Das Verhältnis zwischen dem Landkreis, der Stadt Konstanz und den übrigen Kommunen ist so entspannt wie lange nicht: Das zeigte sich beim „Konstanzer Felchen“, einem ebenso informellen wie politisch bedeutsamen Treffen der Bürgermeister im Landkreis. Traditionell laden dazu der Konstanzer Oberbürgermeister und der Landrat ein, und fast ebenso traditionell werden an dem Abend auch die Schmerzpunkte angesprochen.

So wenig Streit wie jetzt gab es noch nie

Dieses Jahr scheint es – trotz Klinikfusion, Flüchtlingsunterbringung und Einzelhandels-Konkurrenz – keine zu geben. Das sagen selbst langjährige Teilnehmer der Runde, die sich auch an deutlich weniger versöhnliche Treffen lebhaft erinnern.

Das Thema Geld: Es bleibt nur bei einem sanften Hinweis

So blieb es bei einem sanften Hinweis von Landrat Frank Hämmerle. Er erinnnerte dankbar daran, dass die Stadt Konstanz bei der jüngsten 120-Millionen-Euro-Investition ins dortige Klinikum 60 Millionen selbst bezahlte und weitere 40 Millionen vom Land eingeworben würden. So sei das auch an den anderen Standorten gedacht: Der Klinikverbund Landkreis Konstanz sei zwar der Träger der Häuser, aber bei den Bauinvestitionen seien dann schon die Städte gefragt.

Der sanfte Fingerzeig in Richtung Singen kam an – aber nicht bei den direkten Adressaten: Weder Oberbürgermeister Bernd Häusler noch seine Stellvertreterin Ute Seifried waren beim Felchen-Treff dabei.

Nicht mal das Thema Flüchtlingsunterbringung führt zu Konflikten

Gemessen an den Zahlen, zeigte sich Hämmerle auch bei einem Thema gelassen, das in den Vorjahren bis in die Felchen-Runde hinein für ein angespanntes Klima gesorgt hatte: der Flüchtlingsunterbringung. Zwar seien zwei Drittel der 1600 Bewohner von kreiseigenen Gemeinschaftsunterkünften dort eigentlich falsch aufgehoben, da sie längst ein Recht auf eine Wohnung außerhalb hätten. Doch immerhin seien auch 2500 solcher Anschlussunterbringungen schon geschaffen worden, lobte der Landrat: Die Städte und Gemeinden „bemühen sich gewaltig, Wohnungen zu bauen“, sagte Hämmerle.

Harmonie zwischen CDU und Freien Wählern kommt durch

Aber die Möglichkeiten, so Hämmerle, seien nicht endlos. Deshalb: „Ein ungezügelter Familiennnachzug wäre hier im Kreis Konstanz faktisch nicht machbar“ – da wollte von den Bürgermeistern, von denen viele wie Hämmerle der CDU angehören oder als Mitglied der Freien Wähler auch nicht gerade für politisch linke Positionen bekannt sind, niemand widersprechen. Immerhin sind sie es, die die Auseinandersetzung um jedes einzelne Bauvorhaben, jeden Nachbarprotest und jede Kritik am Ende doch auf den Schreibtisch bekommen.

Eintracht bei Kliniken, Felchenzucht und Tourismus

Für den gelassenen Grundton des Abends hatte schon zu Beginn der Mit-Gastgeber und Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt gesorgt. Auch er lobte das gute Miteinander bei den Kliniken, die Geschlossenheit in der Ablehnung der Aquakultur und den neuen gemeinsamen Auftritt beim Tourismus unter dem Dach der Regio Konstanz Bodensee Hegau. Ein paar Wünsche wurde er dann doch los – und da sprach er unter den Bürgermeistern auch einige Kollegen im Kreistag an. Bei den Berufsschulen wünsche er sich einen zukunftsfesten und großzügigen Bau an der Pestalozzistraße.

Konstanz hofft auf neue Radwege

Für den auf dem Bodanrück dringend gewünschten, im Kern innerkonstanzerischen Radweg von Dettingen nach Dingelsdorf hoffe er, dass der Kreis 25 Prozent der Baukosten übernehme, wenn die Stadt die gleiche Last trage, sagte Burchardt. 50 Prozent trage hoffentlich das Land. Wie viel Geld es für ein weiteres Fahrrad-Projekt braucht und wer das aufbringen könnte, ließ Burchardt offen; aber den vom Land vorgeschlagenen Rad-Schnellweg von Konstanz nach Allensbach mit einer Breite von sechs Metern wollte er zumindest schon mal platziert haben.

Vielleicht wird auch dieses Projekt irgendwann zur Felchen-Harmonie beitragen. Denn das Hunderte-Millionen-Euro-Vorhaben B 33, das früher durchaus mal zum Zankapfel wurde, ist schlicht kein Thema mehr: Gewissermaßen haben es die Baumaschinen, die jetzt endlich in Aktion sind, abgeräumt.

 

Treffen der Bürgermeister

Beim Bürgermeistertreffen "Konstanzer Felchen" werden zwar keine Verträge unterschrieben oder Beschlüsse gefasst. Aber Bürgermeister der Kreis-Kommunen, der Landrat und Vertreter benachbarter Schweizer Kommunen stecken dabei die Köpfe zusammen, um durchaus auch das große Rad zu drehen: B 33, Klinikumsneubau, und Aquakultur waren und sind zum Beispiel wichtige Themen. Im vergangenen Jahr ging es um den von Landkreis und Stadt Konstanz geplanten Bau eines Berufsschulzentrums in Konstanz-Petershausen, in dem die Zeppelin-Gewerbeschule und die Wessenbergschule kooperieren sollen. Die Tradition des Treffens reicht 36 Jahre zurück. (ebr)