Kreis Konstanz Gewässerschützer sind skeptisch: Kommission lehnt Netzgehege im Bodensee ab

Felchen-Massenzucht im Bodensee? Lieber nicht, meint die Internationale Gewässerschutzkommission. Zu vieles sei ungeklärt, etwa die Auswirkungen auf Ökologie und Trinkwasser.

In der Diskussion um Massenzucht von Felchen im Bodensee wird die Zahl der Skeptiker und Gegner immer größer. Jetzt meldet sich auch die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) kritisch zu Wort. „Aufgrund der vorhandenen Risiken und Einwirkungen auf den See nimmt die IGKB eine sehr kritische Haltung zum Thema Aquakultur ein“, heißt es in einer Presseerklärung nach ihrer am Dienstag in Konstanz abgehaltenen Jahrestagung. In der IGKB arbeiten Vertreter aus Baden-Württemberg, Bayern, der Schweiz und Österreich zusammen. Ziel sind unter anderem die Reinhaltung des Sees, dessen Überwachung und die Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt.

Eine Genossenschaft plant, im Überlinger See bis zu 600 Tonnen Felchen pro Jahr zu züchten. Das würde zehn bis zwölf Gehege mit einem Durchmesser und einer Tiefe von jeweils bis zu 30 Metern bedeuten. Mehrere Kritiker lehnen das ab, darunter der Landesfischereiverband, der BUND und viele Fischer. „Es sind noch viele Fragen offen“, wird in der Presseerklärung der IGKB deren Vorsitzender Elmar Zech zitiert. „Eine abschließende Bewertung ist derzeit nicht möglich. Vorläufig bleiben wir bei der ablehnenden Haltung, die in den Bodenseerichtlinien festgeschrieben ist.“ Diese enthalten ein Verbot von Netzgehege-Anlagen.

Die Genossenschaft hatte zuletzt unter anderem argumentiert, dass Felchenzucht nicht mit Massentierhaltung bei Hühnern, Rindern und Schweinen verglichen werden könne. So würden bei der geplanten Größenordnung auch keine Antibiotika notwendig sein. Die IGKB hingegen befürchtet Probleme: „Nicht geklärt sind insbesondere die ökologischen Auswirkungen auf den Bodensee im Nahbereich der Aquakulturanlage. Wie entwickeln sich Trübung, Nährstoff- und Keimzahl im unmittelbaren Umfeld der Netze, welche Auswirkungen gibt es auf den Seeboden hinsichtlich Sauerstoffzehrung und Sedimantation?“ Zudem sei „nicht absehbar, wie sich die Aquakulturen auf die Trinkwassernutzung auswirken.“ Eher zu prüfen sei eine Felchenproduktion mit Seewasser an Land.

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