Im Gegensatz zur Trainergilde beim Bundesligisten VfB Stuttgart haben die Landräte im Landratsamt Konstanz ein beachtliches Beharrungsvermögen gezeigt. Der VfB benötigte für 53 Spielzeiten 26 verschiedene Trainer. Der Landkreis Konstanz kam in 62 Jahren mit vier Landräten aus.

Allein einer aus diesem Quartett, der CDU-Mann Robert Maus, deckte bis 1997 drei Amtsperioden von je acht Jahren ab. Sein Nachfolger Frank Hämmerle, ebenfalls CDU, wird immerhin 22 Jahre schaffen. Er hat am Montag seinen Rücktritt zum 30. April 2019 angekündigt. Kaum war Hämmerles Erklärung verlesen, setzte die Diskussion um seine Nachfolge ein.

Rechtskenntnisse sind von Vorteil

Doch was kann von einem erwartet werden, der Landrat werden will? Welche Qualifikationen muss er mitbringen? Die Anforderungen von Gesetzes wegen sind überschaubar. Bewerber sollten mindestens 30 Jahre alt sein, die deutsche Staatsbürgerschaft oder die eines anderen EU-Mitgliedslandes haben und auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.

Nach Angaben von Markus Adler, Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, ist ein Jurastudium keine zwingende Voraussetzung für eine Kandidatur, auch wenn in Anbetracht der Verwaltungsmaterie in einem Landratsamt juristischer Sachverstand nicht schaden könne.

Der weit gesteckte Rahmen ermöglicht es einem Gärtnermeister ebenso wie einem Oberbürgermeister, eine Bewerbung abzugeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Für Burchardt als Kandidat spricht einiges

Wobei der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt – der auch kein Jurist ist – dabei sein könnte, selbst wenn er jetzt betont, gerne Oberbürgermeister zu sein. Burchardt bringt sicher eine Reihe von Voraussetzungen für den Posten des Landrats mit.

Er ist mit dem Landkreis vertraut, hat Erfahrung in Gremienarbeit und Mitarbeiterführung und ist politisch im bürgerlichen Lager verankert. Und: Der Konstanzer Oberbürgermeister ist mit 47 Jahren so jung, dass er mindestens zwei, vielleicht aber auch drei Amtsperioden als Landrat schaffen könnte. Eine solche Kontinuität wäre auf dem Trainerposten beim VfB-Stuttgart schier undenkbar.

Freie Wähler zeigen sich selbstbewusst

Sollte es bei allem wenn und aber zu einer Kandidatur Burchardts kommen, ist der Erfolg keineswegs sicher. Denn Burchardts CDU ist zwar die stärkste Fraktion im Kreistag, aber sie braucht für die Stimmenmehrheit Verbündete. Und es deutet sich an, dass die Freien Wähler als zweitgrößte Kreistagsfraktion vielleicht einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken.

FW-Fraktionschef Artur Ostermaier versicherte, man unterstütze den Vorschlag, wonach noch der alte Kreistag den neuen Landrat wählen solle. Die Freien Wähler wollen aber nicht zwangsläufig einen Kandidaten einer anderen Partei unterstützen. Für Ostermaier kommen auch Kandidaten ohne Parteibuch in Frage, so denn die Interessen übereinstimmen. Ostermaier berichtete von einer Anfrage eines potenziellen Bewerbers, der parteiunabhängig sei. "Wir werden die Sache aktiv angehen", kündigte der FW-Fraktionsvorsitzende an.

Linke sieht wahltaktisches Manöver

Wenn ein besonderer Ausschuss des Kreistags demnächst die Bewerbungen sichtet, dann sondiert das baden-württembergische Innenministerium mit. Denn das Landratsamt ist nicht nur kommunale, sondern auch staatliche Behörde und erledigt somit Aufgaben des Landes, zum Beispiel im Umwelt- und Naturschutz sowie im Baurecht.

Im Nachgang der jüngsten Kreistagssitzung werteten die Kreisräte der Linken die Rücktrittserklärung von Landrat Hämmerle als "wahltaktisches Manöver, das der CDU dieses Amt auch in der nächsten Legislaturperiode sichern soll."