Noch klafft eine große Lücke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen. Der Ausbau und die Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn ist dennoch einen Schritt weitergekommen. In einer Computersimulation sind die Züge der Gürtelbahn bereits problemlos zwischen den Städten gefahren – aber dazu braucht es zweite Gleise und zusätzliche Bahnhöfe in einzelnen Städten und Gemeinden. Und das kostet viel Geld. Genaugenommen 330 Millionen Euro – zumindest, wenn man nach dem derzeitigen Wunschplan der Interessengemeinschaft Bodenseegürtelbahn gehen würde.

Noch vor einem halben Jahr plante man noch einen günstigeren Ausbau für 150 Millionen bis 200 Millionen Euro. Da die Bundesregierung vielleicht einen größeren Kostenbeitrag leisten wird, plant man deutlich teurer.

Computerprogramm simuliert zukünftigen Schienenverkehr

Auf einer Sitzung des Interessenverbandes Bodenseegürtelbahn haben Vertreter der DB Netz im Radolfzeller Rathaus die ersten Ergebnisse der sogenannten Betriebsprogrammstudie vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine Computersimulation, welche die Verkehrssituation auf den Schienen zwischen Radolfzell und Friedrichshafen simuliert. „Die Studie hat gezeigt, dass es viele Begegnungspunkte zwischen den Zügen gibt – egal bei welcher Variante“, sagt Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben, der zugleich auch Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Bodenseegürtelbahn ist.

An vielen Stellen, wie hierbei Sipplingen, gibt es nur einspurige Gleise. Diese müssen ausgebaut werden.
An vielen Stellen, wie hierbei Sipplingen, gibt es nur einspurige Gleise. Diese müssen ausgebaut werden. | Bild: Jörg Büsche

Die DB Netz bearbeitet im Auftrag des Interessenverbandes die Planungsphasen 1 und 2 (Grundlagenermittlung und Vorplanung mit Kostenschätzung) zu Ausbau und Elektrifizierung der Gürtelbahn. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf 3,8 Millionen Euro. Ein Viertel der Kosten übernimmt das Land Baden-Württemberg. Das Land hat aber in Aussicht gestellt, mehr zu zahlen. Den Rest übernimmt der Interessenverband.

Das könnte Sie auch interessieren

Mitglieder des Interessenverbandes Bodenseegürtelbahn sind die Städte und Gemeinden, die einen Bahnhof an der Strecke haben. Namentlich sind das die Städte Friedrichshafen, Markdorf, Überlingen und Radolfzell, die Gemeinden Bermatingen, Salem, Uhldingen-Mühlhofen, Sipplingen und Bodman-Ludwigshafen. Weitere Mitglieder sind die Landkreise Bodenseekreis und Konstanz sowie die Industrie- und Handelskammern Bodensee-Oberschwaben und Hochrhein-Bodensee und die Regionalverbände Bodensee-Oberschwaben und Hochrhein-Bodensee.

Es braucht zweite Gleise westlich von Markdorf und Nußdorf

Acht Referenzvarianten und eine Vorzugsvariante hat die DB Netz in ihrer Betriebsprogrammstudie untersucht. Die Vorzugsvariante sieht vor, dass stündliche IRE (Interregio-Express) sowie zwei stündliche RB-Leistungen (Regional-Express) im Halbstundentakt zwischen Singen und Friedrichshafen verkehren. Bei dieser Variante liegen die Kosten geschätzt bei 330 Millionen Euro.

Wie geht es mit der Planung weiter?

Zweite Gleise und Kreuzungsstellen müssten in den Abschnitten westlich von Markdorf und Nußdorf verlegt werden. „Die Bahnhöfe Ludwigshafen, Sipplingen, Überlingen und Uhldingen müssten ausgebaut werden“, sagt Franke. Des Weiteren beinhalten die Kosten den Ausbau zur Elektrifizierung und Bahnstromversorgung, Erhöhung von Bahnsteigen und Licht- und Signaltechniken.

Referenzvarianten kosten zwischen 191 und 224 Millionen Euro

Die Referenzvarianten seien günstiger, aber auch dort müsste ausgebaut werden. „Hierbei bräuchte es zumindest zweite Gleise, damit die Züge auf der offenen Strecke aneinander vorbei kommen“, erklärt Franke. Hierfür müsste man zwischen 191 und 224 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Wilfried Franke vom Interessenverband Bodenseegürtelbahn (links) und der Friedrichshafener Landrat Lothar Wölfle bevorzugen die Vorzugsvariante für die Strecke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen.
Wilfried Franke vom Interessenverband Bodenseegürtelbahn (links) und der Friedrichshafener Landrat Lothar Wölfle bevorzugen die Vorzugsvariante für die Strecke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen. | Bild: Regionalverband

Bei den Referenzvarianten verkehren jeweils ein IRE und ein RE stündlich. Zur Hauptverkehrszeit ergänzt eine stündliche RB-Verbindung den Verkehr zwischen Markdorf und Friedrichshafen. Den Mitgliedern des Interessenverbandes sei es nun wichtig, dass zwei Referenzvarianten weiter untersucht werden, die mit der Vorzugsvariante mithalten können.

Bund übernimmt 75 Prozent der Kosten

„Zielsetzung muss aber die Vorzugsvariante sein“, sagt der Friedrichshafener Landrat Lothar Wölfe als Vorsitzender des Interessenverbandes, „nur so können wir langfristig ein deutlich verbessertes und zuverlässigeres Fahrplanangebot auf der Bodenseegürtelbahn bekommen.“

Doch 330 Millionen Euro sind kein Pappenstiel. Eine erschreckend hohe Summe, die aber die Städte und Gemeinden wohl doch nicht so hart treffen könnte. Ein Entwurf des Gemeindefinanzierungsgesetzes des Bundes sieht vor, dass der Kostenanteil des Bundes von 60 auf 75 Prozent steigen soll. Bleibt der Kostenanteil des Landes Baden-Württemberg bei 20 Prozent, sinkt der notwendige Anteil der Kommunen von 20 auf fünf Prozent. Allerdings müssen die Kommunen dann immer noch 16,5 Millionen Euro übernehmen.

Bahn hat jahrelang nicht investiert

Eigentlich sollte der Betrag nicht so hoch sein. Erneuerungen von Licht- und Signaltechnik ist die Aufgabe der Deutschen Bahn. Aber das Unternehmen hat seit Jahren in den Streckenabschnitt nicht investiert. Damit der Ausbau und die Elektrifizierung gelingen kann, braucht es moderne Technik entlang der Bahnlinie. Deshalb werden diese Kosten mit in die Rechnung einbezogen.

Zudem hat der Bund in Aussicht gestellt, sich verstärkt an den Planungskosten zu beteiligen. Wilfried Franke, Geschäftsführer des Interessenverbandes Bodenseegürtelbahn, sieht darin eine wesentliche Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen. „Das ist eine echte Chance für das Millionenprojekt“, sagt er.