Konstanz Industrieabwärme im Landkreis Konstanz könnte 40 000 Häuser beheizen

Die Energieagentur des Landkreises Konstanz hat eine Bestandsaufnahme zum Wärmebedarf und zur anfallenden Abwärme erstellen lassen. Das Fazit: Die Abwärme aus Industriebetrieben stellt ein riesiges Potenzial dar.

Im Landkreis Konstanz angesiedelte Industriebetriebe verfügen rein rechnerisch über ein gigantisches ungenutztes Energiepotenzial. Das geht aus einem Wärmebedarf- und Abwärmekataster hervor, das vom Ingenieurbüro RBS wave im Auftrag der Energieagentur Kreis Konstanz erstellt worden ist. Es ist nach Angaben von Energieagentur-Geschäftsführer Gerd Burkert die erste Untersuchung dieser Art in Baden-Württemberg.

Die Analytiker kommen zu dem Ergebnis, dass kreisweit jährlich ein Potenzial von 947 Gigawattstunden (GWh) Energie aus Abwärme zur Verfügung steht. Umgerechnet würde das ausreichen, um den Wärmebedarf von rund 40 000 Einfamilienhäusern ganzjährig zu decken, wie Johannes Walcher vorrechnet. Der Ingenieur der Verfahrenstechnik beschäftigt sich für die Kompetenzstelle Energieeffizienz Hochrhein-Bodensee, die bei der Energieagentur angesiedelt ist, mit möglichen Konsequenzen der Bestandsaufnahme. Walcher und Burkert rechnen auch vor, dass sich mit der magischen Zahl von 947 Gigawattstunden 18 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs im Landkreis Konstanz (5200 GWh pro Jahr) abdecken ließen. RBS wave hat nach eigenen Angaben 143 Betriebe mit Abwärmepotenzial ermittelt. Dabei wurden nur Betriebe mit mindestens zehn Mitarbeitern und einem Potenzial von mindestens 50 Megawattstunden pro Jahr betrachtet. Der weitaus größte Anteil der Ressourcen entfällt demnach auf die drei großen Aluminiumbetriebe in Singen und Stockach.

"Auch in fast allen kleinen Orten ist Abwärmepotenzial vorhanden", bilanziert Energieagenturchef Burkert eine Erkenntnis des Wärmebedarf- und Abwärmekatasters. Für die Auftraggeber fängt die Arbeit jetzt erst an. Denn die Kataster-Ergebnisse basieren auf rein theoretischen Berechnungen, für die zum Beispiel Angaben über die Branchenzugehörigkeit, Unternehmensgröße und Mitarbeiterzahl genutzt wurden. "Die Studie identifiziert ein theoretisches Potenzial, welches es durch detaillierte Einzelbetrachtungen/Ortstermine bei den Unternehmen zu überprüfen gilt", stellt RBS wave klar. Diese Arbeit will im Folgenden die Energieagentur für die Kompetenzstelle Energieeffizienz in Angriff nehmen. "Die Abwärmepotenziale gilt es jetzt aufzuspüren", sagt Gerd Burkert. Dabei werde man konkret auf Unternehmen zugehen. Burkert ist sich im Klaren darüber, dass Firmen das Thema Abwärmenutzung bereits selbst angepackt haben. Er verweist auf den Automobilguss-Produzenten Georg Fischer in Singen. Dort anfallende Abwärme wird zum Beispiel vom Maggi-Werk in Singen genutzt.

Energieverschwendung anderswo: Auf dem Dach eines Holzheizkraftwerks im Raum Ludwigsburg pusten Ventilatoren die in der Anlage entstehende Abwärme weg. Dabei entsteht weiterer Energiebedarf. Denn die Ventilatoren werden mit Strom angetrieben.
Energieverschwendung anderswo: Auf dem Dach eines Holzheizkraftwerks im Raum Ludwigsburg pusten Ventilatoren die in der Anlage entstehende Abwärme weg. Dabei entsteht weiterer Energiebedarf. Denn die Ventilatoren werden mit Strom angetrieben. | Bild: Gerd Burkert

Die Energieagentur wirbt nun intensiv dafür, die Energieressourcen wirtschaftlich zu nutzen: Abwärme ist kein Abfall, heißt es da. Dazu kommt, dass die ungenutzte Energie teuer entsorgt werden muss. Abwärme könne heutzutage in Strom umgewandelt, zur Kühlung verwendet, auf ein höheres Temperaturniveau gebracht, gespeichert oder verkauft werden. Für Gerd Burkert und seine Mitarbeiter geht es auch darum, Wärmequellen und Wärmebedarf zusammenzubringen. Zunächst einmal geht die Energieagentur bei einem Themenabend auf die Unternehmen zu. Fünf Referenten beschäftigen sich bei der Veranstaltung am Dienstag, 14. November, in der Singener Bildungsakademie mit der Abwärmenutzung. Dort wird auch das brandneue Wärme- und Abwärmekataster erstmals vorgestellt.

Die Veranstaltung

Der Themenabend zur Abwärmenutzung am Dienstag, 14. November, richtet sich in erster Linie an Vertreter von Betrieben. Die Veranstaltung der Energieagentur Landkreis Konstanz findet in der Bildungsakademie der Handwerkskammer in Singen statt, Beginn 18 Uhr. Unternehmen stehen in Beratung und Umsetzung von Maßnahmen für mehr Energieeffizienz zahlreiche Fördermöglichkeiten offen, so die Ansage. Anmeldung und Kontakt: johannes.walcher@keff-bw.de

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