Schniefnase, Husten, Schlappheit – all das sind Symptome einer eher harmlosen Erkältung. Kommen jedoch Fieber, Auswurf, Rasselgeräusche und schweres, beschleunigtes Atmen hinzu, kann das auf eine Atemwegserkrankung mit RS-Viren (Respiratory-Synzytial) hindeuten. Und die kann besonders für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden. Der Virus tritt vor allem in der kalten Jahreszeit auf. Die derzeitige Saison fällt besonders heftig aus. In der Kinderklinik im Klinikum Konstanz gab es seit Ende Oktober 2016 bislang 38 Patienten mit RS-Viren. Im vergleichbaren Zeitraum 2015/2016 waren es nur 14.

Während der Virus bei Erwachsenen häufig nur zu Schnupfen führt, kommt es bei Säuglingen und Kleinkindern, die noch keine ausreichende Immunität ausgebildet haben, teilweise zu schweren Erkrankungen. Laut Robert-Koch-Institut haben rund 50 bis 70 Prozent aller Kinder während des ersten Lebensjahrs eine Infektion durchgemacht. Auch im zweiten Lebensjahr ist eine Erkrankung häufig. Später gilt eine Infektion als nicht mehr so gefährlich: Dann sind die Atemwege größer geworden. Besonders für Säuglinge aber kann die Krankheit gefährlich werden: Das Baby hat Fieber, trinkt nicht mehr, kriegt blaue Lippen, Atemnot. Im Ex­tremfall kann es auch zu einem Atemversagen kommen. In den Kinderkliniken in Konstanz und Singen „gibt es derzeit deutlich mehr Fälle als in den letzten Jahren“, sagt Andrea Jagode, Pressesprecherin des Gesundheitsverbunds Landkreis Konstanz, die die beiden Kliniken betreibt.

In Konstanz mussten zwei junge Patienten sogar zwischenzeitlich beatmet werden. Auch in der Friedrichshafener Kinderklinik des Medizin-Campus Bodensee verzeichnen die Ärzte mehr RS-Fälle als sonst. Seit Dezember behandelte das Team um Chefarzt Steffen Kallsen 40 kleine Patienten. Fünf von ihnen mussten künstlich beatmet werden. „Aktuell haben wir in Deutschland gerade eine RSV-Saison mit ausgeprägter Dynamik, was Fallzahl und Fallschwere angeht“, sagt Kallsen.

Steht also zu befürchten, dass der Virus generell auf dem Vormarsch ist? Nein, sagt Peter Gessler, Chefarzt der Konstanzer Kinderklinik, und gibt Entwarnung: Eine derartige saisonale Schwankung sei nicht überraschend, weil sich der RS-Virus von Jahr zu Jahr verändere. Er verändere die Erkennungsstrukturen an der Oberfläche, „da lässt er sich immer etwas Neues einfallen“, sagt Gessler. Mit den einen Änderungen kommt ein Immunsystem dann in einer Saison mal gut klar, in einer anderen weniger. Im nächsten Winter kann die Situation also wieder ganz anders sein. Doch kann man sich und seine Kinder überhaupt vor dem Virus schützen? Hier gelten die üblichen Regeln: Menschenansammlungen sollten eher vermieden werden, vor allem sollte man versuchen, nicht mit kranken Kindern und Eltern in Kontakt zu kommen. Hände häufig waschen und desinfizieren hilft auch. „Der Erreger kann bis zu sieben Stunden auf der Kleidung überleben“, erklärt Kallsen. Im Falle einer Infektion mit einem RS-Virus ist strenge Hygiene angesagt. Zum Beispiel werden die fünf kleinen Patienten, die derzeit im Singener Klinikum behandelt werden, zwar auf einer Normalstation behandelt, dies aber isoliert, erklärt Gesundheitsverbund-Pressesprecherin Andrea Jagode. Letztlich habe es aber weder in Konstanz noch in Singen einen Betten-Engpass gegeben.

Doch gibt es jetzt Licht am Ende des Tunnels: Der Trend zu mehr Erkrankungen mit RS-Viren habe sich in Konstanz in den vergangenen Tagen abgeschwächt, vermutlich wegen des wärmeren Wetters, sagt Chefarzt Peter Gessler. Ein Grund mehr also, sich auf den Frühling zu freuen.

Ansteckung

Mit dem RS-Virus steckt man sich über eine Tröpfcheninfektion an – und kann bereits vor den ersten Symptomen und bis zu acht Tage lang ansteckend sein. Die ersten Symptome sind Schnupfen, Husten, der stärker wird und sogar in Atemnot enden kann. Wenn Babys und Kinder sich zum ersten Mal infizieren, sind die Symptome meist stärker als bei allen weiteren Infektionen. Ob es sich um ein RS-Virus handelt, kann nur ein Arzt feststellen. (sab)

RS-Virus: Fragen und Antworten

 

  • Ansteckung: Mit dem RS-Virus steckt man sich über eine Tröpfcheninfektion an – und kann bereits vor den ersten Symptomen und bis zu acht Tage lang ansteckend sein. Die ersten Smptome sind Schnupfen, Husten, der stärker wird und sogar in Atemnot enden kann. Wenn Babies und Kinder sich zum ersten Mal infizieren, sind die Symptome meist stärker als bei allen weiteren Infektionen. Ob es sich um ein RS-Virus handelt oder nicht, kann nur ein Arzt feststellen. Bei Verdacht wird ein Abstrich gemacht.
  • Behandlung: „Frühgeborene, insbesondere solche mit neurologischen Problemen, und einige Säuglinge mit schweren angeborenen Herzfehlern sind Risikogruppen. Hier wird eine Passivimmunisierung mit einem speziellen Antikörper vorgenommen“, erklärt Chefarzt Kallsen. Alle anderen erkrankten Kinder könnte man nur symptomatisch behandeln, da es keine keine spezifische antivirale Therapie gibt. „Wir geben den Kindern abschwellende Nasentropfen und inhalieren mit Adrenalin. Ein Versuch mit den üblichen bronchienerweiternden Medikamenten ist gerechtfertigt, sie wirkt doch aber häufig nicht so effektiv. Wir inhalieren mit höher prozentiger Kochsalzlösung und wichtig ist eine Sauerstofftherapie, wenn die gemessene Sauerstoffsättigung niedrig ist“, erklärt Kallsen.