Singen Foodsharing läuft in Singen gut an - schon drei Tonnen Lebensmittel gerettet

Gegen dje Wegwerf-Gesellschaft kämpfen: Das Projekt Foodsharing läuft in der Stadt Singen gut an. Die Bewegung sucht noch weitere Mitstreiter. Seit Mai haben sie 200 Einsätze gehabt.

Gegen 12.15 Uhr parkt Kevin Ziegler sein Rad mit Anhänger auf dem Wochenmarkt. Kurz darauf trifft auch Uta Maria Jürgens mit ihrem Trolley ein. Die Beiden haben am Ende des Marktbetriebs immer die gleiche Mission: Sie bekommen von Markthändlern Ware, die nicht mehr verkäuflich ist, um sie im Netzwerk der Aktion Essen teilen (Foodsharing) kostenlos abzugeben.

An diesem ersten Oktobersamstag überschreiten sie die Drei-Tonnen-Grenze. Normalerweise sind es nach einem Wochenmarktbesuch so zwischen 20 und 30 Kilogramm, die sie einsammeln. Seit fünf Monaten ist Uta Maria Jürgens Foodsharing-Botschafterin in Singen. Insgesamt besteht das Team derzeit aus sechs Mitstreitern, die Lebensmittel vor der Vernichtung retten. Über 5800 Tonnen haben die Lebensmittelretter in Deutschland seit dem Start im Jahr 2013 bisher vor dem Wegwerfen bewahrt.

"Ich kann die Tomaten nicht bis Mitte nächster Woche aufheben"

Diesmal sind Kevin Ziegler, Simone Betz und Uta Maria Jürgens auf dem Markt unterwegs. Dezent fragen sie kurz vor Marktschluss bei den kooperierenden Marktständen, ob etwas übrig sei. Bei Bernd Kaiser, der einen Bioland-Betrieb für Gemüse in Stockach hat, bekommen sie diesmal vor allem ganz viele reife Tomaten. "Ich kann die Tomaten nicht bis Mitte nächster Woche aufheben und bevor sie auf dem Kompost landen, gebe ich sie gern weiter", sagt der Händler. Schon seine Großeltern hätten ihm beigebracht, dass man Lebensmittel nicht verschwenden solle.

"Wenn wir so viele Tomaten bekommen, überlegen wir uns natürlich auch, wie wir sie einkochen können, beispielsweise als Tomatensoße, erklärt Uta Maria Jürgens. Auch verarbeitete Produkte landen dann schon mal in den Verteiler-Regalen. Sie nennen diese Anlaufstellen Fairteiler. Beim Betrieb Hägele gibt es an diesem Tag einige Brote und auch noch Gemüse. Neun Marktstände stehen der Initiative aufgeschlossen gegenüber. Manche machen sogar Werbung damit. Und wenn sie mal nichts übrig haben, ist es auch recht. Doch bevor die Lebensmittelretter etwas bekommen, holt auch die Singener Tafel Lebensmittel vom Markt, die sie noch gut verwerten kann. "Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zu den Tafeln, betont Kevin Ziegler. "Die Tafel hat beim Abholen Vorrang", unterstreicht auch Jürgens. Das oberste Ziel von Foodsharing sei nämlich, dass keine noch essbaren Lebensmittel auf dem Müll landen. Damit wollen die Akteure einen kleinen Beitrag zur Ressourcenverschwendung leisten.

Nach dem Sammeln bringen die Drei die Ware an die beiden Verteiler-Stellen. Diese sind vor der Teestube in der Hauptstraße 12 und im Vorgarten der Familie Betz in der Nordstadt, Am Graben 23. Oft seien die Lebensmittel schon eine halbe Stunde nachdem sie hereingelegt werden weg.

Die Singener Lebensmittelretter suchen für ihre ehrenamtliche Arbeit noch weitere Helfer. Seit Mai haben sie 200 Einsätze gehabt. "Wenn wir neue Mitstreiter bekommen, können wir uns auch um weitere Kooperationspartner kümmern", so Jürgens. Im Bio-Markt Sunnewirbel holen sie übrigens auch regelmäßig Ware ab.

Die Initiative

Das Projekt Foodsharing, also das Retten von Lebensmitteln vor dem Wegwerfen und die kostenlose Verteilung der Ware, gibt es in Deutschland seit Mai 2013. Seither haben sich nach Angaben der Bewegung sich über 20 000 Menschen im Netz angemeldet. Über 2700 Betriebe machen mit, über 500 ehrenamtliche Botschafter koordinieren die Arbeit bundesweit. Die Lebensmittelretter Singen sind auch auf Facebook. Kontakt über E-Mail: singen@lebensmittelretten.de


Weitere Informationen finden Sie unter: www.foodsharing.de

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