Ein Samstag im deutschen Grenzgebiet: Eine Frau ist am frühen Nachmittag bei der Hausarbeit ausgerutscht und begibt sich mit einem dicken Knöchel in die Notfallaufnahme eines deutschen Krankenhauses. Vor dem nicht durchgängig besetzten Empfangsschalter wartet eine lange Schlange kranker Menschen und im Wartezimmer sitzen nochmals rund 15 Leute.

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Ein Mädchen mit starken Ohrenschmerzen wird zum nächsten Hals-Nasen-Ohren-Arzt geschickt und ein Mann mit einer Schnittverletzung geht wieder, als er erfährt, dass er über zwei Stunden warten muss. Die Frau mit dem dicken Knöchel wartet mit schmerzverzerrtem Gesicht über vier Stunden, bis sie geröntgt wird. Es ist bereits dunkel, als sie das Krankenhaus wieder verlassen kann.

Deutsche Krankenhäuse an der Grenze ausgelastet

Ausnahme oder Alltag im grenznahen Krankenhaus? Andrea Jagode, Pressesprecherin der Krankenhausbetriebsgesellschaft Hegau-Bodensee-Klinikum bestätigt, dass ihre Häuser gut ausgelastet sind und dass es in den Notaufnahmen zu langen Wartezeiten kommen kann, da die Patienten nach der Priorität der Erkrankung oder Verletzung an die Reihe genommen werden.

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Vier Prozent der Patienten kommen aus dem Ausland

Während die deutschen Krankenhäuser im Grenzgebiet überlastet sind, plant das Kantonsspital Schaffhausen ein Neubau- und Sanierungsprojekt für maximal 270 Millionen Franken. Das Kantonsspital wird künftig mehr Versorgungskapazität zur Verfügung haben. Lisa Dätwyler, Kommunikationsverantwortliche der Spitäler Schaffhausen, bestätigt, dass Patienten aus dem deutschen Grenzgebiet bei den Spitälern Schaffhausen jederzeit willkommen sind. 2017 kamen vier Prozent der Patienten aus dem Ausland – allerdings nicht nur aus Deutschland.

Im Notfallzentrum des Kantonsspitals Schaffhausen wird jeder eintretende Notfallpatient, der eine sofortige Behandlung benötigt, unabhängig von seinem Versicherungsstatus behandelt. Eine Kostenübernahme wird im Nachhinein durch die Versicherung geprüft. Bei Notfällen kommt in der Regel die deutsche gesetzliche Krankenkasse für die Kosten auf. Sobald ein Patient allerdings transportfähig ist, wird er in ein deutsches Krankenhaus verlegt.

Aufenthalt muss mit der Krankenkasse abgesprochen werden

Jose Da Silva, Rettungsdienstleiter vom Landkreis Konstanz, fährt auch ein Schweizer Krankenhaus an, wenn eine Versorgung in einem deutschen Krankenhaus nicht gewährleistet ist. Er erklärt, dass ein Patient laut dem Rettungsdienstgesetz in das nächstgelegenste Krankenhaus gebracht werden muss. In Gailingen wäre das beispielsweise das Kantonsspital Schaffhausen. „Dabei kommt es aber auf die Kooperation zwischen dem Landkreis und dem Kanton an“, betont Da Silva, der darauf hinweist, dass sich das Gesetz eigentlich auf Deutschland bezieht.

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„Ein Patient kann den Wunsch äußern, in welches Krankenhaus er will, die Entscheidung liegt aber beim Notarzt“, erklärt Da Silva. Bei planbaren Spitalaufenthalten stellen die Spitäler Schaffhausen für deutsche Versicherungsnehmer eine Offerte zur Vorlage bei der Krankenkasse zusammen. Der Eintritt in ein Schweizer Krankenhaus kann aber einem deutschen Patienten teuer zu stehen kommen, wenn er den Aufenthalt im Vorfeld nicht mit seiner Krankenkasse abspricht.

Zusatzversicherung kann helfen

„Für Arbeitnehmer, die in Deutschland wohnen und in der Schweiz arbeiten, gelten die schweizerischen Rechtsvorschriften“, bemerkte Dominik Heck vom Verband der Privaten Krankenversicherung. „Der private Krankenversicherungsschutz erstreckt sich auf die Heilbehandlung in Europa, wozu auch die Schweiz zählt“, so Caspary, ebenfalls vom Verband der Privaten Krankenversicherung.

Grenzgänger können besonders Modell nutzen

Berthold Genswein vom Grenzgänger-Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verband erklärt, dass es eine bilaterale Krankenversicherung gibt, die allerdings nur für Grenzgänger gilt. Der Versicherungsnehmer muss sich dabei einmalig entscheiden, ob er sich in der Schweiz oder in Deutschland versichern will. „Diese Entscheidung ist so lange gültig, wie er Grenzgänger ist“, so Genswein. Der Grenzgänger bezahlt dann in der Schweiz den Versicherungsbeitrag und hat gleichzeitig eine deutsche Krankenkassenkarte, worüber die Leistungen mit der Schweizer Versicherung abrechnet werden.