Der Tag danach. Noch immer wirkt die Wucht der Botschaft. Landrat Frank Hämmerle tritt zum 30. April 2019 von seinem Amt zurück. „Das war eine große Überraschung für alle“, sagt Siegfried Lehmann. Der Kreisrat der Grünen hat seine Partei zwei Legislaturperioden im Landtag vertreten. Er weiß, was taktisches Kalkül bedeutet.

Er geht davon aus, dass Hämmerles Schritt „generalstabsmäßig geplant war“. Wichtig ist Lehmann in jedem Fall die Feststellung: „Der Landrat hat das Recht zurückzutreten, wann er möchte. Da gibt es nichts politisch zu bewerten.“ Aber: „Ich hätte den neuen Kreistag den Landrat wählen lassen.“ Und dann kommt der Grüne rasch zur nahen Zukunft: „Es müssen sich sehr schnell Leute finden, die bereit wären, ins Rennen zu gehen.“

Gratulation: Im Oktober 2005 wird Frank Hämmerle (vorne l.) in die zweite Amtszeit eingeführt; rechts Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg.
Gratulation: Im Oktober 2005 wird Frank Hämmerle (vorne l.) in die zweite Amtszeit eingeführt; rechts Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg. | Bild: Martina Keller-Ullrich 

Ist das Haus bereits bestellt?

Die hier angesprochene Nachfolgefrage duldet keinen Aufschub. Der mit dem Regierungspräsidium Freiburg abgestimmten Planung des bald ausscheidenden Landrats zufolge ist für mögliche Kandidaten eine Bewerbungsfrist vom 30. November bis 31. Dezember angesetzt. Zieht man die Feier- und Ferientage vor dem Jahresende ab, bleiben drei Wochen Zeit. Wer hier seinen Hut in den Ring werfen will, muss sich rasch entscheiden. Und er braucht am Ende die Rückendeckung der Kreistagsmehrheit. Wenn eine Kreistagsfraktion einen aussichtsreichen Kandidaten präsentieren möchte, wäre es taktisch klug gewesen, bereits vor Hämmerles Rücktrittsankündigung neues Personal zu suchen. Haben die CDU-Fraktion und CDU-Mitglied Frank Hämmerle das am Ende längst getan? Ist das Haus bestellt?

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Doch wer käme aus der regionalen CDU als neuer Landrat in Frage? Der Kreisrat, ehemalige Landtagsabgeordnete und derzeitige Vorstand des Caritasverbands Konstanz, Andreas Hoffmann (58), wurde bei früherer Gelegenheit schon einmal als Hämmerle-Nachfolger gehandelt. Heute winkt er ab: „Ich bin mit meiner derzeitigen Tätigkeit als Caritas-Vorstand sehr zufrieden und kann hier in dieser Funktion und als Kreisrat sowie als Aufsichtsrat des Gesundheitsverbunds ebenfalls gute Dinge in der Region bewegen. Diese Aufgaben möchte ich weitermachen und werde mich nicht für das Amt des Landrats bewerben.“ Das hört sich nach einer klaren Absage an.

Eher diplomatisch äußert sich der Fraktionschef der CDU im Kreistag, Uli Burchardt (47). Der ist seit 2012 Konstanzer Oberbürgermeister und kann in der Konzilstadt 2020 zur Wiederwahl antreten. Auf die Frage dieser Zeitung, ob er selbst Ambitionen auf das Amt des Landrats habe, stellte Burchardt fest: „Ich bin gerne OB in Konstanz!“ Die CDU-Fraktion habe vereinbart, in den nächsten Wochen über mögliche Kandidaturen zu sprechen. „Wir halten den Zeitpunkt für Personalspekulationen einen Tag nach der Erklärung von Landrat Hämmerle für verfrüht“, so Burchardt.

Start in die dritte Amtszeit: Frank Hämmerle nach seiner offiziellen Verpflichtung mit Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.
Start in die dritte Amtszeit: Frank Hämmerle nach seiner offiziellen Verpflichtung mit Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. | Bild: Holger Thissen

"Ich könnte es mir grundsätzlich vorstellen"

Weniger um Diplomatie bemüht ist Jörg Schmidt (noch 57). Der promovierte Jurist war Oberbürgermeister in Radolfzell und er kennt die Landesverwaltung. Als Tübinger Regierungspräsident fiel der Sozialdemokrat dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg von Grün-Rot zu Grün-Schwarz zum Opfer. Er musste gehen. Das war 2016. Hernach wurde er gelegentlich als möglicher Nachfolger von Landrat Hämmerle gehandelt. Wird er sich im November um den Posten bewerben? „Ich weiß es noch nicht. Aber ich könnte es mir grundsätzlich vorstellen“, sagt Schmidt am Telefon. Vor einer Entscheidung wird er das Feld sondieren. Inzwischen arbeitet Schmidt als Anwalt und Mediator im kommunalen Bereich.

Unterdessen hat der SPD-Kreisvorsitzende Tobias Volz, der auch Kreisrat ist, in einer Mitteilung Landrat Hämmerle dafür gelobt, dass er mit seinem Rücktritt für klare Verhältnisse gesorgt habe. Problematisch sei jedoch der Zeitpunkt des Rückzugs einen Monat vor den Kommunalwahlen im Mai 2019: "Die weitreichendste Personalentscheidung eines Kreistags wird von Kreisräten getroffen, die teilweise nur wenige Wochen nach Frank Hämmerle aus dem Amt scheiden werden."