Der Bundestag hat im vergangenen Jahr die Verbrechen an den Armeniern im Osmanischen Reich in einer Resolution mit großer Mehrheit als Völkermord eingestuft. 1915 und 1916 waren Hunderttausende Menschen zu Tode gekommen. Zu diesem Thema zeigt das Landratsamt Konstanz im Februar eine Ausstellung der Deutsch-Armenischen Gesellschaft. Die Präsentation unter dem Titel „1915 bis 2015. Armenische Architektur und Genozid“ wolle aufzeigen, was damals in der Türkei passierte und welche Folgen das hatte, erläutert der Kreisarchivar und Ausstellungsorganisator Wolfgang Kramer in einer Ankündigung. Der Begriff Architektur weise auf die Zerstörungen und Verluste hin, welche die Kultur der Armenier erlitt und welche geringen Reste davon in weiten Teilen ihrers angestammten Gebiets zwischen dem Hochland Ostanatoliens und dem Südkaukasus heute noch zu entdecken seien.

Für die Eröffnung der Ausstellung am 8. Februar im Landratsamt (19 Uhr) hat der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özedemir, als Gastredner zugesagt. Der Politiker, der selbst türkischer Herkunft ist, spricht in Konstanz nach Angaben der Veranstalter über das Thema: „Die Völkermorde des 20. Jahrhunderts – Aufarbeitung als Bildungsauftrag.“ Özdemir hatte die Armenien-Resolution des Bundestags unterstützt. Bevor sich die Konstanzer Veranstalter wegen des Eröffnungsvortrags an Özdemir wandten, hatten sie bei Bundestagspräsident Norbert Lammert angefragt. Ohne Erfolg. Wolfgang Kramer weist darauf hin, dass es dem Landratsamt mit der Veranstaltung „ausdrücklich nicht um eine Schuldzuweisung an irgendeine Seite geht“. Vielmehr solle deutlich gemacht werden, wie wichtig die friedliche Koexistenz von Menschen verschiedener Religionen sei.

 

Armenische Architektur und Genozid

Ausstellung im Landratsamt Konstanz (Benediktinerplatz), 6. bis 22. Februar. Eröffnung am Mittwoch, 8. Februar, 19 Uhr. Am 16. Februar findet eine Podiumsdiskussion statt, die Dieter Löffler leitet. Löffler ist Politik-Ressortleiter des SÜDKURIER.