In der Regel ist es der aktive Grenzgänger, der in den Blickpunkt des Interesses rückt. Doch es gibt etliche Berufstätige, die ihr Grenzgänger-Dasein beenden und nach Deutschland zurückkehren – oder eben nach Erreichen des Rentenalters.

Klaus Grass aus Murg am Hochrhein arbeitete 15 Jahre lang im Nachbarland. Er sagt: „Viel Schweizerisches ist und bleibt einfach Teil meines Lebens."
Klaus Grass aus Murg am Hochrhein arbeitete 15 Jahre lang im Nachbarland. Er sagt: „Viel Schweizerisches ist und bleibt einfach Teil meines Lebens." | Bild: Brigitte Chymo

Klaus Grass wohnt in der Gemeinde Murg am Hochrhein, ist 68 Jahre alt und war einen Teil seines Berufsleben als Grenzgänger in der Schweiz beschäftigt. 15 Jahre lang arbeitete Grass im Nachbarland. Seit drei Jahren ist er in Rente, aber die Schweiz wie auch die Erinnerungen sind noch immer zum Greifen nah. Der Rentner wohnt in einem der oberen Ortsteile der Gemeinde Murg mit Blick auf den Schweizer Jura, über dem an manchen Tage die schneebedeckten Gipfel der Alpen zu sehen sind.

„Ihr Deutschen macht unsere Löhne kaputt"

Weil es auf deutscher Seite mit den Jahren immer weniger Firmen gab, die Konstrukteure brauchten, hatte sich Grass seinerzeit nach einem Job in der Schweiz umgesehen. Diesen Schritt hat Grass nie bereut. Allein wegen der besseren Ausschüttung der Schweizer Pensionskassen habe es sich gelohnt, meint Grass.

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Er erinnert sich an viele positive Aspekte seines Arbeitsalltags, beschreibt ihn aber auch „als nicht immer einfach“. „Ihr Deutschen macht unsere Löhne kaputt. Ihr seid mit weniger zufrieden.“ Das seien gängige Vorwürfe von Schweizer Arbeitskollegen gewesen, erinnert sich Grass. Der Rentner mit Wurzeln und Verwandtschaft in der Schweiz konnte aber damit umgehen.

Die Schweiz bleibt Teil des Lebens

Grass war im Nachbarland mit der Familie auch in der Freizeit viel unterwegs, und um bestimmte Lebensmittel zu kaufen fährt der Renter auch heute noch regelmäßig über die Grenze. „Viel Schweizerisches ist und bleibt einfach Teil meines Lebens“, meint Grass. Doch seinen kompletten Lebensmittelpunkt in die Eidgenossenschaft zu verlegen, stand für ihn nie zur Debatte: „Es hat keinen Grund gegeben, mit der ganzen Familie in die Schweiz umzuziehen."

Ein Umzug ist unkompliziert

Andere Grenzgänger machen aus ihrem Arbeitsland auch ihr Wohnland. Vor allem nach dem Abkommen über die Personenfreizügigkeit (FZA) zwischen der Schweiz und den Staaten der Europäischen Union (EU) im Jahr 2002 zogen viele ins Nachbarland. Denn ein Umzug ist nicht kompliziert. Ein Arbeitsvertrag vorausgesetzt, kann mit einem Antrag für Übersiedlungsgut das gesamte Hab und Gut innerhalb eines halben Jahres zollfrei in die Schweiz eingeführt werden.

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Simon Köpfer aus Laufenburg ist schon vor Jahren auf die andere Rheinseite übergesiedelt. Der heute 31-Jährige ging gleich nach der Ausbildung zunächst in Richtung Basel. Heute wohnt er im schweizerischen Laufenburg: „In der Schweiz konnte ich von Beginn an ein finanziell sorgenfreies Leben führen“, so Köpfer zu seinen Beweggründen. Es ihm grundsätzlich gleichzutun, rät Köpfer allerdings nicht: „Das hängt immer ganz von der persönlichen Situation ab.“

In Deutschland baut es sich billiger

Ein Umzug in die Schweiz ist zurzeit auch nicht im Trend. Rolf Eichin, Vorsitzender des Vereins Grenzgänger Info in Lörrach erzählt: „Immer mehr Grenzgänger, die einen längeren Anfahrtsweg haben, wohnen nur unter der Woche in der Schweiz und fahren am Wochenende zu ihren Familien.“ Zu ihm in die Beratung kommen auch jene, die in der Schweiz wohnen und noch vor dem Rentenalter wieder zurück nach Deutschland wollen: „Bei uns schaut jede Woche einer vorbei.“

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Die Gründe für eine Rückkehr nach Deutschland seien unterschiedlicher Natur: „Bis letztes Jahr brummte die deutsche Wirtschaft. Da legte ein deutscher Arbeitgeber beim Gehalt auch schon mal ordentlich drauf." Für andere Rückkehrer steht der Kauf einer Immobilie im Raum: „Manche wollen kaufen, aber in der Schweiz sind Immobilien einfach zu teuer.“

Verein informiert Rückkehrer

Beratung ist für einen Rückkehrer aus der Schweiz jedenfalls genauso wichtig wie für einen Grenzgänger in die Schweiz. Je nach persönlicher Situation geht es zum Beispiel um Abklärung von Leistungsansprüchen aus dem Arbeitslosengeld und in jedem Fall auch um die Krankenversicherung, für die ein Antrag gestellt werden muss. Oder um Gelder die zur Verrentung anstehen. Jetzt ist Expertenwissen gefragt: „Solche Gelder können als Basisrente steuerfrei von der Schweiz nach Deutschland überführt werden“, erklärt Johannes Klein von der Zurich Versicherung Deutschland, zu dieser Form der privaten Altersvorsorge.