Wenn es um das Abstempeln von Ausfuhrkassenzetteln geht, dann haben deutsche Zöllner an den Grenzübergängen zur Schweiz seit Jahren alle Hände voll zu tun. Allein im Bezirk des Hauptzollamts Singen von Konstanz bis Bad Säckingen ließen sich Schweizer Kunden 2017 auf knapp 10,8 Millionen sogenannten grünen Zetteln die Ausfuhr in Deutschland gekaufter Waren vom Zoll quittieren, damit sie später in den Genuss der Mehrwertsteuerrückerstattung kommen. Der Ansturm auf die Zollstellen ist gewaltig. Oft genug stehen die Schweizer Einkäufer deshalb auf der Rückfahrt in der Warteschlange. Auf den Straßen kommt es zu Staus. Um den Stempelbetrieb etwas zu entzerren und um im Interesse von Zöllnern und Kunden für Entspannung zu sorgen, hat das Singener Hauptzollamt seit Mitte 2017 drei zusätzliche Anlaufstellen eingerichtet, wo sich Schweizer Einkäufer abseits der Grenzübergänge die Warenausfuhr bestätigen lassen können. Nun zeigt eine erste Bilanz: Der Zusatzservice wird nicht überall gut angenommen.

Stempeln im Gemeindehaus

Gut angenommen: Zollabfertigungsstelle im Küssaberger Gemeindehaus.
Gut angenommen: Zollabfertigungsstelle im Küssaberger Gemeindehaus. | Bild: Peter Rosa

Sehr zufrieden ist der Zoll mit der Kundenfrequenz der Abfertigungsstelle im Gemeindezentrum Küssaberg im Landkreis Waldshut, die im Juni vergangenen Jahres einrichtet wurde. Der Betrieb habe zu einer spürbaren Verkehrsentlastung des stark genutzten Grenzübergangs Rheinheim/Zurzach geführt, versichert Michael Hauck, der Sprecher des Hauptzollamts Singen. Drei Viertel aller Ausfuhrscheine im Zuständigkeitsbereich des Zollamts Rheinheim werden inzwischen von Zollbediensteten im Küssaberger Gemeindehaus gestempelt.

Noch in der Eingewöhnungsphase

Noch in der Eingewöhnungsphase: Zoll-Container in Laufenburg.
Noch in der Eingewöhnungsphase: Zoll-Container in Laufenburg. | Bild: Nadine Böni

Durchaus erfolgversprechend entwickelt sich auch die Nutzung der erst im März dieses Jahres eröffneten Abfertigungsstelle für die Schweizer Kundschaft in Laufenburg am Hochrhein. Dort hat das Hauptzollamt eine Containeranlage mitten in einem Gewerbegebiet (Laufenpark) aufgestellt. Der Service befinde sich noch in der "Eingewöhnungsphase", werde aber schon täglich von zahlreichen Schweizer Konsumenten genutzt, so erläutert Zollsprecher Hauck. Derzeit werden bereits ein Viertel aller in Laufenburg vorgelegten grünen Zettel an der neuen Abfertigungsstelle im Laufenpark abgefertigt.

Gewünschte Entlastung nicht erreicht

Verglichen mit den beiden Standorten am Hochrhein lässt die Frequenz der neuen Abfertigungsstelle in Konstanz aus Sicht des Hauptzollamts zu wünschen übrig. Siebeneinhalb Monate ist das Zollbüro für Schweizer Einkäufer auf dem Parkplatz des Bodenseeforums an der Bundesstraße 33 inzwischen in Betrieb. Bezogen auf sämtliche Abfertigungsstellen an Konstanzer Grenzübergängen werden im Container im Rechtsrheinischen knapp zehn Prozent der anfallenden Ausfuhrkassenzettel bearbeitet. "Diese Anlage zeigt derzeit noch nicht den gewünschten Entlastungseffekt für den Grenzübergang Konstanz-Autobahn", heißt es in einer Stellungnahme des Hauptzollamts. Man gehe aber davon aus, dass die Akzeptanz des Angebots in Konstanz noch steigen werde.

Der Standort ist ungünstig

Wer nach Gründen für die unterschiedliche Wahrnehmung der Servicestellen sucht, stößt rasch auf die Standortwahl. In Küssaberg befindet sich die Abfertigungsstelle an einer Straße, die direkt zum Grenzübergang führt; in Laufenburg liegt sie inmitten eines von Schweizer Kunden gerne besuchten Gewerbegebiets. Nur die Stempelstelle am Konstanzer Bodenseeforum befindet sich – gemessen an den Verkehrswegen der Käuferströme – weit ab vom Schuss. Schweizer Kunden, die mit dem Auto das linksrheinische Stadtzentrum ansteuern, müssen einen Umweg über die Europabrücke nehmen, um zur Abfertigungsstelle am Bodenseeforum zu kommen. Da liegt es näher, direkt zum Autobahnzoll zu fahren und dort die grünen Zettel stempeln zu lassen. Die Frequenz der Abfertigungsstelle am Seerhein könnte allerdings noch steigen: Vorausgesetzt, den Konstanzer Verkehrsplanern gelingt es, den Schweizer Kunden schmackhaft zu machen, dass es von Vorteil ist, Parkflächen in der Nähe des Bodenseeforums zu nutzen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Stadtzentrum zu fahren. Erprobt wird derzeit auch eine Schiffsverbindung über den Seerhein.