Wenn Ilona Weber über ihren erlernten Beruf spricht, muss sie immer ziemlich viel erklären. Verfahrensmechanikerin für Beschichtungstechnik sagt den meisten gar nichts. Auch die 25-Jährige wusste lange Zeit nicht, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Heute ist sie eine Ausgezeichnete in diesem Fach. Sie schloss ihre Ausbildung als Landesbeste ab. Dabei hatte sie erst ganz andere Berufswünsche. Ilona Weber gehört zu den 180 jungen Menschen, die im Landkreis Konstanz ihre Ausbildung mit herausragenden Ergebnissen absolviert haben. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee bedachte sie in einem feierlichen Akt im Konstanzer Konzilsgebäude mit Lob und Preisen.

Berufsausbildung als Alternative zum Uni-Studium

Ilona Weber machte es fast genau so wie von Thomas Conrady, Präsident der IHK Hochrhein-Bodensee, beschrieben: Er sagte beim Festakt, der Weg zu einem erfüllten Berufsleben führe nicht allein über die Universität. „Junge Menschen sollten sich die Karriere aussuchen können, die ihrem Talent entspricht und vor allem ihrer Leidenschaft.“ Die naturwissenschaftlich interessierte Ilona Weber versuchte es nach dem Abitur mit einem Informatik-Studium, brach es ab, wechselte für kurze Zeit zu Geschichte, um dann festzustellen: Die viele Theorie im Studium behage ihr nicht. Sie wolle Gelerntes zeitnah anwenden können: „So versteht man es viel besser.“

Applaus für die Ausbildungserfolge von 180 jungen Menschen aus dem Landkreis Konstanz. Die IHK Hochrhein-Bodensee mit Hauptgeschäftsführer Claudius Marx (links) und Präsident Thomas Conrady (rechts) zeichnete sie für Spitzenergebnisse bei den Abschlüssen aus, darunter drei Landesbeste (vorne, vorne links): Ilona Weber, Lukas Seel und Marjan Valenti.
Applaus für die Ausbildungserfolge von 180 jungen Menschen aus dem Landkreis Konstanz. Die IHK Hochrhein-Bodensee mit Hauptgeschäftsführer Claudius Marx (links) und Präsident Thomas Conrady (rechts) zeichnete sie für Spitzenergebnisse bei den Abschlüssen aus, darunter drei Landesbeste (vorne, vorne links): Ilona Weber, Lukas Seel und Marjan Valenti. | Bild: Anna Glad, IHK

Die heutige Verfahrensmechanikerin zog die Konsequenzen und versuchte, in eine Duale Ausbildung für Fachinformatik zu wechseln. Dort greifen Theorie und Praxis stark ineinander. Sie absolvierte erfolgreich ein Praktikum, bekam dann aber die Möglichkeit, im Betrieb in die Beschichtungstechnik zu schnuppern und eine Ausbildung anzuschließen. Sie habe es nicht bereut. Ihre Leidenschaften für Biologie und Chemie passten wunderbar in den erlernten Beruf, sagt Ilona Weber.

Bleche müssen wetterbeständig und biegsam sein

In ihrem Beruf dreht sich alles um das Aufbringen von flüssigem oder pulverisiertem Lack. Ihre Firma sei spezialisiert auf eine bestimmte Walztechnik fürs Beschichten von Aluplatten, die mit einem Kunststoffkern verbunden sind. Diese Bleche müssen wetterbeständig sein. Auch wenn sie gebogen werden, dürften im Lack keine Risse entstehen. Die richtigen Lackmischungen zu finden und die beschichteten Flächen auf Dicke und Gleichmäßigkeit des Auftrags sowie Glanz zu kontrollieren, gehört unter anderem zum Beruf von Ilona Weber.

Es sei eine Tätigkeit, die Gründlichkeit erfordere, in der man aber auch schon früh Verantwortung übertragen bekomme, sagt die 25-Jährige. Sie erinnert sich, wie sie einmal nach einer Kontrolle am Computer ein Häkchen zur Freigabe vergessen hatte. Bis die Sache geklärt war, seien die Maschinen gestanden.

Einzige Frau in ihrem Ausbildungs-Jahrgang

Sie empfinde die Tätigkeit als abwechslungsreich, denn jeder Lack sei schließlich anders. Über die Ausbildung habe sie erstmals einen Blick dafür bekommen, wie viele Dinge beschichtet sind, etwa Tische, Türen, Schränke. Dass sie die einzige Frau in ihrem Ausbildungs-Jahrgang war, habe sie nicht gestört. „Die waren alle nett.“ Sie hätten bei Bedarf geholfen. Den Stoff der Berufsschule habe sie locker bewältigt, in die Praxis der Pulverbeschichtung mit der Pistole, die in ihrem Betrieb nicht praktiziert wird, habe sie sich allerdings erst einmal einarbeiten müssen.

Lob an die ausbildenden Unternehmen

Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, bezeichnete bei der Feier die Summe der Kompetenzen als die Identität eines Unternehmens. „Die Feier ist ein Zeichen dafür, dass das Weiterreichen von Wissen perfekt geklappt hat.“

„Die Feier ist ein Zeichen dafür, dass das Weiterreichen von Wissen perfekt geklappt hat.“Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee
„Die Feier ist ein Zeichen dafür, dass das Weiterreichen von Wissen perfekt geklappt hat.“Claudius Marx, Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee

Landesbeste in ihrem Fach waren auch der 25 Jahre alte Marjan Valenti, Medientechnologe Druckverarbeitung, sowie der 20 Jahre alte Lukas Seel, Anlagenmechaniker für Rohrsystemtechnik. 62 Auszubildende hatten Preise erhalten, weil sie bei der Schlussprüfung 92 oder mehr von 100 möglichen Punkten erreicht hatten. 118 bekamen Lobe, weil sie ebenfalls sehr hoher Punktzahlen erreicht hatten.

Die Kammer

Der Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee umfasst seit dem Jahr 1973 die Landkreise Konstanz, Waldshut und Lörrach. Sie betreut mit ihrem Sitz in Konstanz und der Hauptgeschäftsstelle in Schopfheim aktuell mehr als 40 000 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Wirtschaft im Dreiländereck zu fördern, die Interessen der Mitglieder gegenüber Politik und Verwaltung zu vertreten. Die Kammer mit ihren 85 festangestellten Mitarbeitern steht nach eigenem Bekenntnis für Deregulierung, also so wenig Staat wie möglich. (rin)