Auf der einen Seite bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt, weil Bewerber fehlen. Auf der anderen Seite sind allein beim Jobcenter Landkreis Konstanz über 1000 erwachsene Geflüchtete registriert, die eigentlich dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zur Verfügung stehen. Doch wie kann das Potenzial gehoben werden? Oder besser: Wie kann die Integration zugewanderter Menschen gelingen?

Kümmerer helfen bei Berufswahl

Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium hat bereits 2016 ein finanzielles Förderprogramm aufgelegt. Damit werden Fachleute in Wirtschaftskammern, bei Bildungsträgern und Landkreisen bezahlt, die sich um junge geflüchtete Menschen kümmern.

„Die Aufgabe der Kümmerer ist es, geeignete junge Menschen bei der Berufswahl zu unterstützen und sie passgenau in Praktikum, Einstiegsqualifizierungen und Ausbildung zu vermitteln. Gleichzeitig sind die Kümmerer Ansprechpartner für die Betriebe, beispielsweise in Fragen zu Unterstützungsmöglichkeiten während der Ausbildung.“ So definieren die Initiatoren des Projekts „Integration durch Ausbildung“ die Aufgabe.

Geld fließt auch 2020 und 2021

Dieser Tage hat das Wirtschaftsministerium eine erste Bilanz gezogen und angekündigt, dass auch in den Folgejahren 2020 und 2021 Geld für die Kümmererstellen fließen soll.

Davon profitieren auch die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee und die Handwerkskammer Konstanz. Bei der HWK wird eine Projektstelle mit 86 000 Euro gefördert. Die IHK erhält 172 000 Euro und finanziert damit zwei Kümmererstellen in Konstanz und Schopfheim.

Zwei Kulturen zusammenführen

Jan Vollmar ist bei der IHK in Konstanz Projektleiter für die Integration junger Flüchtlinge. In einem Interview, das auf der Internetseite der IHK nachzulesen ist, äußert sich der Soziologe auch zu der Frage, warum Ausbildung und Beschäftigung eine wichtige Rolle bei der Integration spielen.

„Integration bedeutet, zwei Kulturen, die sich fremd sind, zusammenzuführen. Dies kann durch Ausbildung und Beschäftigung gelingen“, ist Vollmar überzeugt.

Zu wenig Betriebe machen mit

Manfred Hensler, Initiator eines viel beachteten Schulprojekts für Flüchtlinge, attestiert den Integrationsbeauftragten der Wirtschaftskammern „eine gute und wichtige Arbeit“. So habe der IHK-Kümmerer maßgeblich ein Programm unterstützt, bei dem Studierende der Wirtschaftspädagogik ein Tandem mit Geflüchteten im ersten Ausbildungsjahr bilden.

50 Teams kamen so im Landkreis Konstanz zusammen. Zugleich sieht Hensler aber auch Verbesserungsbedarf. „Es gibt trotz Kümmerer zu wenig Betriebe, die sich auf das Abenteuer Ausbildung eines Geflüchteten einlassen – man fürchtet Zusatzaufwand und vielleicht auch manchmal Nichtakzeptanz in der Belegschaft“, so Hensler.

Integration geht nur gemeinsam

Nese Erikli (Konstanz) und Dorothea Wehinger (Singen), Landtagsabgeordnete der Grünen, bezeichnen in einem Statement die Verlängerung des Kümmerer-Förderprogramms als „gutes Signal“. Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, kommentiert die Zusage aus Stuttgart so: „Das Handwerk in der Region war von Anfang an offen für die Integration von Geflüchteten in Arbeit und Ausbildung. Dennoch war klar, dass man diese Aufgabe nur gemeinsam bewältigen kann. Wir freuen uns also sehr, dass das Land die Betriebe in ihrem Engagement auch weiterhin unterstützt.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Claudius Marx stellt fest: „Die Kümmerer sind Ansprechpartner in tausend Fragen, auch für unsere Unternehmen im Kammerbezirk, die junge Geflüchtete ausbilden möchten. Und ihre Arbeit trägt bereits sichtbare Früchte. Es ist richtig und freut uns sehr, dass dieses erfolgreiche Programm nun fortgesetzt wird.“