Es war ein wenig wie der Rückblick auf bessere Zeiten. Der Konstanzer Kreistag hat in seiner Sitzung am Montag den Konzernabschluss 2017 des Gesundheitsverbunds (GLKN) festgestellt und sich für die Entlastung von Geschäftsführung und Aufsichtsrat ausgesprochen. Für das Rechnungsjahr war ein Überschuss im unteren sechsstelligen Bereich prognostiziert worden.

Erzielt wurde dann aber tatsächlich ein Konzernjahresüberschuss von rund 1,26 Millionen Euro, wie der Sitzungsvorlage für den Kreistag zu entnehmen ist. Landrat Frank Hämmerle rechnete hoch, der Gesundheitsverbund habe in fünf Jahren immerhin rund elf Millionen Euro Gewinn gemacht. Während der Aufsichtsrat ohne Gegenstimme entlastet wurde, war dies bei der Entlastung der Geschäftsführung nicht der Fall. Hier wurden sieben Gegenstimmen aus den Reihen der Grünen gezählt, dazu kamen drei Enthaltungen aus der Fraktion der Freien Wähler.

2017 noch Überschuss erzielt

Die Geschäftsführung des Gesundheitsverbundes, dem die Krankenhäuser in Konstanz, Singen und Radolfzell angehören, beurteilte in der Sitzungsvorlage den Geschäftsverlauf als zufriedenstellend, auch wenn die Patientenzahlen gegenüber 2016 leicht rückläufig waren. In dieses zufriedenstellende Jahr 2017 fiel zum Beispiel die Inbetriebnahme des neuen Apotheken- und Logistikzentrums in Konstanz. Diese Serviceeinheit (Bau und Einrichtung) war mit 18 Millionen Euro veranschlagt. Rund zehn Millionen Euro steuerte das Land Baden-Württemberg als Zuschuss bei. Der GLKN trug 3,5 Millionen Euro der Gesamtkosten.

Sollte angesichts des Jahresabschlusses 2017 beim Gesundheitsverbund Zuversicht geherrscht haben, ist sie inzwischen banger Erwartung gewichen. Für 2018 wird nämlich ein Defizit von vier Millionen Euro erwartet. Weil die Zahlungsfähigkeit des Gesundheitsverbunds gefährdet schien, bewilligte der Kreistag in einer Sondersitzung im November einen Zahlungsmittelzuschuss von fünf Millionen Euro, der bei Bedarf abgerufen werden kann.

Eine Analyse ohne Denkverbote

In der Kreistagssitzung am Montag informierte Landrat Frank Hämmerle, der Aufsichtsratschef des Gesundheitsverbunds ist, über nichtöffentlich beschlossene Konsequenzen aus dem tiefen Sturz in die roten Zahlen. So sollen externe Fachleute ein Gutachten zur „wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit“ erarbeiten. „Dabei sind insbesondere auch die Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung im Gesundheitsbereich allgemein und speziell für den GLKN aufzuzeigen“, heißt es von Seiten der Kreisverwaltung. Hämmerle sagte in der Sitzung, bei der Analyse gebe es keine Denkverbote.

Die Analyse der wirtschaftlichen, medizinischen und strukturellen Lage lässt sich der Landkreis (der 52 Prozent der Gesellschafteranteile des GLKN innehat) einiges kosten. Das Gutachten ist im Etatentwurf 2019 mit 300.000 Euro veranschlagt. Weitere Kosten für Expertise dürften hinzukommen. Denn bereits ebenfalls im November hatte der Aufsichtsratsvorsitzende des GLKN angekündigt, ein Personalvermittler werde mit der Suche nach einem neuen Geschäftsführer für den Klinikverbund beauftragt. Gesucht werde ein Finanz- und Personalfachmann. Die Ankündigung lässt darauf schließen, dass der Aufsichtsrat akuten Handlungsbedarf sieht. Die Verträge der beiden amtierenden Geschäftsführer Peter Fischer und Rainer Ott waren erst im vergangenen Jahr verlängert worden.