Die Grünen im Landkreis sind sichtlich im Aufwind. Der Erfolg bei den Kommunalwahlen im zurückliegenden Jahr, so stieg beispielsweise in Konstanz die Zahl ihrer Sitze im Gemeinderat von zehn auf 13, spiegelt sich auch in der Mitgliederzahl wider: Über 100 neue verzeichnet der Kreisverband und bringt es damit auf rund 400 Mitglieder.

Diese Zahl verkündete Franziska Flegel, Mitglied im Kreisvorstand, beim gemeinsamen Neujahrsempfang des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen und der Freien Grünen Liste Konstanz (FGL) im Speichersaal des Konstanzer Konzilgebäudes. Maria Kaufhold vom Vorstand der FGL berichtete stolz, dass drei Ortsverbände in Gründung seien: in Stockach, Allensbach und Steißlingen. Ähnliches vermeldete die Grüne Jugend Kreis Konstanz. Sie habe um die 70 Mitglieder, erläuterte deren Sprecherin Anahita Reinsch. „Und auch außerhalb der Stadt Konstanz besteht im Kreis großes Interesse, eigene Ortsverbände der Grünen Jugend aufzubauen“, ergänzte sie.

Konstanzer Grüne wollen Alternativen zum Auto in der Stadt

Naturgemäß gehört der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zu den zentralen Themen der Konstanzer Grünen. So berichtete FGL-Fraktionssprecherin Anne Mühlhäuser von den Forderungen nach einem kostenlosen ÖPNV, einem autofreien Stephansplatz beziehungsweise einem Rückbau der Parkplätze, einem Kurzstreckenticket, emissionsfreien Bussen und Schiffen sowie einer Innenstadtmaut.

Die Konstanzer Grünen sind nach wie vor auf der Suche nach einem Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters, bestätigte Gisela Kusche auf Nachfrage des SÜDKURIER. Dass im Land demnächst auch andere Bürgermeister oder Oberbürgermeister gewählt würden, erschwere die Suche. Anne Mühlhäuser möchte einen OB, „der wirklich grün ist“. Amtsinhaber Uli Burchardt nimmt sie sein neues Engagement nach der Ausrufung des Klimanotstandes nicht ab. „Davor musste man ihn, offen gestanden, in Sachen Klimaschutz zum Jagen tragen“, lästerte sie.

Nese Erikli fordert Vorbildfunktion des Landes ein

Landtagsabgeordnete Nese Erikli rief dazu auf, den erstarkenden Rechtsradikalen – damit meinte sie auch die AfD – und deren Entgleisungen und Drohgebärden weiterhin entschieden entgegenzutreten. „Ich mache es mit allem was ich habe, meiner ganzen Kraft, Entschlossenheit und Leidenschaft“, versprach sie.

Beim Klimaschutz sieht Erikli Deutschland in großer Verantwortung. „Als hoch fortschrittliches Land mit so viel Ingenieurskunst müssen wir eine Vorbildfunktion übernehmen – durch Handlungen und nicht nur durch Erklärungen.“ Sie dankte der Bewegung Fridays for Future, „dass wir uns damit kompromissloser beschäftigen, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen“. Anahita Reinsch bekräftigte: „Veränderung und Wandel beginnen vor der eigenen Haustür.“

Gut integrierte Flüchtlinge sollen eine Chance haben

Unzufrieden ist Nese Erikli darüber, wie das Land mit Geflüchteten umgeht. „Mit der Abschiebepolitik von Innenminister Strobl bin ich nicht einverstanden. Vorhandene rechtliche Spielräume nutzt er nicht aus. Menschen, die sich in unsere Gesellschaft einbringen, die integriert sind, die Arbeit und Freunde und eine gute Perspektive haben, auf sie muss unsere Gesellschaft anders reagieren als mit einer Abschiebung“, betonte sie.

Andreas Schwarz sieht in der Digitalisierung großes Potenzial

Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, setzt in diesem Jahrzehnt auch auf globale Themen, wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz, sowie eine Transformation der Wirtschaft zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Produktion. „Ich bin davon überzeugt, dass die Digitalisierung zu mehr Effizienz und Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Naturverbrauch beitragen kann“, betonte er.

„Ultraeffizienzfabriken, der Einsatz von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz, der Verzicht auf fossile Rohstoffe und die Entwicklung neuer, energiesparender Verfahren – das alles verändert unsere Wirtschaftsweise grundlegend“, ergänzte er.

Fraktionschef bezeichnet Ökologie als Verkaufsargument

„Ökologie ist schon heute kein Luxusthema, sondern ein echtes Verkaufsargument“, bekräftigte Schwarz. „Wir setzen auf eine zuverlässige und klimaschonende Mobilität und forschen in allen Bereichen, auch in den Schlüsseltechnologien Brennstoffzelle und Wasserstoff sowie in der Batterietechnik“, sagte der Fraktionsvorsitzende nachdrücklich.