Wer mit wenig Geld auskommen muss, aber im Sommer nicht auf Freibadbesuche verzichten möchte, hat Glück, wenn er in Hilzingen wohnt. Hier ist die Saisonkarte für Inhaber eines Sozialpasses kostenlos. Empfänger von Hartz IV oder anderen Sozialleistungen in Engen oder Radolfzell erhalten dagegen nur 50 Prozent Ermäßigung in den Strand- und Erlebnisbädern. Wer in einer Gemeinde mit weniger als 8000 Einwohnern lebt, hat Pech und muss den vollen Eintritt zahlen, denn Sozialpässe gibt es dort nicht. Genauso unterschiedlich sind die Förderangebote für die Nutzung von Bussen, Museen oder anderen kulturellen Einrichtungen im Landkreis.

„Das muss sich ändern", forderte Reinhard Zedler, Geschäftsführer des AWO-Kreisverbands und Vorsitzender der Liga der freien Wohlfahrtshilfe im Landkreis Konstanz im Rahmen eines Pressegesprächs. Deshalb hat sich die Liga auf den Weg zu einer Bonuscard gemacht, die die Hilfsangebote für einkommensschwache Menschen kreisweit vereinheitlichen soll. Der Arbeitskreis Armut hat dazu in einem ersten Schritt die bestehenden Sozialpassangebote bei den Kommunen erfragt. Die Ergebnisse dieser Umfrage sollen dazu dienen, die Gemeinden, Sozialberater und vor allem die betroffenen Menschen besser über die möglichen Hilfen informieren zu können.

Aus den erhobenen Daten wird deutlich, wie unterschiedlich die Sozialpässe im Landkreis Konstanz gestaltet sind. Schon die Zugangsvoraussetzungen variieren stark. So reicht in der Stadt Engen die Vorlage eines Tafelausweises, um einen Sozialpass zu erhalten. In Radolfzell muss die Bedürftigkeit dagegen durch Nachweise wie Kontoauszüge, Renten- oder Grundsicherungsbescheide belegt werden.

Förderquoten sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich

Auch die Förderquoten sind nicht einheitlich. Neben den Freibadpreisen wird das besonders an den Regelungen der Volkshochschule klar: Während Sozialpassinhaber aus Konstanz 80 Prozent Ermäßigung erhalten, sind es in Rielasingen-Worblingen nur 25 Prozent. In Singen richtet sich die Höhe der Ermäßigung dagegen nach der Kursgebühr und schwankt zwischen 25 und 50 Prozent. So verschieden die Sozialpässe sind, so unterschiedlich werden sie auch angenommen. Vor allem in kleinen Gemeinden, in denen die Angebote nicht so breit gefächert sind, werden sie selten genutzt. „Es sollte überall gleichen Zugang zu den Hilfen geben", forderte Bärbel Wagner vom Diakonischen Werk. Dabei würde nach Ansicht der Liga eine kreisweite Bonuscard helfen, die mit einzelnen Fördermaßnahmen der Gemeinden kombiniert werden kann. „Eine Chipkarte mit zwei Seiten, eine für die kreisweiten und die andere für die kommunalen Angebote", schlug Udo Engelhardt, Vorsitzender der Singener Tafel, vor.

Sie beschäftigten sich intensiv mit den Sozialpassangeboten im Landkreis: Manfred Maier (AGJ Wohnungslosenhilfe im Landkreis Konstanz), Bärbel Wagner (Diakonisches Werk des Kirchenbezirks Konstanz), Reinhard Zedler (AWO-Geschäftsführer und Vorsitzender der Liga) und Udo Engelhardt (Vorsitzender der Singener Tafel).
Sie beschäftigten sich intensiv mit den Sozialpassangeboten im Landkreis: Manfred Maier (AGJ Wohnungslosenhilfe im Landkreis Konstanz), Bärbel Wagner (Diakonisches Werk des Kirchenbezirks Konstanz), Reinhard Zedler (AWO-Geschäftsführer und Vorsitzender der Liga) und Udo Engelhardt (Vorsitzender der Singener Tafel). | Bild: svg

Der Arbeitskreis, den die Liga der freien Wohlfahrtspflege gebildet hat, will nun mit den Städten und Gemeinden darüber ins Gespräch kommen, wie ein vereinheitlichtes Hilfsangebot konkret aussehen könnte. Reinhard Zedler kann sich einen Austausch im Rahmen einer Tagung vorstellen, erklärte er. Außerdem müssen die Kommunen entscheiden, wie viel Geld sie investieren wollen, um die Einbußen auszugleichen, die den beteiligten Einrichtungen durch die Vergünstigungen entstehen.

„Eine Investition in Teilhabe ist eine Investition in die Zukunft“, sagte Udo Engelhardt. Er meint damit die Teilhabe von Menschen mit geringem Einkommen am öffentlichen und kulturellen Leben. Es gehe dabei auch um Prävention, führte er aus, denn je besser ein junger Mensch gefördert werde, desto weniger Sozialleistungen müsse die Kommune später für ihn aufwenden. „Die Lobbygruppe für Menschen mit wenig Geld“, so bezeichnete Udo Engelhardt die Liga der freien Wohlfahrtspflege, hat den ersten Schritt gemacht. Bis zum großen Ziel Kreisbonuscard ist es allerdings noch ein sehr weiter Weg.

 

Die Initiatoren

Die Liga der freien Wohlfahrtspflege ist Dachverband von acht Organisationen im Landkreis Konstanz: AWO-Kreisverband, Caritas-Verbände Singen-Hegau und Konstanz, DRK-Kreisverband, Diakonische Werke der Kirchenbezirke Konstanz und Stockach-Überlingen, Paritätische Sozialdienste Konstanz und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Die Liga wurde als gemeinsame Arbeitsplattform gegründet und dient der Koordinierung der Aktivitäten zwischen den Verbänden.