Der Mittwoch war ein logistisch aufwendiger Tag für die Handwerkskammer Konstanz (HWK). Die Verwaltungszentrale des regionalen Handwerks brachte Briefwahlunterlagen an rund 12 000 Mitgliedsbetriebe in den Landkreisen Konstanz, Rottweil, Tuttlingen, Waldshut und dem Schwarzwald-Baar-Kreis auf den Weg. Bis zum 1. Juli haben die Adressaten Zeit, ihr Votum abzugeben. Dann wird am Stammsitz der HWK unter Aufsicht des Konstanzer Oberbürgermeisters Uli Burchardt ausgezählt. Burchardt fungiert diesmal als Wahlleiter.

Die Altersgrenze ist überschritten

Er gibt noch in diesem Jahr sein Amt ab: Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz.
Er gibt noch in diesem Jahr sein Amt ab: Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz. | Bild: Oliver Hanser

Zwei Aspekte verleihen der Wahl zur Vollversammlung eine gute Portion Spannung. Zum einen ist jetzt schon sicher, dass das Ereignis personelle Veränderungen an der Spitze der HWK zur Folge haben wird. Denn der bisherige Präsident Gotthard Reiner steht für eine weitere Amtsperiode nicht zur Verfügung. Der Elektromeister aus Deilingen im Landkreis Tuttlingen wird demnächst 69 Jahre alt und hat damit die Altersgrenze klar überschritten. Wer Kammerpräsident werden will, darf höchsten 65 Jahre alt sein. So sehen es die Statuten vor. Noch haben sich keine potenziellen Nachfolger in Stellung gebracht. Zuerst müsse die Wahl der Vollversammlung über die Bühne gegangen sein, so heißt es. Die neue Vollversammlung bestimmt dann, wer neuer Präsident wird.

„Starkes Handwerk“ gegen „Freie Handwerker“

Spannung verheißt zum anderen die Tatsache, dass im Konstanzer Kammerbezirk die selbstständigen Betriebsinhaber die Wahl zwischen zwei konkurrierenden Listen haben. Die Liste „Starkes Handwerk – gemeinsam in die Zukunft“ wird von Vertrauensmann Hansjörg Blender angeführt, der zugleich Kreishandwerksmeister am westlichen Bodensee ist. Um die Stimmenmehrheit kämpft auch die Liste „Freie Handwerker für Kammer ohne Zwang.“ Vertrauensmann ist hier der Konstanzer Zimmerermeister Günter Beyer-Köhler. Der kann für sich in Anspruch nehmen, dass es allein der Initiative seiner Gruppierung zu verdanken ist, dass die Handwerker bei der Wahl zur Vollversammlung überhaupt eine Wahl haben. Denn ohne die „Kammer-Rebellen“ gäbe es nur einen Listenvorschlag. Und dieser einzige Vorschlag für je 26 Bewerber, Stellvertreter und Ersatzkandidaten gilt am Ende als gewählt. Dieses Prinzip der Friedenswahl wird so in 52 deutschen Kammerbezirken praktiziert. Nur im 53., dem Bezirk der Handwerkskammer Konstanz, tritt seit 2004 eine Opposition an.

Kritiker fordern mehr Demokratie

Beyer-Köhler, der seit 2009 die Kritiker mit anführt, nennt die wichtigen Ziele: Es gelte, demokratische Strukturen in der Handwerkspolitik einzuführen. Wahlen müssten die einzelnen Kammerbezirke repräsentieren, einzelne Personen müssten wählbar sein. Und am Ende dürfe es nicht heißen, dass eine unterlegene Liste komplett leer ausgehe. Weiterhin darf es nach Auffassung des Konstanzers keine Zwangsmitgliedschaft für die Betriebe geben. Die HWK müsse als freier Interessenverband fungieren. Wichtig ist der Liste „Freie Handwerker“ auch: Die Handwerksausbildung soll kostenfrei sein. Derzeit müssen Handwerker noch hohe Gebühren bezahlen, wenn sie Meisterkurse besuchen wollen.

Slogan überholt

Hansjörg Blender (Liste „Starkes Handwerk) hält den Slogan der Konkurrenten (“Kammer ohne Zwang“) für überholt. Er verweist auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Rechtmäßigkeit der Zwangsmitgliedschaft in allen Wirtschaftskammern bestätigt hat. Blender formuliert die Zielsetzung so: „Die Handwerkskammer soll zum Ende der Wahlperiode 2024 stärker und noch kompetenter, mit neuen Medien und Beteiligungsformen für die Mitgliedsbetriebe der Dienstleister rund um das Handwerk sein.“ Aus- und Weiterbildung sind für ihn grundlegend und das Werben für die Karriere mit Lehre. In einem Punkt dürften sich beide Vertrauensleute einig sein: dass die Kammer-Wahlen wichtig sind.