6000 Betriebe in Baden-Württemberg werden in den kommenden zehn Jahren an Nachfolger übergeben. Diese Zahl nannte Gotthard Reiner, Präsident der Handwerkskammer Konstanz, bei der Feier für die Lehrlings-Landesssieger im Bodenseeforum. "Die Zukunft ist rosig", erklärte er und forderte die jungen Gesellen zur Aufgeschlossenheit auf. Das reine Handwerkerwissen, wie es früher vorherrschte, sei nicht mehr ausreichend, betonte er.

"Sie haben ein wichtiges Etappenziel erreicht und können als Siegertypen optimistisch in die Zukunft sehen", sagte Reiner zu den Landespreisträgern. In den verschiedenen Gewerken seien die Aufgabenstellungen von traditionell bis exotisch breit verteilt. "Sie müssen nicht den Koffer packen um etwas zu erleben", bekräftigte er, denn auf sie würden viele neue Herausforderungen, Kunden und Problemstellungen warten.

Appell an die jungen Gesellen

"Das ist Abenteuer genug", sagte er nachdrücklich, um wenig später doch zum Fortgehen aufzurufen – aber nur zum zeitweisen. "Ihr habt gute Chancen. Ihr seid unsere Generation Zukunft. Doch das soll euch nicht daran hindern ins Ausland zu gehen, aber vergesst uns nicht und kommt zurück und bringt das neu erworbenen Wissen in den heimischen Betrieb ein", erklärte der Handwerkskammer-Präsident.

"Wir haben einen Akademisierungswahn", rügte Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, eine seiner Ansicht nach weit verbreitete Einstellung. Wie sein Konstanzer Kollege setzt er stark auf Wissen bei der Digitalisierung. "Da sind wir relativ weit", betonte er.

"Handwerk hat nach wie vor goldenen Boden"

So würden beispielsweise Dachdecker bereits Drohnen für die Begutachtung von Dächern einsetzen. "Das Handwerk hat nach wir vor goldenen Boden", meinte Bopp.

Rainer Reichhold, Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags, forderte die Anerkennung der dualen Ausbildung zum Meister als gleichwertig zum Studium. Es sei nicht einzusehen, warum Studierende Fahrkarten subventioniert bekommen und angehende Meister nicht. Außerdem forderte er eine Meisterprämie von mindestens 1500 Euro.