Zerfurchte Waldwege, kreischende Sägen. Davor die Absperrung mit rotweißem Flatterband und einem Schild mit unmissverständlicher Ansage: Durchgang verboten, Forstarbeiten, Lebensgefahr. In dieser Woche ist das Naturschutzgebiet Mindelsee bei Markelfingen Schauplatz einer großangelegten Baumfällaktion. Dabei hat nicht das wirtschaftliche Interesse am Holzverkauf das Kreisforstamt zu der Maßnahme bewogen. Anlass zum Handeln gibt vielmehr eine Krankheit, gegen die noch kein Kraut gewachsen ist und die zunehmend die Eschen in baden-württembergischen Wäldern dahinrafft. Der Pilz mit dem freundlich klingenden Namen Eschenstängelbecherchen lässt die Triebe in den Kronen der Eschen absterben. Er befällt ebenso die Stammfüße dieser Laubbäume. Weitere holzzerstörende Pilze wie der Hallimasch unterstützen dann das Werk und am Ende ist die Standfestigkeit der Bäume massiv gefährdet.

Verbotsschilder in einem beliebten Ausflugsgebiet

Ortsbegehung im Wald am Mindelsee: Forstamtsleiter Bernhard Hake, Revierleiter Siegfried Parschau, die BUND-Schutzgebietsbetreuer Kai-Steffen-Frank und Verena Medinger sowie Rainer Mohrlok, zuständig für den Maschineneinsatz im Wald (von links).
Ortsbegehung im Wald am Mindelsee: Forstamtsleiter Bernhard Hake, Revierleiter Siegfried Parschau, die BUND-Schutzgebietsbetreuer Kai-Steffen-Frank und Verena Medinger sowie Rainer Mohrlok, zuständig für den Maschineneinsatz im Wald (von links). | Bild: Jarausch, Gerald

Und so sehen Kreisforstamtsleiter Bernhard Hake und Revierförster Siegfried Parschau den derzeitigen Einsatz der Holzfäller vorwiegend als Menschenschutz. Das Mindelseegebiet ist nicht nur ein Naturschutzraum höchster Qualität, sondern auch ein beliebtes Ausflugsgebiet für die Bevölkerung. Auf den Hauptwegen sind viele Spaziergänger und Jogger unterwegs. Dazu kommen Fahrradfahrer und Reiter. Bei all diesen Nutzergruppen wirbt der Leiter des Kreisforstamts, Bernhard Hake, um Verständnis für vorübergehende Betretungsverbote und mahnt, die Absperrungen zu respektieren.

Rund 150 Eschen werden im Verlauf dieser Woche am Mindelsee gefällt, so rechnet Revierleiter Parschau vor. Die Hauptarbeit leistet ein sogenannter Vollernter, den Einsatzleiter Rainer Mohrlok Königstiger nennt. Die auf einen Bagger montierte Maschine kann stattliche Bäume fällen, entasten und die Stämme auf die gewünschte Länge zurecht sägen. Um den Waldboden zu schonen, rollt der Königstiger auf Ketten und nicht auf Rädern durch die Holzrückeschneisen. Dennoch hinterlässt das 34 Tonnen schwere Gefährt seine Spuren im Wald. Die Forstleute sprechen aber von einem bodenschonenden Maschineneinsatz und versprechen, zerfurchte Waldwege nach Abschluss der Arbeiten zügig wieder zu glätten.

Bürger wollen wissen, was da passiert

Der Finger zeigt auf die Fäule: Kreisforstamtsleiter Bernhard Hake klärt über Veränderungen im Stammholz einer gefällten Esche auf.
Der Finger zeigt auf die Fäule: Kreisforstamtsleiter Bernhard Hake klärt über Veränderungen im Stammholz einer gefällten Esche auf. | Bild: Jarausch, Gerald

Diese Botschaft richtet sich an Waldnutzer, für die das Mindelseegebiet Freizeitoase ist. Denn wenn in den Wäldern gehegt, gepflegt und gefällt wird, wollen viele Bürger wissen, was da passiert. "Was macht ihr da eigentlich", sei eine der häufig gestellten Fragen, erzählt Siegfried Parschau. Wenn im Wald rund um den Mindelsee Forstarbeiter ans Werk gehen, reden Naturschutzorganisationen mit. Im Falle der Eschen-Fällung ist dies der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), der seit 1979 für das Schutzgebiet zuständig ist. Und der BUND befürwortet den Einsatz der Forstarbeiter, wie der Biologe Kai-Steffen Frank bei einem Ortstermin klarmacht.

Er verweist auf eine Bestandsaufnahme zum Zustand der Bäume im vergangenen Sommer. Frank betreut gemeinsam mit Kollegin Verena Medinger im Auftrag des BUND das Schutzgebiet Mindelsee. Er spricht von einen relativ massiven Eingriff. Der Biologe weist aber auch auf einen positiven Nebeneffekt des Holzeinschlags hin. Wenn nun an einigen Stellen der Wald lichter wird, profitierten davon verschiedene seltene Vogelarten, für die Lichtungen bevorzugte Brutpätze sind.