den nächsten Jahren viel tun wird: „Wir leben in wirtschaftlich günstigen Zeiten. Und für die Hotellerie sagt schon die wirtschaftliche Vernunft: Wir sollten lieber mit dabei sein, sonst fallen wir hinten runter.“ Auch bemängelte der Kongress, dass in vielen Seehäfen der Zustieg zu Schiffen und Booten nur schwer möglich sei.

Viel Rede- und Verbesserungsbedarf sahen die rund 180 Tagungsteilnehmer – viel mehr als er erwartet habe, freute sich Ammon – in puncto Erwerbsleben: „Es sind heute weniger Arbeitgeber hier als gedacht, das spiegelt wider, dass viele von ihnen Menschen mit Behinderungen nicht einstellen wollen“, sagte Martin Staudinger vom Vorarlberger Sozialministerium.

Tagungen wie diese soll es nun öfter geben. Eines der Ziele: Eine Internet-Plattform, auf der Reisende mit Behinderung sich genau informieren können, welche Möglichkeiten sie in der See-Region haben.