Singen Gemüsebauer macht Sumpfgelände zum Kraftwerk

Thomas Keßler ist Gemüsebauer Bohlingen. Einen beträchtlichen Teil seines Energiebedarfs deckt er aus Solarthermie. Die Kollektoren stehen auf Sumpfgelände, weil Thomas Keßler für diesen Zweck kein Ackerland opfern will.

Gemüsebauer Thomas Keßler ist von erneuerbaren Energien überzeugt. Deshalb ist seine Solarthermieanlage, die mit 960 Quadratmetern als größte gewerbliche Anlage für Prozesswärme in Deutschland gilt, für ihn nichts Besonderes. Die rund 20 Akteure des Netzwerks erneuerbare Energien, die die Bodensee-Stiftung auf den Demeter-Gemüsehof zum Thema "großflächige Solarthermie" eingeladen hatte, waren beeindruckt.

Die Anlage steht seit drei Jahren auf einem Feld neben den Gewächshäusern, in denen Keßler auf 8000 Quadratmetern Gurken und Tomaten anbaut. Sie ist auf ein Sumpfgelände gebaut, das dem Gemüsebauer gehört und auf dem Gras und Löwenzahn kniehoch wachsen. "Ich bin dagegen, Ackerland zu verbauen", sagt Keßler. 40 Grad warmes Wasser heizt die Gewächshäuser und die Wärme schützt die Pflanzen vor Feuchtigkeit und damit vor Pilzbefall. 30 Prozent seines Energiebedarfs deckt die Anlage, ansonsten heizt Keßler mit Holz. Ein Beispiel, das bei anderen Gemüsebaubetrieben am Bodensee Schule machen könnte. Im Gespräch wird deutlich, dass die Entscheidung für erneuerbare Energien Menschen braucht, die sagen: "Ich will das und mach' das." Die Naturschutzverbände sollten in solche Projekt frühzeitig einbezogen werden und helfen, pragmatische Lösungen zu suchen, so die Teilnehmer.

Thomas Keßler (neben den Kollektoren) erklärt, wie die Solarthermieanlage auf seinem Gemüsehof funktioniert. Die Bodensee-Stiftung hat Akteure des Netzwerks Bioenergie-Region Bodensee zum Thema Solarthermie eingeladen. <em>Bild: Jacqueline Weiß</em>
Thomas Keßler (neben den Kollektoren) erklärt, wie die Solarthermieanlage auf seinem Gemüsehof funktioniert. Die Bodensee-Stiftung hat Akteure des Netzwerks Bioenergie-Region Bodensee zum Thema Solarthermie eingeladen. Bild: Jacqueline Weiß

Bene Müller: "Holz wird zukünftig knapp und teuer"

Bene Müller von der Solarcomplex AG stellte in einem Vortrag dar, warum das Bürgerunternehmen bei den von ihm realisierten Bioenergiedörfern auf Solarthermieanlagen als zusätzliche Energiequelle setzt. "Der Preis für Holzhackschnitzel war in den vergangenen zehn Jahren stabil, aber Holz wird zukünftig knapp und teuer, deshalb müssen wir mit Kollektorflächen nachrüsten und planen", erklärte er vor Vertretern von Bürgerenergiegenossenschaften, Naturschutzverbänden, Forschungseinrichtungen, Technologie- und Planungsfirmen.

Solarkollektoren sind ertragreicher als Wald

Außerdem bringe ein Hektar Solarkollektorfläche 60 Mal mehr Energie als ein Hektar Wald. Das Bioenergiedorf Büsingen hat zum Beispiel eine Kollektorfläche von 1000 Quadratmetern, deshalb könne man den Holzkessel im Sommer komplett abschalten. Über das Jahr betrachtet decke die Solarthermie rund 15 Prozent des Energiebedarfs. In Randegg baut Solarcomplex auf dem Gelände der Familie Fleischmann eine 2300 Quadratmeter große Kollektoranlage, die in zwei bis drei Monaten als größte Kollektorfläche in Südbaden in Betrieb genommen wird. Sie soll 20 Prozent des Energiebedarfs des Randegger Nahwärmenetzes decken. Müller plädiert dafür, bei Nahwärmenetzen flexibel und technologieoffen zu bleiben, da die Bioenergiepotenziale begrenzt seien.

Teilnehmer fordern Politik zum Bürokratieabbau auf

Die Bodensee-Stiftung ist Anfang des Jahres beim fünfjährigen europäischen Interreg-Projekt COALESCCE (Community owned and led energy for security climate change und employment) eingestiegen, das Lösungen und Maßnahmen zur Stärkung der Bürgerenergie erarbeitet. Die Teilnehmer des Netzwerktreffens brachten ihre Ideen dazu ein. Für Bürger, die sich für die Energiewende einsetzten, seien Teilhabe, regionale Wertschöpfung, Klimaschutz und Energiesicherheit wesentlich, erläuterte Projektleiter Volker Kromrey. Bürger und Experten in Sachen erneuerbare Energien zusammenzubringen und ein Handbuch zur Bürgerenergie sind zwei mögliche Ansätze. Von der Politik sollten nicht nur Absichtserklärungen, sondern konkrete Hilfen, wie der Abbau von Bürokratie, kommen, so die Teilnehmer.

Die Stiftung

Die Bodensee-Stiftung ist eine projektorientierte Umwelt- und Naturschutzorganisation und setzt sich für nachhaltiges Wirtschaften in der internationalen Bodenseeregion und darüber hinaus ein. Die Handlungsfelder sind Unternehmen und biologische Vielfalt, Landwirtschaft und Klima, erneuerbare Energie, Umweltbildung sowie Natur- und Gewässerschutz. Stifter sind Umweltorganisationen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland.

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